Volksbegehren Hamburg - ein Erfolg der Gegner der Schulreform
Mehr als 180.000 Unterschriften
Mehr zu: Gymnasium, Hamburg, Schulstruktur, Stadtteilschule, Volksbegehren, Volksentscheid, Schule(redaktion) Die Gegner der Schulreform in Hamburg haben offensichtlich genügend Unterschriften für einen Volksentscheid gesammelt. Wie die Initiative "Wir wollen lernen" mitteilte, hat eine erste Auszählung mehr als 180.000 Unterschriften ergeben.
Ob damit allerdings die für dieses Volksbegehren notwendige Anzahl von 61.834 gültigen Unterschriften erreicht ist, muss noch von der Bezirksverwaltung geprüft werden. Wenn dies der Fall ist und die Hamburgische Bürgerschaft dem Volksbegehren erwartungsgemäß nicht zustimmt, dann kommt es im Sommer 2010 zu einem Volksentscheid.
Die Gegner der Hamburger Schulreform wollen in erster Linie keine sechsjährige Grundschule und fordern den Erhalt der Gymnasien in ihrer bisherigen Form. Außerdem soll das Elternwahlrecht erhalten sein. Bei einem erfolgreichen Volksentscheid steht der Hansestadt ein Schulchaos bevor, denn die Schulreform soll zu Beginn des Schuljahres 2010/2011 starten - kurz nach dem vorgesehenen Termin für den Volksentscheid. Für einen erfolgreichen Volksentscheid ist ein Fünftel der Wählerstimmen erforderlich, was rund 240.000 Stimmen entspricht.
"Auch wenn bei diesem Erfolg sicherlich eine Rolle spielt, dass die größten Printmedien in Hamburg, Wirtschaftskreise und wohlhabende Teile der Bevölkerung in einer beispiellosen Materialschlacht gegen die Schulreform und für das Volksbegehren agitiert haben, ist der Erfolg sicherlich nicht allein auf Geld und Einfluss zurückzuführen", erklärte der Vorsitzende der GEW Hamburg, Klaus Bullan in einer ersten Stellungnahme.
Die tiefer liegenden Gründe dafür, dass es der Elbvorortinitiative gelungen sei, breite Teile der Bevölkerung auch aus anderen Stadtteilen zur Unterschrift zu bewegen, liegen aus Sicht der GEW darin, dass es eine tiefe Verunsicherung über die Bildungs- und damit die Zukunftschancen der jungen Generation in Hamburg gibt. Die Schulreform der schwarz-grünen Regierung stelle mit ihrem halbherzigen Kompromiss weder die Anhänger des längeren gemeinsamen Lernens noch die des traditionell gegliederten Schulwesens zufrieden, so der GEW-Vorsitzende.
Der Deutsche Philologenverband hingegen hat das Ergebnis des Volksbegehrens begrüßt und den Ersten Bürgermeister, Ole von Beust zum Handeln aufgefordert. "Wir fordern ihn auf, die umstrittene Schulreform zu stoppen bzw. nochmals auf den Prüfstand zu stellen. Die Gymnasien dürfen nach der bereits erfolgten Schulzeitverkürzung auf acht Jahre nicht weiter verstümmelt werden!", betonte der DPhV-Chef Heinz-Peter Meidinger.
Aus Sicht der Hamburger Wirtschaft, so erklärte Frank Horch, Präses der Handelskammer Hamburg heute in einer Stellungnahme, stünden bei einer Reform des Hamburger Schulwesens weniger die Fragen der Schulstruktur im Vordergrund, sondern vielmehr der konsequente Ausbau des Qualitätsmanagements. "Zur Entkoppelung des schulischen Erfolgs von der sozialen Herkunft und zur besseren Integration von Jugendlichen mit Migrationshintergrund plädieren wir darüber hinaus dafür, die für die Schulreform vorgesehenen Finanzmittel verstärkt in den Ausbau echter Ganztagsschulen zu leiten." Außerdem gehe er davon aus, dass der Senat das klare Ergebnis des Volksbegehrens zur Schulstrukturreform zur Kenntnis nehmen und in seinem weiteren Handeln berücksichtigen werde.
Die in Hamburg regierenden Grünen und CDU sind ja gerade von den bürgerlichen Schichten gewählt worden, die jetzt gegen die Schulreform anrennen.
Da kann man nur sagen, wer zu dumm ist die für ihn richtige Partei zu wählen, darf sich nachher nicht beklagen.
Vorher nachgedacht?
Ein Volksbegehren kann sich doch durchaus gegen das eigene Parteibuch richten, oder? Die Schulreform ist nur EIN Bestandteil des Wahlprogramms - und sie war in dieser überstülpenden, zerstückelnden und über's Knie gebrochenen Form nicht zu ahnen. Ziemlich schnell wurde jedoch deutlich, dass um der Macht Willen eine Reform geschaffen werden musste, bleiben pro Legislaturperiode doch nur 4 Jahre. Sehr behände hat der Senat die Schulreform also durchgewunken, es hätte ja sein können, dass Unmut laut werden würde. Tja, da war der Unmut aber schon lange da...
Bisher gab es zur möglichen Schulreform 11 aufmunternde Schreiben der 2. Bürgermeisterin an Hamburger Eltern. Erhellend waren die nicht immer. Warum z.B. werden Gymnasialklassen mit einer höheren Klassenfrequenz angesetzt als der Rest? Betriebskostensenkung?
Mit drei Kindern haben wir für die Schule jedes einzelnen Kindes unterschiedliche Fragen - sie können nicht beantwortet werden. Schulbriefpapier ist sehr geduldig, jedoch nicht interaktiv.
Und Schulentwicklungskonferenzen, auch mit Elternratsbeteiligung, wurden gerne durchgeführt, entschieden hat jedoch die mit Grünen durchsetzte reformpolitische Stelle.
G8 war schon ein Brocken für die Gymnasien (und hat sich vor Jahren schon im Stoffverteilungsplan voll auf die Grundschulen ausgewirkt), Profilbildung war noch einmal einer obendrauf. Nun haben wir auch seit diesem Schuljahr keine Hauptschüler mehr in Hamburg (Hat mal jemand Eltern, Lehrer, Schüler gefragt, was das für den Unterricht bedeutet?). Die mögliche Schulreform schluckte erneut Ressourcen, die wir lieber im Unterricht gesehen hätten.
Wünschenswert und bestimmt auch sehr effektiv wären kleinere Klassen (Gruppen!), mehr Personal, zumindest in der Grundschule Teamteaching (Lehrer stehen auf einem sehr einsamen Posten, SchülerInnen brauchen individuelle Zeit). Weiterhin: Mehr Investition in Familienbildung und familienbegleitende Angebote sind sinnvoll, um einigen Problemen, die sich heute in den Hamburger Schulen stellen, vorzubeugen.
Ich begrüße das Volksbegehren und den offensichtlich zu erwartenden Volksentscheid, sind es doch Möglichkeiten der demokratischen Einflussnahme.
Ich habe weder den einen noch die andere gewählt, bin nicht aus einem Elbvorort, kenne Gucci lediglich als sogenannte Marke – und bin weit entfernt von der sehr anmaßenden Aussage zu „gezielt geschürten Ängsten“ (Katharina Fegebank, GAL) – zum Glück bin ich in der Lage, eine eigene Meinung zu bilden.
Zu guter Letzt: Mir geht's um unsere Kinder und eine bedachtere Herangehensweise an Reformen.
Das ist ja ein superschlauer Kommentar.
Aber man lernt: überzeugt von grünen Inhalten, hat sich die "Grüne Partei" in Hamburg mein Vertrauen abschließend verspielt.
Es ist zu kotzen mit dieser Regierung in
Hamburg und schade um die Gal.aber Strafe muß
sein. Hoffe die Damen und Herren der Regierung
bekommen mal einen richtigen Denkzettel.
Was die Damen und Herren nach 2008 getan haben
ist Geld verbrennen im hohen Maße und mit der
Schulreform wäre es ohne Ende weiter gegangen.
Man sollte sich mal in den Bundesländern umhören wo es heute schon nicht funktioniert.
Es ist einfach nur noch peinlich.
Ich bin der Vater vom 3 Kindern, komme aus dem Iran und lebe seit 12 Jahren in Deutschland.Zwei Kindern haben bereits das Abitur gemacht und ein hat in diesem Jahr die Schule angefangen( Eine Wieder-Herausforderung für uns!!).Ich finde das Schulsystem in Deutschland sehr selektive. Es verletzt die Menschen-bzw. kinderrechte erheblich. In der Tat sollen alle Kindern die Gleichberechtigung haben mindestens bis zur 6. Klasse die gleiche Bildungsmöglichkeiten zu bekommen und ihr Können zu beweisen. Sie mußen zum Teil auch selbst in der Lage sein die Entscheidung zu terffen, wo sie hin wollen?!Selbstverständlich spielen die Eltern und Lehrern eine sehr große Rolle, um die Kinder von der Orientierungslosigkeit zu befreien und ihnen helfen ihren weg zu finden.
Da sind andere Kritikpunkte, was die Erst- und zweitklässlern betrifft. In diesen zwei Jahren gibt es keine Prüffungen und Noten.
Diese verursachen eine Ungewißheit über genauen Wissenstand der Kindern und können zu schlimmen Folgen führen.Wenn man das Ganze betrachtet,es ist festzustellen, dass in Deutschland ein Schulreform unverzichtbar scheint.
Ich bitte um Verzeihung, wenn mein Deutsch problematisch aussieht!!
Wir brauchen DIESE Schulreform in HH.
Der "Rohstoff Geist" war seit fast 200 Jahren für den wirtschaftlichen Erfolg unseres landes maßgeblich. Fast ebenso lange gibt es das Gymnasium. Das Gymnasium war immer das Flagschiff unserer Bildung im Land. Nun will man es kaputtmachen denn jeder ist gegen Selektion, Bildungsungerechtigkeit und geistige Elite. Aber ist es dazu notwendig schlaue Kinder nicht frühzeitig zu fördern? Ist es dazu notwendig einen großen Teil der Bevölkerung am Lernen zu hindern?
Ist es wirklich Selektion, wenn man das mehrgliedrige Schulwesen genug durchlässig macht? Und was hat es mit Bildungsgerechtigkeit zu tun, wenn man den schlauen Kindern Chancen nimmt? Haben die anderen deshalb mehr Chancen? Geht es nicht um Chancengerechtigkeit am Anfang des Bildungsweges, die unterschiedlich genutzt werden können und nicht um Gleichmacherei am Ende des Bildungsweges? Das Abitur für alle zu fordern, heißt es so niveaulos zu machen, dass es alle, auch die die nicht lernen wollen, geschenkt bekommen. Dann ist es nichts mehr wert, so wie unser "Rohstoff Geist" bald nichts mehr wert sein wird und wir zu den Abstieg zu den "armen Ländern" vollziehen werden. Aber vielleicht bekommen wir ja eines Tages Entwicklungshilfe aus China und richten unsere pädagogische Reformen dann nach dem totalitären, rein leistungsorientierten Schulwesen Chinas aus!
Die Umstellung von 4 auf 6 Jahre Gemeinsames Lernen hatten wir doch schon Ende der Vierziger Jahre.Sie ist total gescheitert. Es wird immer weniger begabte Kinder geben, für sie müssen andere Wege gefunden werden.Wie wäre es mit einer verpflichtenden Vorschule ab 4 Jahren ,dann gemeinsam bis Kl. 4.
Das wäre auch gemeinsames Lernen
über 6 Jahre und für Kinder mit Migrationshintergrund u. schlechten Deutschkenntnissen sehr viel dienlicher.So könnten sie zum offiziellen Schulbeginn zumindest Deutsch sprechen und viel von den Kindern mit anderem Hintergrund (aus gebildeten Elternhäusern)lernen.Sehr viele Kinder bringen ein umfangreiches Wissen, auch an Wortschatz aus dem Elternhaus mit,damit sind sie immer im Vorteil gegenüber Kindern, die nicht einen solchen Hintergrund haben.Kinder mit 4 Jahren haben ein sehr gutes Lernvermögen,ihnen könnte geholfen werden,wenn sie in den 2 Vorschuljahren diesen Mangel an Wissen aufholen könnten, bevor das Schullernprogramm anläuft.Die Gymnasialausbildung sollte auf jeden Fall erhalten bleiben,aber mit dem vorgeschlagenen Programm werden jedenfalls mehr Kinder zu einem Schulabschluss kommen.
Es ist wirklich bedauerlich, dass bei den ganzen Diskussionen nicht an die Kinder, die ja die Schulbank drücken müssen, gedacht wird.
In Berlin gab es bislang die Praxis bis zur 6. Klasse gemeinsam die Schulbank zu drücken, Freundschaften zu bilden und zu festigen. Didaktisch pädagogisch sinnvolle Lernkonzepte zu entwickeln und umzusetzten, um Wissen in jeder Form mit der Persönlichkeitsbildung zu festigen. Nach der 6. Klasse sind die Schüler i.d. R. allein in der Lage zu entscheiden, welchen Lernweg sie eingehen wollen und sie sollen von den Eltern und dem Lehrpersonal dahingehend unterstützt und beraten werden.So lassen sich Persönlichkeiten entwickeln. Das Statusdenken "Mein Kind geht aber auf das Gymnasium" hat bei der Vielfalt und der Entwicklung von Schlüsselkompetenzen für das Leben sowie Arbeitsmarkt keine Berechtigung. Hierzu fällt mir der Text von Herbert Grönemeyer ein "Gebt die Macht in Kinderhände..." Das Gymnasium gewinnt an Bedeutung, weil der Weg bewusst von den Schülern/Schülerinnen eingegangen wird, die wirklich einen akademischen Lebensweg eingehen und sich für ein Studium entscheiden. Die Grundschule bis zur 6. Klasse kann ja die Strukturen wie auf dem Gymnasium aufweisen, wie z. B. kleinere Klassen, mehr Fachpersonal, bessere Ausstattung mit PC und Lernsoftware ... - auch hier gilt es den Mehrwert für die Schulkinder für ihr späteres "Leben in einer vielfältigen Gesellschaft" zu erkennen und umzusetzen.
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