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Uni Hamburg wählt Dieter Lenzen zum neuen Präsidenten

Studenten fürchten "neoliberalen Kahlschlag"

Mehr zu: Hamburg, Hochschulmanagement, Personalia, Hochschule
21.11.2009

Hamburg (dpa) – Die Hamburger Universität hat den Präsidenten der Freien Universität (FU) Berlin, Dieter Lenzen, zu ihrem neuen Präsidenten gewählt. Sowohl der Hochschulrat als auch der Akademische Senat der Universität stimmten am 20. November dem Vorschlag der Findungskommission zu, wie die Hochschule mitteilte. Lenzen hat die Wahl noch nicht angenommen. Mit einer Entscheidung wird in dieser Woche gerechnet, wie eine Uni-Sprecherin sagte. Der Hochschulrat sprach sich einstimmig, der Akademische Senat mit zwei Gegenstimmen und einer Enthaltung für den 61-Jährigen aus.

Wissenschaftssenatorin Herlind Gundelach (CDU) begrüßte das Votum. Mit Lenzen erhalte die Universität einen Präsidenten, der über eine charismatische Persönlichkeit, leidenschaftliches Engagement, umfangreiche Erfahrungen in der Leitung einer so großen Institution verfüge, erklärte sie. Der Akademische Senat hatte bereits am 19. November getagt, um über die neue Spitze an der Hochschule zu entscheiden. Die Sitzung wurde aber abgebrochen, nachdem zahlreiche Studenten das Treffen gestört hatten. Sie protestieren gegen das Wahlverfahren. Zudem fürchten sie unter der Führung von Lenzen einen "neoliberalen Kahlschlag" an der Uni. Der Erziehungswissenschaftler Lenzen gilt wie Ex-Präsidentin Monika Auweter- Kurtz als wirtschaftsnah und autoritär.

Nach Vorauswahl durch die Findungskommission wird der Uni-Präsident unter Ausschluss der Öffentlichkeit zunächst vom Hochschulrat gewählt und muss anschließend noch vom Akademischen Senat bestätigt werden. Die Uni-Spitzenposition ist seit rund vier Monaten unbesetzt. Auweter-Kurtz hatte seit ihrer Berufung im November 2006 einen schweren Stand in Hamburg. Wegen ihres autoritären Führungsstils geriet die Expertin für Raketenantriebstechnik zunehmend unter Beschuss und entfachte schließlich einen beispiellosen Aufstand der Professoren: 120 Professoren und 170 wissenschaftliche Mitarbeiter forderten im Frühjahr 2009 ihren Rücktritt.

"Raketen-Moni", wie die Stuttgarterin genannt wurde, gab sich erst unversöhnlich und dann dialogbereit. Im Juli musste sie dann trotzdem gehen. So dringend es allen erscheint, die vakante Stelle zu besetzen, so umstritten ist die Prozedur des geheimen Wahlverfahrens. In Deutschland ist es derzeit insgesamt schwierig, für die Spitzenposition an den Hochschulen geeignete Köpfe zu finden und durchzusetzen (vgl. EXTRA 46/2009, S. 2ff.). Die FU Berlin hat Lenzen, der seit 2003 an ihrer Spitze steht und 2007 für vier Jahre wiedergewählt wurde, viel zu verdanken: Bundesweit steht sie mittlerweile – vor allem in den Geisteswissenschaften – ganz weit vorn und hat den begehrten Status als Elite-Uni erworben

(dpa-Dossier Kulturpolitik 48/23.11.2009)


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