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Trotz Bildungserfolg: "In diesem Land werde ich nie Bürger erster Klasse sein"

Jung, erfolgreich, türkisch - gleichwohl nicht gefragt? - Forschergruppe untersucht Biografien bildungserfolgreicher Migranten

Mehr zu: Berufseinstieg, Berufsorientierung, Bildungschancen, Bildungsgerechtigkeit, Deutschland, Hochschulabschluss, Integration, Migration, Hochschule
15.12.2009 -

(redaktion/idw) Abitur, Studium und schließlich ein erfolgreicher Hochschulabschluss sind eigentlich die besten Voraussetzungen für einen reibungslosen Berufseinstieg in Deutschland. Viele erfolgreiche Hochschulabsolventen mit Migrationshintergrund sehen ihre Chancen jedoch nicht in Deutschland, sondern in dem Land, aus dem ihre Eltern einmal eingewandert sind. Sie machen Karriere bei internationalen Firmen oder Institutionen außerhalb Deutschlands.

Mit den Biografien dieser so genannten bildungserfolgreichen Transmigranten mit Universitätsabschluss beschäftigt sich ein aktuelles Forschungsprojekt der AG Interpäd, ein interdisziplinärer Arbeits- und Forschungsbereich an der Philosophischen Fakultät der Leibniz Universität Hannover. Unter der Leitung von Prof. Hartmut Griese untersuchen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Transmigranten, die heute in der Türkei, in Polen und in Russland arbeiten sowie eine Vergleichsgruppe in Deutschland. Die Kontakte entstehen über Internetforen, Vereine und Zusammenschlüsse von "Rückkehrern". Die Interviews laufen in Kooperation mit Universitäten vor Ort.

Dabei geht es zum einen um die Gründe für den Bildungserfolg. "Warum haben es diese Migrantinnen und Migranten geschafft und andere nicht?", fragt Dr. Isabell Sievers, Koordinatorin der AG Interpäd. Zum anderen werden die Motive untersucht, die junge Menschen bewegen, ihre berufliche und private Zukunft im Land ihrer Eltern weiterzuverfolgen: "Warum sahen sie hierzulande keine beruflichen Möglichkeiten für sich, und wieso lässt Deutschland sie ziehen?" Der Großteil der Befragten stammt aus klassischen Gastarbeiterfamilien. Gemeinsam ist fast allen, dass eine Person außerhalb der Familie, etwa eine Lehrerin, ein Lehrer oder eine Nachbarin, die jungen Migrantinnen und Migranten in ihrer schulischen Entwicklung und Ausbildung unterstützt hat. "Aus diesen Erkenntnissen können wir bildungspolitische Rückschlüsse ziehen: Wie können solche erfolgreichen Biografien besser gefördert werden?", sagt Dr. Sievers.

In den Befragungen habe sich zudem herausgestellt, dass sich viele trotz ihres Bildungserfolges und der perfekten Zweisprachigkeit in Deutschland gesellschaftlich benachteiligt fühlten. Das zeigten Äußerungen wie: "In diesem Land werde ich nie Bürger erster Klasse sein." In ihren Herkunftsländern seien die Hochschulabsolventinnen und -absolventen hingegen äußerst gefragt. Das aktuelle Projekt soll weitere Erkenntnisse über "bildungserfolgreiche Transmigranten" liefern.

2 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von TBY, am 16.12.2009, 10:31

In der Tat wird man nicht "zum Bürger erster Klasse" wenn man einen Migrationshintergrund hat. Leider selektieren Firmen und Unternehmen nicht nach den jeweiligen Qualifikationen des Bewerbers und der Bewerberin. Hat man einen "ausländischen" NAMEN, hat man verloren (so ist es beim größten Teil der qualifizierten Migranten). Das höre ich ständig von meinem Freundeskreis, was langsam zur Frustration führt.

Ich finde es toll, wenn solche Forschungsprojekte wie oben durchgeführt werden. Dann kommen diese Menschen wenigstens auch ans Tageslicht. Sonst kennt man die Mirgranten ja "nur" in Verbindung mit Sprachproblemen und INTEGRATIONunWILLIGKEIT.

von Frosch, am 18.12.2009, 00:21

Als gebildeter Migrant hat man in der deutschen Gesellschaft schlechte Karten. Solange der Migrant Arbeiten verrichtet die kein Deutscher machen will gibt es keine Probleme, aber wenn er ein Migrant sozial aufzusteigen will werden überall Sanktionen wirksam.


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