Revolution in der Lehrerbildung: Die TUM School of Education
Lehramtsstudenten sollen eine Heimat bekommen
Mehr zu: Bayern, Bologna-Prozess, Deutschland, Lehrerbildung, Hochschule(dpa) – Steile Karriere einer neuen Fakultät: Schon kurz nach ihrem Start ist die "TUM School of Education" an der Technischen Universität München (TUM) unter Dekan Manfred Prenzel zum neuen deutschen Führungszentrum der nächsten beiden PISA-Runden gekürt worden. Dabei hat die deutschlandweit einzigartige innovative Einrichtung zur Lehrerausbildung an der Münchner Eliteuniversität erst mit Beginn des Wintersemesters 2009/10 ihre Arbeit aufgenommen.
Mit der Fakultät für Lehrerbildung und Bildungsforschung in den so genannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) soll nach Darstellung der Universität die Lehrerbildung modernisiert und ihre Qualität erhöht werden. Die Lehramtsstudenten sollen eine Heimat bekommen, Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften können sie nun an "ihrer" Fakultät studieren. Dadurch soll sich der Austausch zwischen den Studierenden und zwischen den unterschiedlichen Disziplinen verbessern. Vorbild hierfür ist den Angaben zufolge zum Beispiel die Stanford School of Education in Kalifornien.
An anderen Universitäten werden Lehramtsstudenten oft stiefmütterlich behandelt: Die Ausbildung für ihre Unterrichtsfächer findet an den jeweiligen Fachfakultäten statt. Die fühlen sich aber häufig nicht für die zukünftigen Lehrer zuständig und konzentrieren sich lieber auf Studenten, die später für die Forschung oder die Wirtschaft arbeiten wollen. Auch die Fachdidaktiken, die Wissenschaften vom Lehren und Lernen eines bestimmten Faches, sind an den jeweiligen Fachfakultäten angesiedelt. Daher haben Lehramtsstudenten meist keine zentrale Anlaufstelle, sondern pendeln zwischen den verschiedenen Fakultäten und – je nach Campus – auch zwischen unterschiedlichen Standorten. Das wollte die TUM ändern.
Als Fakultät hat die TUM School ein eigenes Budget und kann eigene Professoren berufen. Derzeit gibt es dort nach eigenen Angaben elf Professoren für Fachdidaktiken und Bildungswissenschaften, die früher anderen Fakultäten zugeordnet waren. Fünf weitere sollen demnächst berufen werden. Zudem können Professoren aus den Fachwissenschaften zu einem bestimmten Prozentsatz an der TUM School angestellt werden und dort Extra-Veranstaltungen für Lehramtsstudenten abhalten.
Aber an der TUM School wird nicht nur gelehrt, sondern auch geforscht. Sie setzt besonders auf empirische Bildungsforschung, die zum Beispiel neue Unterrichtskonzepte erprobt, wie es hieß. Geplant seien auch interdisziplinäre Promotionsstudiengänge wie etwa Wissenschaftsjournalismus und Fortbildungs-Masterstudiengänge für im Beruf stehende Lehrer. Die TUM School will außerdem Verbindungen zu ausgewählten Schulen herstellen, an denen die Studenten schon in den ersten Semestern Praktika ableisten. Mit ihrem Konzept konnte sich die TUM School schon rund 16 Millionen Euro an Stiftungsgeldern sichern. Unter anderem wurde sie im Juli einer der vier Sieger des Hochschulwettbewerbs der Deutschen Telekom Stiftung.
Im Dezember beschlossen die Kultusminister, dass Deutschland auch bei den nächsten beiden Runden des weltweiten Schülertests PISA in den Jahren 2012 und 2015 mitmachen wird. Deutsches PISA-Zentrum der Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD/Paris) soll dann die TUM, nationaler Projektmanager Prenzel werden (vgl. 51/2009, S. 14f.).
Derzeit studieren an der neuen Fakultät rund 1000 junge Menschen: Etwa 700 sind für den Studiengang "Berufliche Bildung" für das Lehramt an beruflichen Schulen eingeschrieben und rund 300 für den Studiengang "Naturwissenschaftliche Bildung" für das Lehramt am Gymnasium. Die Studiengänge werden zur Zeit auf das Bachelor- und Master-Modell umgestellt.
Doch nicht jeder soll einfach drauf los studieren: Eignungsfeststellungsverfahren und Beratungsgespräche sind der TUM School eigenen Angaben zufolge wichtig. Sie würden Interessierten vor der Aufnahme eines Studiums helfen festzustellen, ob sie sich überhaupt zum "Master of Education" eigneten.
Da die neue Fakultät gerade erst die Arbeit aufgenommen hat, gibt es noch wenige Erfahrungen mit dem Konzept. "Zu verspüren sind hohe Erwartungen von allen Seiten, eine Aufbruchstimmung mit hohem Engagement und vielen guten Ideen, positive Veränderungen in der Wertschätzung der Lehrerbildung und hohes Interesse anderer Lehrerbildungseinrichtungen und Universitäten an unserem Modell", sagt Dekan Prenzel. "Diese Revolution war bitter nötig", betont Christoph Schindler von der Fachschaft Lehrerbildung. Die Studierenden erhoffen sich nun, dass die Organisation ihres Studiums leichter wird, Beruf und Studium enger verknüpft werden, dass die Lehramtsstudenten mehr Selbstvertrauen gewinnen und dass sich das Bild der Lehrer in der Gesellschaft verbessert.
Tina Nachtmann (dpa-Dossier Kulturpolitik 01/04.01.2010)
© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
Alle Rechte bleiben vorbehalten.
Schule
"Inklusion gelingt dann, wenn man sie will"
23.05.2012. (red) Eine Schule für alle - was in Deutschland gegenwärtig heftig diskutiert wird, ist in Italien längst Realität. Seit der Abschaffung der Sonderschulen vor 35 Jahren besuchen dort alle Kinder gemeinsam die Schule bis zum Ende der achten Klasse. Über die Erfahrungen, die Erfolge, aber auch ...Sonderthemen
Inklusionsfilm heute im Ersten
23.05.2012. (red/pm) Nach seiner erfolgreichen Ausstrahlung im vergangenen Dezember auf BR-alpha wird der Film INKLUSION – GEMEINSAM ANDERS nun auch im Ersten gezeigt, und zwar heute um 20:15 Uhr. Paul (Max von der Groeben) ist ein sportlicher, aber geistig leicht zurückgebliebener Junge. Steffi (Paula ...Hochschule
Weniger Gasthörer an deutschen Hochschulen im Wintersemester 2011/2012
Wiesbaden, 22.05.2012. 34 600 Gasthörerinnen und Gasthörer besuchten im Wintersemester 2011/2012 Lehrveranstaltungen an deutschen Hochschulen. Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) weiter mitteilt, ging die Anzahl der Gasthörer im Vergleich zum vorhergehenden Wintersemester um 10,4 % zurück. Ursachen für den ...- „Von 1965 bis 1975 gab es den Deutschen Bildungsrat. Dieser wurde von den Politikern aufgelöst, als er zu fortschrittlich wurde ....“
- MRotermund zu Nationaler Bildungsrat gefordert
- „Sprachstandsfeststellung? Ok! Aber doch nicht so!“
- Philsmom zu Sprachtests in NRW: Es geht nicht um die Kinder
Aktuelle Lernhilfen
|
Aktuelle Lernhilfen finden
ein Service von lernklick.de
|







Interviews -



Newsletter
Feedback