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Lernen bei guter Laune

NRW-CDU für bessere Schule

Mehr zu: Deutschland, Ganztagsschule, Hirnforschung, Killerspiele, Nordrhein-Westfalen, Sport, Unterrichtsgestaltung, Schule
05.01.2010 -

(dpa) – Lernen nur bei guter Laune. Eine Eins im Sportunterricht nicht für den schnellsten Lauf, sondern für die große Anstrengung. Und – was schon die Rock-Gruppe Pink Floyd in ihrer berühmten Schüler- Hymne "Another Brick in the Wall" verlangte: Kein Sarkasmus im Klassenzimmer. Mit solchen Forderungen der modernen Lern- und Hirnforschung beschäftigt sich derzeit die CDU-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen. Sie hat ein Gutachten beim Transferzentrum für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) in Ulm in Auftrag zu geben, aus dem sie im neuen Jahr Konsequenzen für ihre Bildungspolitik ziehen will.

Einen Vorgeschmack präsentierte der Leiter des Transferzentrums, Manfred Spitzer, in einem Werkstatt-Gespräch der Landtagsfraktion in Düsseldorf im Dezember. Der Neurowissenschaftler und Psychiater hatte interessante Ergebnisse der jüngeren Forschung im Gepäck: So sei etwa im Gehirn eindeutig nachweisbar, dass Inhalte, die mit Angst gelernt werden, auch später immer mit Angst verknüpft werden und damit kreative Problemlösung blockiert wird.

"Das Pech eines schlechten Mathematik-Unterrichts"

"Mathematik ist das Angst-Fach", weiß der Forscher und Vater von fünf Kindern. Laut einer Forsa-Studie habe jeder dritte Schüler in Deutschland Angst vor Mathe. Viele von ihnen seien im Laufe der Jahre in einen Kreislauf von Blamage- und Versagensängsten geraten, der sie immer wieder darin bestätigt habe, dass sie nicht in der Lage seien, die Aufgaben vorzurechnen. "Aus neurobiologischer Sicht gilt: Menschen mit Angst vor Formeln sind weder dumm noch mathematisch unbegabt", unterstrich Spitzer. "Sie hatten nur das Pech eines schlechten Mathematik-Unterrichts."

Wie das besser werden kann, daran arbeitet das Transferzentrum derzeit unter anderem in Troisdorf. Dort haben sich alle 23 Schulen vernetzt, um ihre Lernkultur zu verbessern und zu harmonisieren. Zwei Jahre lang begleitet das Zentrum die Lehrer auf ihrem Weg, Kinder statt Stoff zu unterrichten. Finanziert wird das von den Schulträgern und der Stadt. "Lehrer sollen nicht zu Spaß-Pädagogen werden", betont Spitzer. Aber nicht alle hätten gelernt, Kinder individuell zu fördern.

Die Lehrer behutsam mitzunehmen, sei von zentraler Bedeutung. "Jede Reform hat negative Auswirkungen auf die Motivation der Lehrer." Deswegen müsse jede Neuerung gut erprobt werden, damit sie eine Chance habe, wirklich umgesetzt zu werden. "Und nicht nur von den besten Lehrern", mahnt Spitzer. So könne etwa nicht "von oben" angewiesen werden, flächendeckend das seit zwei Jahren an einer Heidelberger Schule unterrichtete Fach "Glück" einzuführen. Auch dies könne bei schlechtem Unterricht nicht überzeugter Lehrer Schüler unglücklich machen.

Von zentraler Bedeutung seien selbstbestimmte Ziele. "Es kommt darauf an, dass Kinder etwas für sich wollen und sich anstrengen, um das zu erreichen", erläuterte Spitzer. Dazu habe es einen interessanten Schulversuch in den USA gegeben. "Im Sportunterricht konnte jeder beim Laufen eine Eins bekommen, der sich angestrengt hat." Dies sei mit dem Pulsmessgerät ermittelt worden. "Das Ergebnis: Jeder strengte sich an und alle wurden mit der Zeit schneller und fitter."

Um zu besseren Bildungsergebnissen zu kommen, sei auch das Elternhaus gefragt, unterstrich Spitzer. Wenn die Eltern arbeiteten und keine Ganztagsschulen sich kümmerten, sei nachmittags für viele Kinder niemand da. Folge seien stundenlanger Medien-Konsum und "Ballerspiele".

Hirnforschung betont Lernen als naturwissenschaftlichen Prozess

Lernpsychologisch fatal: Das Gelernte kann sich am Nachmittag in den Schülerköpfen nicht setzen. "Wir brauchen weniger Ballerspiele und Hollywood- Filme nachmittags und vormittags weniger müde Schüler", bilanziert Spitzer. Sehr positiv auf Lernerfolge wirkten sich dagegen Sport und das Erlernen eines Musikinstruments aus.

Es sei ein großer Erfolg der jüngeren Hirnforschung, dass Lernen inzwischen nicht allein im Widerstreit pädagogischer Theorien, sondern auch als naturwissenschaftlicher Prozess betrachtet werden könne, meinte Spitzer. Damit stehe auch fest: "Es kann nicht von der Parteizugehörigkeit der Regierung abhängen, wie Kinder lernen."

Auf eine Frage hat die Hirnforschung keine klare Antwort: ob längeres gemeinsames Lernen Voraussetzung für mehr Schulerfolg ist. Für CDU-Landtagsfraktionschef Helmut Stahl ohnehin eine zu vernachlässigende "deutsche Debatte". Eines will Stahl aber in der Politik umsetzen: "Erziehung und Bildung vom Kind her denken."

Bettina Grönewald (dpa-Dossier Kulturpolitik 01/04.01.2010)


© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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