Mehr Masterstudiengänge für Berufstätige
Stifterverband fordert passgenauere Weiterbildungsangebote an den Hochschulen
Mehr zu: Bologna-Prozess, Studienwahl, Übertritt, Hochschule, Berufliche Bildung, Weiterbildung(dpa) – Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft fordert mehr Masterstudiengänge für Studenten mit Berufserfahrung. In Deutschland richte sich erst jeder achte Masterstudiengang an Berufstätige, teilte der Verband mit. Außerdem müssten die Studierenden für diese Weiterbildungen alle Kosten tragen, kritisierte Generalsekretär Andreas Schlüter. Wegen der vermeintlich größeren privaten Erträge würden sie als individuelle Fortbildung gelten. "Diese Differenzierung und die systematische Benachteiligung des weiterbildenden Masters ist kontraproduktiv und willkürlich", erklärte Schlüter.
Daher forderte er die Aufhebung der Zulassungsvorgaben für die Unterscheidung zwischen den drei Arten von Masterstudiengängen: den "konsekutiven" (dem Bachelor folgend), "nicht-konsekutiven" (dem Bachelor in einem anderen Fach folgend) und "weiterbildenden" Studiengängen.
Stattdessen solle jeder Studierende ein individuelles Konto mit 300 ECTS-Kreditpunkten zu Beginn des Erststudiums bekommen, regte der Verband an. Dies solle an jeder Hochschule und in jedem Lebensstadium unabhängig von den gegebenenfalls an der Hochschule anfallenden Studienbeiträgen einzulösen sein. "Bachelor und Master gehört zur akademischen Erstausbildung – egal, wann man ihn macht", sagte Verbandssprecher Frank Stäudner. Die ECTS-Punkte (European Credit Transfer System) sollen die internationale Vergleichbarkeit von Leistungsnachweisen sicherstellen.
Laut Stifterverband liegt je nach Bundesland der Anteil weiterbildender Masterstudiengänge am gesamten Masterangebot zwischen 3 und 21 Prozent. Berlin präsentiere sich mit einem Anteil von 21,5 Prozent als "Hauptstadt der Weiterbildung". Von den 317 angebotenen Masterstudiengängen seien 68 weiterbildend. Es folgen Rheinland-Pfalz (19,7 Prozent) und Bayern (18,5 Prozent). Kaum weiterbildende Masterangebote gebe es in Thüringen (3,6 Prozent) und Schleswig- Holstein (3 Prozent). Insgesamt gebe es in Deutschland 4367 Masterstudiengänge (ohne Kunst- und Musikhochschulen). Davon seien 527 weiterbildend.
Modellprojekt an Leuphana Universität Lüneburg
Der Stifterverband setzt sich nicht nur für mehr, sondern auch für passgenauere Weiterbildungsangebote an den Hochschulen ein. Solche Studiengänge müssten stärker auf die Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeitern zugeschnitten werden. Dazu hat der Verband zusammen mit der Leuphana Universität Lüneburg vor Kurzem ein Modellprojekt gestartet, um modellhafte Lösungsansätze für mehr Qualität und Transparenz in der sogenannten Quartären Bildung zu erarbeiten.
Unternehmen würden gern mehr im Bereich der Weiterbildung mit Hochschulen zusammenarbeiten, ihnen fehle jedoch oft der Überblick über geeignete Angebote, erklärte der Verband unter Hinweis auf eine eigene Untersuchung von 2008. Auch hätten die Hochschulen noch nicht das Potenzial erkannt, das sich ihnen in diesem Sektor biete. So will die Leuphana Universität unter anderem Instrumente entwickeln, um sicherzustellen, dass das erlernte Wissen hilfreich in der Praxis angewendet werden kann. Begleitet wird die Arbeit von einem Expertenbeirat mit Mitgliedern aus der Wirtschaft, vom Bundesbildungsministerium oder der Bundesagentur für Arbeit. Die Vizepräsidentin für Lebenslanges Lernen und Leiterin der Leuphana Professional School, Sabine Remdisch, leitet das Forschungsprogramm. Dazu haben die Projektpartner im Dezember ein erstes Positionspapier vorgelegt: "Qualität und Transparenz in der Quartären Bildung. Quartäre Bildung II – Hochschulen als Weiterbildungspartner."
(dpa-Dossier Kulturpolitik 01/04.01.2010)
© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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