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In neun Bundesländern kein EU-Schulobst

Gewerkschaft: "Politisch kurzsichtig und dumm" - Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte: "Skandalös"

Mehr zu: Europa, Gesundheit, Schulobst, Schule
26.01.2010 -

(redaktion/pm) Nach einer "Frontal 21"-Umfrage wollen neun Bundesländer nicht am EU-Schulobstprogramm teilnehmen: Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen und Schleswig-Holstein. Dort entgeht den Schülern ein Millionen-Geschenk der EU. Denn die Europäische Kommission stellt Deutschland in diesem Schuljahr gut 20 Millionen Euro zur Verfügung, damit Schüler kostenlos frisches Obst und Gemüse essen können. Im Gegenzug sollen die Bundesländer rund 18 Millionen Euro dazu geben.

Bislang wird EU-Obst und Gemüse lediglich an Schulen im Saarland verteilt. Weitere sechs Bundesländer arbeiten noch an der Umsetzung: Bayern, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Europaweit nehmen nach Informationen der EU-Kommission schon 18 Länder am Schulobstprogramm teil, weitere fünf arbeiten noch an der Umsetzung. Lediglich drei EU-Länder wollen nicht teilnehmen, weil sie bereits eigene Programme für gesunde Schulernährung haben.

Marianne Demmer, Vorstandsmitglied der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, hält die geringe Beteiligung in Deutschland "für politisch kurzsichtig, für dumm, für im Prinzip völlig daneben". Denn das Programm sei eine Möglichkeit, Kinder mit gesunder Ernährung vertraut zu machen. Für "skandalös" hält auch Wolfram Hartmann, Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte, die Absage der neun Bundesländer. Besonders Kinder aus sozial schwachen Familien wüssten wenig über gesunde Ernährung und seien daher besonders gefährdet. Laut OECD hat sich der Anteil Fettleibiger bei den fünfzehnjährigen Mädchen innerhalb von nur fünf Jahren verdoppelt. Danach ist jedes neunte Mädchen krankhaft übergewichtig. Bei den Jungen ist es sogar jeder sechste.

Ihre Absage an das EU-Schulobstprogramm begründen viele Landwirtschaftsminister mit bürokratischen Problemen. "Wir müssen für jedes Kind einzeln nachweisen, dass es auch das Stück Obst oder Gemüse bekommen hat", meint Frank Kupfer, Landwirtschaftsminister von Sachsen, CDU. Im Saarland sieht man hingegen keine Probleme bei der Umsetzung des Programms. Dort haben seit Mitte November 2009 über 10 000 Schüler an Grund- und Förderschulen kostenloses Obst und Gemüse erhalten. Der Rücklauf an Meldungen sei "sehr, sehr gut", so die zuständige Umweltministerin Simone Peter, Bündnis 90/Die Grünen.

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