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Frühe Neuen Medien

Medienkompetenz für Erzieherinnen

didacta 2010 Themendienst: Bisher wurden 10.000 Erzieherinnen weitergebildet

Mehr zu: didacta - die Bildungsmesse, Europa, KITA, Medienkompetenz, Kindergarten / Vorschule
27.01.2010 -

Die jahrelang teils verbissen geführte Diskussion über das Pro und Kontra von Medienerziehung im Kindergarten scheint überholt. Denn auch kleine Kinder wachsen bereits ganz selbstverständlich mit verschiedenen Medien auf. Sie kommen nicht erst als Schulkinder mit Computer Internet und Co. in Berührung und sollten deswegen möglichst frühzeitig den sicheren, kompetenten und sinnvollen Umgang mit den Neuen Medien lernen.

Experten wie der ehemalige Direktor des Staatsinstituts für Frühpädagogik in München, Prof. Dr. Dr. Dr. Wassilios Fthenakis, sehen Medienerziehung als eine der zentralen Aufgaben im frühkindlichen Bereich. Und dafür braucht es geschulte Vermittler. Deswegen hat das Bundesbildungsministerium im Jahr 2008 ein groß angelegtes Weiterbildungsprojekt für Erzieherinnen gestartet: "Basisqualifizierung Medienkompetenz", das vom Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird. Rund 10.000 Erzieherinnen haben mittlerweile an den Schulungen teilgenommen. Jetzt ist die zweite Schulungsphase für weitere 10.000 Erzieherinnen gestartet. Organisiert wird das Projekt vom Verein Schulen ans Netz. Die Teilnahme ist kostenlos. Die Kurse werden bundesweit von verschiedenen ausgewählten Trägern angeboten. In Norddeutschland ist es der Verein Blickwechsel e. V. Hier organisiert Susanne Roboom die medienpädagogischen Weiterbildungskurse für die Erzieherinnen. Wir haben sie nach ihren Erfahrungen gefragt.

Warum sollten sich Erzieherinnen überhaupt in diese Richtung qualifizieren, könnte man den Computer nicht einfach außen vor lassen?

Susanne Roboom: Vom frühesten Lebensalter kommen Kinder mit Medien in Berührung, also auch mit dem Computer. Medien sind somit selbstverständlicher Bestandteil ihrer Lebenswelt. Und die Kinder begegnen den neuen Technologien und Computerwelten meistens ziemlich unbefangen und mit einer großen Portion Neugier. Die "graue Kiste" hat ihnen auch einiges zu bieten, schon im Vorschulalter. Je selbstverständlicher die Kinder lernen, mit dem Computer umzugehen, desto größer ist die Chance, dass sie ihn sinnvoll nutzen.

Erzieherinnen werden auch häufig mit Fragen der Eltern konfrontiert. Etwa, ob die Gewaltbereitschaft der Kinder steigt, oder ob sie sich nicht mehr richtig bewegen, nicht mehr rückwärts laufen können, wenn sie den Computer nutzen. Da kann die Antwort nur sein: Wenn man den Computer als Babysitter einsetzt, dann muss man sich über negative Konsequenzen nicht wundern. Aber wenn man ihn mit Konzept und Bedacht einsetzt, dann ist er durchaus sinnvoll und im Hinblick auf Chancengleichheit ganz wichtig. Denn auch Kinder aus Familien, die keinen Computer besitzen oder ihn sehr einseitig nutzen, bekommen die Möglichkeit, sich mit dem Gerät vielseitig und spielerisch auseinanderzusetzen. Zudem können im Kindergarten Mädchen und Jungen gleichermaßen an den Computer herangeführt und im Umgang mit der Technik gefördert werden. Wie kreativ und vielseitig der Computer letztendlich genutzt wird, hängt zu Hause wie in der Einrichtung stark von der Unterstützung durch die Erwachsenen ab.

Was lernen die Erzieherinnen in diesen Kursen?

Susanne Roboom: Die Kurse sind als Mischung aus pädagogischer Diskussion und technischer Erprobung aufgebaut. Die Erzieherinnen erhalten solide Grundkenntnisse rund um den Computer und das Internet und sollen in die Lage versetzt werden, den Computer in der eigenen Einrichtung für medienpädagogische Projekte und zur Medienkompetenzförderung einzusetzen. Außerdem lernen sie, das Internet zur eigenen Weiterbildung zu nutzen.

Und was kann man sich unter diesen medienpädagogischen Projekten in der Kita vorstellen?

Susanne Roboom: Zum Beispiel können die Kinder mit der Digitalkamera losziehen und Bildreihen knipsen, das schult die Wahrnehmung. Wenn gerade das Thema Formen oder Farben behandelt wird, können sie draußen gucken: Wo finde ich diese Formen? Wo sind denn andere Kreise als die, die wir hier als Plättchen im Kindergarten haben? Dann entdecken sie möglicherweise den Gullideckel. Oder man kann gemeinsam Spiele bewerten, um einen bewussteren Blick zu bekommen.

DAZU AUF DER DIDACTA

  • KIGA-Seminare vom 16.3. bis 20.3.2010
  • Symposion "Beobachtung und Dokumentation von Bildungs- und Lernprozessen in Kindergarten und Grundschule Konzept und Moderation: Professorin Dr. Angelika Speck-Hamdan (Ludwig-Maximilians-Universität München), Dr. Hans Rudolf Leu (Deutsches Jugendinstitut e.V., München) Congress-Centrum Ost, Congress-Saal Sektion III, 16.03. und 17.03.2010, 11 – 16 Uhr.
  • Medienpädagogischer Tag des WDR, mit Dr. Maya Götz (IZI),Monika Frederking (wdr Kinderradio), Heike Sistig (wdr Kinderfernsehen) u. a. Moderation: Ralph Caspers (Sendung mit der Maus, Wissen macht Ah!) 18.3.2010, Offenbachsaal, 10:30–13:00 Uhr.
  • Bildungsort Kita – Neue Wege in der frühkindlichen Bildung. Zum Thema "Weiterbildung ist Zukunft – Berufliche Perspektiven für Erzieher und Erzieherinnen" diskutieren unter anderem Prof. Wassilios E. Fthenakis (Universität Bozen), Dr.phil. Ilse Wehrmann, freie Beraterin im Bereich frühkindlicher Bildung und ehemalige Geschäftsführerin des Landesverbandes Evangelischer Tageseinrichtungen für Kinder in Bremen und der Projektleiter des Schulen-ans-Netz-Projektes BIBER- Netzwerk frühkindliche Bildung, Gerhard Seiler gemeinsam mit zwei Erzieherinnen, die an der BIBER-Weiterbildung "Das geht gut mit Medien! Neue Wege zwischen Kita und Grundschule" teilgenommen haben. Dabei geht es unter anderem um die Fragen, welche gesellschaftlichen und fachlichen Erwartungen heute an Erzieherinnen und Erzieher gestellt werden und warum Erzieherinnen heute medienkompetent sein müssen. Im Anschluss an die Diskussion erhält die 10.000ste Absolventin des bundesweiten Medienqualifizierung für Erzieherinnen und Erzieher ihr Zertifikat. Um das Thema "Sprachförderung" geht es anschließend in dem Vorschulkinder-Format "JoNaLu" (ZDF), Halle 10, E-088, 19.03.2010, 11 Uhr

2 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Marc Kraft, am 31.01.2010, 03:36

Ich arbeite als Lehrer an einer Montessorieinrichtung und finde es äußerst bedenklich, den Kindern von Kindergartenseite Zugang zu Computern zu gewähren. Der PC ist als aktive Gefahr für Kindergehirne einzustufen. Was Kinder in dieser Altersstufe wirklich brauchen, sind sensomotorische Erfahrungen - wir sehen in unserer Schule die krassen Unterschiede zwischen "Medienkindern" welche kein Männchen malen können aber perfekt mit der Maus arbeiten und den letzten verliebenen "natürlich" aufgewachsenen und vor Medien beschützen Kindern. Letztere haben durch ihre reichliche aktive Erfahrung mit der REALEN Welt wesentlich bessere Voraussetzungen, sich die Welt der Zahlen und Buchstaben anzueignen. Es ist ein Trugschluss, das Kinder im Kindergartenalter später bessere Berufschancen haben, wenn sie sich zu früh mit Medien beschäftigen. Dies genügt ab dem 12.Lebensjahr - wir beginnen dann mit dem 10-Fingersystem.

Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht.

Lasst den Kindern ihre Zeit, sich zu entfalten und löscht die Flamme des Interesses nicht zu früh durch Überforderung.

Liebe Grüße,

Marc Kraft

von Karl-heinz Krönes, am 02.02.2010, 19:50

ich finde es schön zu Steiken


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