(dpa) – Die Diskussion über das geplante Berliner Integrationsgesetz nimmt langsam Fahrt auf. Aus dem Landesbeirat für Integrationsfragen kommt jetzt der Vorschlag, Betriebe mit sanftem finanziellen Druck zur Einstellung von Auszubildenden mit ausländischen Wurzeln zu bewegen. "Wer unter seinen Auszubildenden keine oder zu wenige Lehrlinge aus Zuwandererfamilien hat, sollte per Gesetz verpflichtet werden, einen Ausgleich zu zahlen", sagte Landesbeiratsmitglied Nazire Karaman der Deutschen Presse-Agentur dpa. Dabei sollte man sich an einer gewünschten Quote von 20 Prozent orientieren.
Karaman sieht die Schwerbehindertenausgleichsabgabe als Vorbild. Dieses Geld müssen Firmen bezahlen, die nicht auf die vorgeschriebene Quote von schwerbehinderten Mitarbeitern in ihren Betrieben kommen. "So ähnlich sollte auch etwas dafür getan werden, dass junge Leute aus Migrantenfamilien leichter eine Ausbildungsstelle erhalten", sagte Karaman. "Die Diskriminierung auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ist noch groß. Deshalb brauchen wir verbindliche Maßnahmen, die dem entgegenwirken." Die Berliner Industrie- und Handelskammer (IHK) lehnt verpflichtende Quoten ab.
Berlin will als erstes Bundesland die Integrationspolitik auf eine gesetzliche Grundlage stellen und zur Pflichtaufgabe der Landesverwaltung und der zwölf Bezirke machen. Das Gesetz soll noch vor der Abgeordnetenhauswahl 2011 vom Parlament verabschiedet werden.
Rund 25 türkische Akademikerinnen haben die "Frankfurter Initiative progressiver Frauen" gegründet. Sie wollen künftig als Vorbild für die Integration von Ausländern in die politische Diskussion eingreifen.
Die Eingliederungsdebatte werde fälschlicherweise vornehmlich mit großen muslimischen Verbänden geführt, in denen aber allenfalls 20 Prozent der Muslime organisiert seien, sagte die Zahnärztin Ezhar Cezairli am 27. Januar in Frankfurt. Wichtig seien Bildungschancen und die Einflussnahme auf das Elternhaus, damit es die Bedeutung der Schule erkennt.
(dpa-Dossier Bildung Forschung 05/01.02.2010)