Erfurt (dpa) – Das CDU/SPD-regierte Thüringen hat die Verwaltungskostenbeiträge an den Hochschulen abgeschafft. Vom Sommer an müssen die Studenten nicht mehr 50 Euro pro Semester bezahlen, beschloss der Landtag Ende Januar in Erfurt. Damit wurde eine Regelung der früheren Regierung zurückgenommen. Die Gebühren summierten sich pro Jahr auf etwa 4,8 Millionen Euro. Davon erhielten die Hochschulen die Hälfte, der Rest floss in den Landeshaushalt. Die Regierung will die Hochschulen jetzt dafür finanziell entschädigen. Gleichzeitig wies die Regierungskoalition die Forderung der Linken zurück, die Studiengebühren für Langzeitstudenten und Senioren abzuschaffen.
Mit dem Gesetz habe die Regierung eine Ankündigung des Koalitionsvertrages umgesetzt, sagte Wissenschaftsminister Christoph Matschie (SPD). "Wir haben Wort gehalten." Die Beiträge seien als Einstieg in Studiengebühren verstanden worden. Ihre Streichung sei deshalb ein Signal an Studenten, dass ihnen in Thüringen an dieser Stelle keine Kosten entstehen. "Nach Umfragen ist ein Hauptmotiv für ein Studium in Thüringen die Freiheit von Studiengebühren." Die Hochschulen müssten zudem nicht auf das Geld verzichten. Für sie stünden in diesem Jahr 386 Millionen Euro bereit, 40 Millionen Euro mehr als 2009.
Jena – Bessere Arbeitsbedingungen an den Thüringer Hochschulen hat die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi gefordert. Die Einrichtungen seien unterfinanziert, Stellen würden offen gehalten und nicht wieder besetzt, kritisierte die zuständige Verdi-Fachbereichsleiterin Anne Voß am 23. Januar nach einer Tagung in Jena. Professoren kämen ihrem Auftrag von Forschung und Lehre kaum noch nach, da sie wie Manager agieren und Drittmittel einwerben müssten. Nachwuchswissenschaftler könnten wegen der Arbeitsverdichtung kaum noch ihre beruflichen Karrieren planen. Derzeit seien an den vier Thüringer Unis zehn Prozent der Stellen unbesetzt.
Aus Sicht der Gewerkschaft muss ebenfalls die Finanzierung der Einrichtungen überdacht werden. Derzeit sei diese an die Studentenzahl gekoppelt. Künftig werde zwar ein Rückgang der Studierenden erwartet, aber die Anforderungen an Lehre und Forschung erhöhten sich. "Deshalb müssen gemeinsam mit den Hochschulen andere Kriterien für die Finanzierung entwickelt werden", verlangte Voß. Eine Neuausrichtung sei ebenfalls beim Bologna-Prozess zur Reform von Studiengängen nötig. So sollte die Quotierung für die Masterstudiengänge aufgehoben werden.
(dpa-Dossier Bildung Forschung 05/01.02.2010)