(redaktion/pm) Die intensive Beschäftigung mit Zeitungen im Kindesalter hat nachhaltigen Einfluss auf die Leselust und Informationsfreude von Jugendlichen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Hochschule Heilbronn in Zusammenarbeit mit der Heilbronner Stimme, der Akademie für Innovative Bildung und Management (AIM) und dem Schulaufsichtsamt Heilbronn. Erstmals wurden in Deutschland längerfristige Effekte von medienpädagogischen Zeitungsprojekten in der Grundschule untersucht.
"Achtklässler, die etwa fünf Jahre zuvor an dem Projekt ´Zeitung in der Grundschule´ (ZiG) der Heilbronner Stimme teilgenommen hatten, lesen später erheblich lieber Zeitung, interessieren sich für mehr Themen und sehen Zeitungen in einem positiveren Licht als Gleichaltrige ohne eine solche Erfahrung", erläutert Prof. Dr. Nicola Marsden, verantwortlich für Medien- und Sozialpsychologie an der Hochschule Heilbronn und Leiterin der Studie. "Jugendliche, die in der Grundschule nicht an dem Projekt teilgenommen hatten, empfinden Zeitungen eher als Medium für ältere Menschen", so Marsden weiter. Insgesamt gaben 937 jugendliche Teilnehmer Auskunft über ihre aktuellen Medienpräferenzen, die vom Internet über die Spielekonsole bis hin zum Teenager-Magazin reichen. Dabei beschrieben sie unter anderem ihre Einstellung zum Zeitunglesen, ihr Interesse an Zeitungsinhalten und warum sie lesen. Heilbronner Stimme-Verleger Tilmann Distelbarth erklärt: "Die Ergebnisse unserer Forschung sind eine wichtige Bestätigung dafür, dass wir mit unseren Zeitungsprojekten die Lesekompetenz und den Wissensdurst der Schüler fördern können – und dies nicht nur während der Projektphase sondern auch langfristig".
"Wer an der Bildungswirksamkeit der Tageszeitung zweifelte, ist eines Besseren belehrt worden", kommentiert Wolfgang Seibold, Leiter des Schulaufsichtsamtes Heilbronn, das Studienergebnis. "Es lohnt sich, unsere Kinder an das grundsolide Medium Zeitung heranzuführen – angesichts vieler Fehlentwicklungen im Umgang mit anderen Medien ist dies eine wirkliche Heilsbotschaft", findet er. Befragt nach ihren Themeninteressen stehen auf den ersten drei Plätzen der Jugendlichen "Katastrophen, Unfälle, Morde", "die ganze Welt" und "Sport". Dabei fällt auf, dass projektinvolvierte Jugendliche Zeitungsnachrichten aus dem lokalen Umfeld mehr Bedeutung beimessen als die anderen. Der ZiG-Gruppe sind auch Nachrichten aus dem eigenen Ort, über das Kino und Veranstaltungen wichtig. Sie lesen darüber hinaus häufiger aus eigenem Interesse und nicht, weil sie lesen müssen. "Die Tatsache, dass knapp fünf Jahre nach der Teilnahme an dem Zeitungsprojekt in der Grundschule noch Effekte existieren, ist bemerkenswert", betont die Psychologin Marsden.
"Medienpädagogische Zeitungsprojekte in weiterführenden Schulen gibt es in Deutschland seit über dreißig Jahren", führt Prof. Dr. Nicola Marsden weiter aus. "Ihre positive Wirkung auf die Zeitungslesesozialisation im Erwachsenenalter ist wissenschaftlich anerkannt. Zeitungsprojekte für Kinder in Grundschulen gibt es erst seit zehn Jahren. Mit dieser jüngsten Studie steht nun die erste Untersuchung längerfristiger Effekte zur Verfügung." Am Projekt "Zeitung in der Grundschule" werden bis zum Ende des laufenden Schuljahres insgesamt 25.000 Schüler teilgenommen haben.