Ein Master für Trainer
didacta 2010 Themendienst: Bessere Chancen für den Quereinstieg ins Hochschulstudium
Mehr zu: Berufsorientierung, Bologna-Prozess, Deutschland, didacta - die Bildungsmesse, Durchlässigkeit, Mobilität, Studienwahl, Training, Weiterbildung, WeiterbildungKnapp eine Million Kurse werden in Deutschland auf dem Markt der beruflichen Weiterbildung angeboten. Tausende von Trainern arbeiten als selbstständige Einzelunternehmer oder als angestellte Weiterbildner. Ihre Qualifikationen sind sehr unterschiedlich, denn die Berufsbezeichnung "Trainer" ist nicht geschützt. Jetzt setzt sich der Dachverband der Weiterbildungsorganisationen (DVWO) für einen Quereinstieg der Trainer an die Hochschule ein. Dabei sollen die Trainer sogar direkt ins Masterstudium mit dem Ziel "Master of Arts in Training" einsteigen, sofern sie die entsprechenden beruflichen Leistungen und Abschlüsse vorweisen können.
"Viele Trainer haben häufig eine ganz normale Berufsausbildung gemacht, dann an Fort- und Weiterbildungen teilgenommen und sich zum Trainer ausbilden lassen. Und jetzt sagen etliche Trainer: ´Ich würde gern noch einen akademischen Abschluss machen`", erläutert der Präsident des DVWO, Dr. Uwe Genz. Eine solche zusätzliche Hochschulausbildung ist im Prinzip möglich, denn im vergangenen Jahr haben sich die Hochschulen auf mehr Durchlässigkeit beim Hochschulzugang verständigt. "Aber die Trainer müssten dann im ersten oder zweiten Semester beginnen. Jemand, der eigentlich eher auf der anderen Seite stehen würde, nämlich vor den Studenten, möchte sich nicht unbedingt noch einmal in die Bank als Erstsemester setzen. Deswegen fordern wir einen Quereinstieg."
Diesen Quereinstieg könnte nun zweierlei möglich machen: Der Bologna-Prozess und der Kopenhagen-Prozess. Bei dem einen geht es um die Anpassung der Hochschulen an die international gebräuchlichen Abschlüsse, bei dem anderen um die Vergleichbarkeit der Qualifikationen im beruflichen Sektor. Beiden liegt ein Punktesystem zugrunde: Bei der Hochschulausbildung sind es sogenannte ECTS-Punkte und bei der beruflichen Bildung ECVET-Punkte (siehe Kasten). Das Entscheidende: Mit dem ECVET-System soll nicht nur eine europaweit einheitliche Bemessungsgrundlage für Qualifikationen und Lernergebnisse geschaffen werden, es soll auch der direkte Wechsel von der beruflichen in die universitäre Bildung erleichtert werden.
Mit entsprechend umgerechneten Punkten also wäre der Quereinstieg in ein Masterstudium möglich. Darauf setzt der DVWO mit seiner Initiative. Allerdings gibt es in Deutschland bislang noch keine zertifiziert Stelle zur Umrechnung von ECVET-Punkten in ECTS-Punkte. Dazu müsste eine deutsche Hochschule initiativ werden. Andere Länder wie Österreich oder Frankreich sind bereits weiter. Und hier sieht Genz eine Chance, den Prozess zu beschleunigen. "Es ist ganz einfach für eine deutschsprachige ausländische Hochschule, an einem beliebigen Ort in Deutschland eine Zweigstelle aufzumachen und schon haben wir ein zertifiziertes Institut."
Genz ist zuversichtlich, dass sein Verband in rund zwei Monaten mit einer der deutschsprachigen ausländischen Hochschulen handelseinig wird. "Dann wird ein Presseartikel erscheinen: ´Erste Stelle zur Bewertung von außerhochschulisch erworbenen Fähigkeiten in Deutschland eröffnet`, prophezeit er. Der Weg zu einem "Master of Arts in training" scheint also nicht mehr allzu weit.
ECVET
Mit dem europäischen Leistungspunktesystem für die Berufsbildung ECVET (European Credit System for Vocational Education and Training), soll die Übertragung, Validierung und Anerkennung von Lernergebnissen erleichtert werden. Damit soll die Mobilität von Lernenden auf ihrem Berufsbildungsweg erleichtert werden - sowohl innerhalb ihres Systems als auch in Europa. Zudem soll es leichter möglich sein, von einem Bildungsniveau in ein anderes wechseln zu können – also zum Beispiel von der beruflichen Bildung zur Hochschule.
ECTS
Mit dem Europäischen System zur Anrechnung von Studienleistungen ECTS (European Credit Transfer and Accumulation System) werden Studien- und Prüfungsleistungen belegt. Dieses Leistungspunktsystem soll sicherstellen, dass die Leistungen von Studenten an Hochschulen des Europäischen Hochschulraumes vergleichbar sind und bei einem Hochschulwechsel anerkannt werden.
Dazu auf der didacta
- Trainer-Café. Rund um das Trainer-Café stellen die Mitglieder des DVWO - Dachverband der Weiterbildungsorganisationen ihre Angebote für Training, Beratung und Coaching vor. Halle 10, 9:45 - 18 Uhr während er gesamten Messe.
- Verleihung des DVWO-Qualitätssiegels, Forum Weiterbildung, Halle 10.1, Stand A10/B11, 16.3.2010, 15 Uhr
- Das DVWO Qualitäts-Siegel ein Garant für Bildungs-Qualität?! 17.03.2010, 15:30 Uhr, Konferenzraum 1/ CC Ost.
- Weiterbildungs-Innovations-Preis (WIP) 2010. 18.03.2010, 15 Uhr, Forum Ausbildung/Qualifikation, Halle 10.1, Stand A90.
- didacta Trainertag, Freitag, 19. März, 10 Uhr - 17:15 Uhr, Konferenzraum 3, Congress-Centrum Ost.
- Weitere Informationen: Prospekt Weiterbildung/Beratung (pdf)
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