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Neue Medien

Schüler brauchen Informationskompetenz

didacta 2010 Themendienst: Interview mit Dr. Harald Gapski vom ecmc

Mehr zu: Deutschland, didacta - die Bildungsmesse, E-Learning, Hirnforschung, Interviews, Lernmittel, Medienkompetenz, Schule
08.02.2010 -

Eben schnell das Referatsthema googeln und bei den ersten Treffern nach einem geeigneten Text suchen. Nicht selten erledigt bereits so mancher Schüler seine Hausaufgaben auf diese Weise. Das zeigt zwar, dass Schüler die Neuen Medien nutzen, dass ihnen aber etwas Entscheidendes fehlt: Informationskompetenz. Sie haben nicht gelernt, effizient nach Informationen zu suchen, sie kritisch zu hinterfragen, zu gewichten und schließlich zu reflektieren. Immerhin stimmen 40 Prozent der 12- bis 13-Jährigen der Aussage zu, dass Informationen im Internet auf Richtigkeit überprüft werden, das ergab die JIM-Studie 2007. Über den Stellenwert von Informationskompetenz und ihre Verankerung in der Schule sprachen wir mit Dr. Harald Gapski vom Europäischen Zentrum für Medienkompetenz (ecmc) in Marl. Gapski hat gemeinsam mit Thomas Tekster kürzlich eine Bestandsaufnahme zum Thema "Informationskompetenz in Deutschland" veröffentlicht.

Herr Dr. Gapski, was ist eigentlich Informationskompetenz und wie wichtig ist sie?

Dr. Harald Gapski: Die Flut der einströmenden Informationen in immer neuen Formaten und Anwendungen verlangt nach einer Orientierung, nach Auswahl und Management dieser Informationen - ob digital oder analog, ob in mündlicher oder schriftlicher Form – das ist eine alltägliche Herausforderung geworden und Informationskompetenz – oder wie es im angloamerikanischen Raum heißt "Information Literacy" - ist eine gesellschaftliche Schlüsselkompetenz.

Das heißt, nachdem die Medienkompetenz für uns selbstverständlich geworden ist, müssen wir uns nun um den neuen Begriff Informationskompetenz und seine Inhalte kümmern?

Dr. Harald Gapski: Der Begriff Informationskompetenz erfährt gegenwärtig eine enorme Konjunktur. Aber der Inhalt ist nicht neu, es gab das Problem der Informationsbeschaffung schon unter klassischen, traditionellen Medienbedingungen. Informationskompetenz wird nur jetzt besonders drängend durch die Informationstechnologien, die uns umgeben.

Wie sind die Schulen, die Lehrer auf diese Anforderungen vorbereitet?

Dr. Harald Gapski: Lehrer haben den professionellen Umgang mit Informationen eigentlich schon während ihrer Ausbildung gelernt. Jetzt müssen sie aber dieses Wissen didaktisch aufbereiten und mit den neuen Technologien an die Schüler weitergeben – das sind große Herausforderungen.

Gibt es denn spezielle Angebote für die Lehrer?

Dr. Harald Gapski: Es gibt verschiedene Angebote im Internet, etwa zum naturwissenschaftlichen Recherchieren und es gibt zum Beispiel im Internet ABC einen Rechercheratgeber für Kinder. Aber letztendlich ist Informationskompetenz für alle Fächer notwendig und muss insgesamt im Bildungssystem verankert werden. Die Instrumente zur Informationsbeschaffung müssen in der Schule vermittelt werden und auch die Reflexionsmöglichkeiten müssen eingeübt werden. Das betrifft natürlich auch die neuen Angebote im Netz. Da geht es um Fragen, die über das rein bibliothekarische Verständnis von Informationsbeschaffung hinausgehen, also etwa um Fragen der Datenpreisgabe in Social Communities, um Fragen der informellen Selbstbestimmung im Web 2.0 oder um das Urheberrecht: Was darf ich für den Unterricht oder für meine Hausaufgaben übernehmen? Auch das sind Aspekte von Informationskompetenz.

Brauchen wir also ein neues Unterrichtsfach Informationskompetenz?

Dr. Harald Gapski: Die Informationsbeschaffung ist ja jeweils an bestimmte Probleme und Fragestellungen gebunden. Am Anfang des Handelns steht ein Problem, das es zu lösen gilt, also etwa eine Hausaufgabe. Daraus entwickelt man einen Informationsbedarf, beschafft sich relevante Informationen, bewertet und nutzt sie zur Problemlösung. Das bedeutet, die Vermittlung von Informationskompetenz muss konkret mit Unterrichtsinhalten verknüpft sein. Es geht nicht um den abstrakten Begriff, sondern um die Lösungsprozesse. Auch da gibt es Modelle, bei denen ganz konkret auf die Lebenswirklichkeit der Schüler Bezug genommen wird. Sie können dann über ihr Interesse recherchieren, Informationen sammeln und evaluieren und erwerben so die entsprechenden Kompetenzen. Die Förderung von Informationskompetenz ist eine Querschnittsaufgabe.

Gibt es konkrete Untersuchungen über die Informationskompetenz von Schülern?

Dr. Harald Gapski: Es gibt keine flächendeckende Studie, aber vereinzelte empirische Untersuchungen. Sie alle belegen, dass die allgemeinen technischen Fertigkeiten im Umgang mit den Medien bei den Schülern vorhanden sind, dass sie aber häufig solche Aspekte wie Quellenvielfalt zu nutzen, passende Suchanfragen zu stellen, gefundene Informationen zu reflektieren und sie in einen Kontext zu stellen, vernachlässigen. Da besteht also ein großer Nachholbedarf.

Weiterführende Informationen

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