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Salem zieht Antrag auf 13. Schuljahr zurück

Schulleiterin: "Wir haben offenbar einen Nerv getroffen"

Mehr zu: Baden-Württemberg, G8, Gymnasium, Privatschulen, Schleswig-Holstein, Schulgesetz, Schule
08.02.2010 -

(dpa) – Das traditionsreiche Elite-Internat Salem am Bodensee hat seinen Antrag auf ein 13. Schuljahr zurückgezogen. Das teilte eine Sprecherin des baden-württembergischen Kultusministeriums auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur dpa in Stuttgart mit. Schulleiterin Eva Marie Haberfellner bestätigte den Rückzug. Sie sagte: "Politische Parteien und viele andere haben uns zur Speerspitze gewählt, um G8 noch einmal infrage zu stellen. Dabei haben wir nie das neunjährige Gymnasium wieder einführen wollen."

Die oppositionelle SPD forderte unterdessen, die CDU/FDP-Landesregierung müsse der Schule in Salem das 13. Schuljahr genehmigen. Die SPD kritisierte, dass die Schule ihren Antrag "nach massivem Druck aus dem Ministerium" habe zurückziehen müssen.

"Mit unserem Antrag haben wir offenbar einen Nerv getroffen", sagte Haberfellner. Plötzlich habe ganz Baden-Württemberg ein "Salemjahr" machen wollen (vgl. 05/2010, S. 28). Diese große Zustimmung sei bei den Gesprächen mit dem Ministerium jedoch eher hinderlich als hilfreich gewesen. Das zusätzliche Jahr sei von Anfang an nicht als reguläres Schuljahr gedacht gewesen, erläuterte Haberfellner. Vielmehr sollte damit einigen Schülern aus dem Ausland der Wechsel in das deutsche Bildungssystem erleichtert werden. "Es wäre uns dabei um 15 oder 20 Schüler gegangen." Die Schule wolle jetzt mit ihren ausländischen Partnern nach Alternativen suchen. "Das Jahr ist nicht aufgegeben." Es gehe vor allem um eine Flexibilisierung im Sinne der Schüler. Ziel sei, deren Persönlichkeit zu stärken und möglichst niemanden zurücklassen zu müssen.

Am achtjährigen Gymnasialzug (G8) gibt es seit Monaten heftige Kritik von Eltern, Lehrern und Schülern. Die Verkürzung von neun auf acht Jahre führe dazu, dass mehr Schüler mit Gymnasialempfehlung auf die Realschule wechselten als nötig. Einen Antrag des Auguste-Pattberg-Gymnasiums in Mosbach (Neckar-Odenwald-Kreis), neben dem achtjährigen einen neunjährigen Zug einzurichten, hatte das Regierungspräsidium Karlsruhe in Abstimmung mit dem Kultusministerium im März 2009 abgelehnt. Baden- Württemberg hatte als erstes großes Flächenland das achtjährige Gymnasium im Schuljahr 2004/05 eingeführt.

Die Schule Schloss Salem wurde im April 1920 von Prinz Max von Baden und dem Pädagogen Kurt Hahn gegründet. Nach der Erweiterung des Campus des Salem International College bei Überlingen erreichte die Schülerzahl ihren bisherigen Höchststand: Im Schuljahr 2008/09 besuchten mehr als 700 Schülerinnen und Schüler die drei Salemer Teilschulen.

G9 in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein bietet das Carl-Friedrich-von-Weizsäcker- Gymnasium in Barmstedt schon im nächsten Schuljahr einen neunjährigen gymnasialen Bildungsweg (G9) an. Schon vor der für das Schuljahr 2011/12 geplanten Änderung des Schulgesetzes genehmigte Bildungsminister Ekkehard Klug (FDP) den Modellversuch an dieser Schule parallel zum G8, wie das Ministerium in Kiel am 4. Februar mitteilte. Die geplante Änderung des Schulgesetzes sieht vor, dass die Schulen darüber entscheiden können, ob sie den acht- oder neunjährigen gymnasialen Weg anbieten oder beide.

(dpa-Dossier Bildung Forschung 06/08.02.2010)


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