Betreiber sozialer Netzwerke sollen Kinder besser schützen
Appell der Europäischen Kommission
Mehr zu: Europa, Jugendschutz, Medienkompetenz, Sonderthemen50 Prozent der Teenager in Europa geben im Web persönliche Informationen preis, die unter Umständen für immer online bleiben und von jedem eingesehen werden können, so das Ergebnis einer EU-Studie. "Erst denken, dann posten!" heißt deswegen die Botschaft der Europäischen Kommission am heutigen "Tag des sicheren Internets".
("Think before you post!") Die Kommission begrüßt das Engagement der 20 Unternehmen, die im vergangenen Jahr die "Safer Social Networking Principles" unterzeichnet (IP/09/232) und Maßnahmen zum Schutz von Kindern bei der Nutzung der Websites sozialer Netzwerke getroffen haben. Die meisten dieser Unternehmen haben die Online-Risiken für Minderjährige verringert, indem sie die Änderung von Datenschutzeinstellungen, das Blockieren von Nutzern und das Löschen un-erwünschter Kommentare und Inhalte erleichtert haben. Nach Auffassung der Kommission muss aber noch mehr getan werden, um Kinder, die im Netz unterwegs sind, zu schützen. Weniger als die Hälfte (40 %) der Anbieter sozialer Netzwerke erstellen bei Nutzern unter 18 Jahren Profile, die standardmäßig nur von deren Freunden eingesehen werden können, und nur ein Drittel der einschlägigen Unternehmen reagiert auf Nutzermeldungen, in denen um Hilfe gebeten wird.
"Wenn wir wollen, dass Kinder erst denken und dann posten, sollten die Betreiber sozialer Netzwerke die richtigen Informationen einstellen und dabei die richtige Sprache wählen. Im letzten Jahr drängte die Europäische Kommmission die Unternehmen zum Handeln, und ich freue mich, dass viele unserem Aufruf gefolgt sind", so die für Informationsgesellschaft und Medien zuständige EU Kommissarin Viviane Reding. "Ich erwarte jedoch von allen Unternehmen, dass sie mehr tun. Die Profile von Minderjährigen müssen standardmäßig als "privat" eingestuft werden, und auf Anfragen oder Missbrauchsmeldungen ist unverzüglich und angemessen zu reagieren. Das Internet ist heutzutage für unsere Kinder außerordentlich wichtig, und es ist unser aller Verantwortung, das Internet sicher zu machen."
Beim letztjährigen "Tag des sicheren Internets" haben zahlreiche Anbieter sozialer Netzwerke die "Safer Social Networking Principles" (Grundsätze für eine sicherere Nutzung sozialer Netzwerke) unterzeichnet, da sie erkannt hatten, wie wichtig es ist, dafür zu sorgen, dass junge Nutzer – wie auch ihre Eltern – sich bei Online-Kontakten sicher fühlen können. Vorausgegangen waren Gespräche mit Betreibern einschlägiger Websites, mit NRO und mit Wissenschaftlern im Rahmen einer von der Europäischen Kommission im April 2008 eingeleiteten Debatte. Im Februar 2009 unterzeichneten 18 Unternehmen die "Safer Social Networking Principles", im Juni 2009 kamen noch zwei weitere hinzu.
Ein Jahr danach hat die Kommission nun einen Bericht über die Umsetzung dieser Grundsätze veröffentlicht. Geprüft wurden die von den Unterzeichnern betriebenen 25 Websites: Arto, Bebo, Dailymotion, Facebook, Giovani.it, YouTube, Hyves, Windows Live, Xboxlive, Myspace, Nasza-klaza.pl, Netlog, One.lt, Piczo, Rate.ee, Skyrock, SchülerVZ, StudiVZ, MeinVZ, Habbo, IRC Galleria, Tuenti, Yahoo!Answers, Flickr und Zap.lu.
Wie sich gezeigt hat, bieten 19 von 23 Websites Sicherheitstipps und Informationen speziell für Kinder und/oder Teenager an (bei zwei Diensten ist dies nicht möglich). Auf 14 Websites sind diese Informationen sowohl leicht auffindbar als auch leicht verständlich: YouTube, Habbo Hotel, Hyves, IRC Galleria, MySpace, nasza-klasa, Netlog, One, Rate, SchülerVZ, Skyrock, Yahoo!Answers, Yahoo!Flickr, Zap.
Der Bericht kommt darüber hinaus zu dem Schluss, dass die meisten dieser Unternehmen Minderjährigen Mittel für den Umgang mit potenziellen Online-Risiken an die Hand geben und eine Strategie zum Schutz der Privatsphäre verfolgen,
- indem sie es den Nutzern erleichtern, andere Nutzer zu blockieren und unerwünschte Kommentare aus ihren Profilen zu entfernen;
- indem sie gewährleisten, dass Datenschutzoptionen leicht geändert werden können, so dass es an den Nutzern ist, zu entscheiden, ob nur ihre Freunde oder die ganze Welt sehen kann, was sie ins Netz stellen;
- indem sie den Nutzern ermöglichen, die Anzeige ihres Online-Status (anhand deren andere Nutzer erkennen können, ob man gerade online ist) zu kontrollieren. Weniger konsequent umgesetzt wurden hingegen andere Maßnahmen zum Schutz der Privatsphäre, die jedoch gleichermaßen von Bedeutung sind:
- 40 % der bewerteten Websites sozialer Netzwerke machen persönliche Daten Minderjähriger standardmäßig nur für deren Freunde einsehbar: SchülerVZ, Facebook, Tuenti, Giovani, Flickr, Yahoo!Answers, One, Habbo, Windows Live und MySpace.
- Nur 11 von 22 machen es unmöglich, persönliche Profile Minderjähriger über Suchmaschinen zu finden: Arto, Bebo, Facebook, YouTube, MySpace, Piczo, SchülerVZ, Windows Live, Yahoo! Answers, Yahoo!Flickr und Zap.
- 19 von 25 Websites bieten einen Link an, über den jederzeit Meldungen versandt werden können, aber nur 9 (von 21) Anbietern reagierten auf Beschwerden, die ihnen im Rahmen der Website-Tests übermittelt wurden: Arto, Dailymotion, YouTube, Habbo Hotel, Hyves, IRC Galleria, MySpace, Rate, Windows Live. Somit ist es dringend notwendig, die Dienste in Bezug auf die Beantwortung von Nutzeranfragen zu verbessern.
Hintergrund:
Die "Safer Social Networking Principles" für die EU wurden am 10. Februar 2009 von 18 in Europa operierenden großen Anbietern sozialer Netwerkdienste unterzeichnet; im Juni 2009 schlossen sich ihnen noch zwei weitere Unternehmen an (IP/09/232, MEMO/09/58). Alle Unterzeichner, mit Ausnahme von Giovani.it, legten der Europäischen Kommission bis Juni 2009 ihre Selbstverpflichtungserklärung vor. Der heute präsentierte Bewertungsbericht zur Umsetzung der "Safer Social Networking Principles" stützt sich auf eine Analyse der Selbstverpflichtungserklärungen der Unternehmen sowie auf Tests der betreffenden Websites, die von Ende Oktober bis Anfang November 2009 durchgeführt wurden. Der "Tag des sicheren Internets" wird im Rahmen des Safer Internet Programme von der Europäischen Kommission unterstützt und seit 2004 alljährlich von INSAFE organisiert, wobei Veranstaltungen in über 60 Ländern in Europa und weltweit statt-finden.
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