Demonstrieren statt Zeugnis: Q11-Bildungsstreik in Bayern
Demonstrationen am 12. Februar
Mehr zu: Bayern, Bildungsstreik, G8, Gymnasium, Lehrplan, Leistungsdruck, Schülervertretung, Schulorganisation, Spaenle, Zensuren, Zeugnis, Schule(PM) In ganz Bayern gingen heute laut Angaben des Aktionsbündnisses 'Q11-Bildungsstreik in Bayern' tausende Schülerinnen und Schüler der neuen Qualifikationsstufe 11 auf die Straße. Allein in München sollen gut 4 000 Schüler auf die Missstände der Bildungspolitik aufmerksam gemacht haben – bayernweit knapp 10 000.
Was veranlasst so viele Schüler dazu, gegen ihr Bildungssystem zu protestieren?
Die Einführung der neuen Qualifikationsstufe 11/12, also der Oberstufe des G8, hat für enorme Proteste gesorgt, seitens Schüler, Eltern und Lehrer. Vor allem wird der enorme Leistungsdruck und Lernaufwand bzw. der damit verbundene Nachmittagsunterricht kritisiert: "Die Politik bringt uns um unsere Freizeit", klagt eine Elftklässlerin. Diese sei aber sehr wichtig, um sozialen Kontakten und individuellen Interessen nachkommen zu können. "Es kann nicht sein, dass G8 bedeutet, bis nach Mitternacht zu lernen. Fehlender Schlaf belastet stark unsere Gesundheit, und das führt wieder zu Leistungsabfall. Es ist ein Teufelskreis!", berichtet ein Schüler, es sei wie "Bulimielernen". Das kann nicht das Ziel einer guten Bildungspolitik sein. "Ihr seid keine Fässer, die man mit Stoff vollstopfen sollte, sondern kritische, wache junge Menschen, die unser Land dringend braucht", verkündet Otto Herz bei seiner Rede zur Zwischenkundgebung.
Gefordert wird eine drastische Kürzung der Lernpläne, eine Reduzierung der Pflichtstunden, mehr Lehrer und kleinere Kurse, eine bessere Vorbereitung auf die Anforderungen der Oberstufe, gerechte Abituraufgaben auf Grundkursniveau und Chancengleichheit in Hinblick auf den doppelten Abiturjahrgang. Ebenfalls nötig wären bessere räumliche Vorrausetzungen, d.h. die Bereitstellung von Aufenthaltsräumen, sowie bessere Busanbindungen für Schüler im ländlichen Raum. Zu den langfristigen Forderungen gehört unter anderem die Forderung nach mehr Zeit für Bildung, weniger Stunden in der Oberstufe, beispielsweise durch die Abschaffung der wenig effektiven und teuren Intensivierungsstunden sowie mehr Wahlfreiheiten in der Oberstufe bezüglich der Abiturfächer. Ob der gewünschte Erfolg eintreffen wird, bleibt offen.
Ablauf der Demonstration in München
Um 11 Uhr begann die erste Kundgebung mit einer Rede des Streikleiters Christian Miethaner, der Schülersprecher und Schüler der Q11 eines Gymnasiums in Straubing ist. Er bemängelte, dass die Schüler Opfer einer krassen, politischen Fehlentscheidung geworden sind, die das Kultusministerium viel zu überstürzt traf. Seiner Meinung nach bleibt der Mensch auf der Strecke; den Schülern wird ihre Jugend gestohlen. Dies kritisierten auch zahlreiche Demonstranten: Aufschriften wie "Suche: G8, Biete: Persönlichkeit", bzw. "40 Stunden? Mein Traum - so was Schönes kenn ich kaum", zierten ihre Plakate und Banner. Ein weitere Redner war BLLV-Präsident Klaus Wenzel, der sich mit den demonstrierenden Schülern solidarisierte und die Demonstration als gelebte Demokratie bezeichnete. Ulrike Köllner, die Vorsitzende des Vereins für Gymnasialeltern Bayern, wies auf die enorme Belastung hin und sicherte die Unterstützung der Elternschaft zu.
Nach der ersten Kundgebung marschierten die Demonstranten zur Staatskanzlei. Dort fand die Zwischenkundgebung statt. Hauptredner war hier der Reformpädagoge und Diplom-Psychologe Otto Herz, der mit seiner Aussage "Wer sich nicht wehrt, der lebt verkehrt" genau die Einstellung der demonstrierenden Gymnasiasten traf. Zudem bezeichnete er das Auseinanderdividieren der Schüler durch das deutsche Schulsystem als Menschenrechtsverletzung und verwies auf die Notwendigkeit einer friedlichen Revolution.
Anschließend begab sich der Demo-Zug wieder zurück zum Odeonsplatz, wo dann die Abschlusskundgebung statt fand.
Redner waren hier Hans-Ulrich Pfaffmann (SPD), der Vorsitzende des Bildungssauschusses im Bayrischen Landtag; sowie die Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bayrischen Landtag, Margarethe Bause und Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle (CSU).
Hans-Ulrich Pfaffmann sicherte den Schülern die Unterstützung seiner Partei zu. Die SPD wolle parlamentarisch dafür sorgen, dass etwaige Verweise als Repressur für an dem Streik teilnehmende Schüler diskutiert werden.
Margarethe Bause unterstrich erneut die Forderungen der Demonstranten und bezeichnete die Umsetzung des G8 als "stümperhaft, planlos bzw. kopflos" und sie würde alles tun, um die Schüler zu unterstützen.
Kultusminister Dr. Spaenle sprach seine Anteilnahme aus und versicherte, er würde jeden Hinweis und jede Beschwerde in jedem Fall ernstnehmen. Zudem wies er darauf hin, dass die Halbjahresleistungen der K12 und der Q11 erstmalig zum Vergleich ermittelt werden. Die anschließende Diskussion konnte leider aufgrund von randalierenden Schülern nicht stattfinden.
Nach einer kurzen Danksagung um 13.30 Uhr wurde die Demonstration beendet.
In den anderen Städten Würzburg, Kempten, Augsburg sowie Bamberg und Bayreuth demonstrierten ca. 5000 Schüler gegen die jetzige Form des G8.
Internet: q11.bildungsstreik-bayern.de
Netter Artíkel, beschreibt sehr treffend die Gegebenheiten. Doch eine Frage bleibt uns Schülern und allen unseren Sympathisanten offen:Wird sich etwas ändern, für die jetzigen und kommenden Jahrgänge?Wie oft sollen wir dennn auf die Straße gehen bis uns jemand hört?Die Aufmerksamkeit ist uns sicher, aber Maßnahmen werden keine ergriffen.
-ein Demonstrant-
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