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Reform der Reform

Bologna-Studiengänge nicht verteufeln, sondern zielgerichtet verbessern

Expertenkommission Forschung und Innovation empfiehlt Reform der Reform

Mehr zu: BAföG, Bildungschancen, Bildungsstreik, Bildungswesen, Bologna-Prozess, Hochschullehre, MINT-Fächer, Mobilität, Stipendien, Studienwahl, Studierfähigkeit, Hochschule
24.02.2010 -

(red/idw) Die Bologna-Reform muss in zentralen Punkten nachgebessert werden. Zu diesem Schluss kommt die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) in ihrem Gutachten 2010, das sie Bundeskanzlerin Angela Merkel heute überreichte. Wichtige Ziele des Bologna-Prozesses seien bisher in vielen Studiengängen verfehlt worden, stellte der Kommissionsvorsitzende Prof. Dietmar Harhoff fest. Ein Studium sei für junge Leute kaum attraktiver geworden, die Zahl der Studienabbrüche nicht gesunken. Der Hochschulzugang bleibe nach wie vor sozial selektiv. Auch habe sich die internationale Mobilität nicht verbessert.

Als Grund für die Probleme nennt die Expertenkommission die mangelnde Anpassung der Lehrinhalte an das neue Studiensystem und die Einschränkung der Wahlmöglichkeiten der Studierenden. "Bologna" sei viel zu wenig für grundlegende inhaltliche und didaktische Verbesserungen genutzt worden. Den Dozenten fehlt aufgrund der höheren Lehrbelastung nicht nur Zeit für eine individuelle Beratung von Studierenden, sondern auch für die Forschung.

Die für die Innovationsstärke Deutschlands besonders wichtigen MINT-Fächer (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) haben von der Bologna-Reform fast gar nicht profitiert. Außer bei den Ingenieurwissenschaften bleibt das Interesse an diesen Fächern auf niedrigem Niveau stabil, die Informatik zieht sogar in den letzten Jahren weniger Interessenten an. Die Abbrecherquoten in den MINT-Fächern steigen seit dem Jahr 2000 kontinuierlich an. Positiv bewertet die Kommission dahingegen die Akzeptanz der Studiengänge in der Wirtschaft. Hier haben sich die Befürchtungen vieler Beobachter nicht bestätigt.

Um "Bologna" zu einem wirklichen Erfolg zu machen, fordert die Expertenkommission:

  • Bei der Gestaltung der Studiengänge muss den Hochschulen mehr Freiheit eingeräumt werden; die Hochschulen müssten ihrerseits diese Freiräume für Veränderungen nutzen.
  • Durch ein System von Stipendien und Krediten müssen die Möglichkeiten, das Studium flexibel zu gestalten oder in Teilzeit zu durchlaufen, verbessert werden.
  • Die Lehrqualität muss erhöht, das Studium besser organisiert werden. Es muss frühzeitige Leistungskontrollen und eine differenziertere Leistungsrückmeldung geben.
  • Mobilität in Europa muss durch veränderte Studien- und Prüfungsordnungen, finanzielle Förderung und den Ausbau englischsprachiger Studiengänge erleichtert werden.
  • Um mehr Studienberechtigte aus sozial schwachen Elternhäusern für ein Studium zu gewinnen, müssen das BAföG erhöht und der Kreis der Anspruchsberechtigten erweitert werden.
  • Die Personalausstattung der Hochschulen muss angepasst werden, um Lehre, Betreuung und Forschung auf dem Niveau zu ermöglichen, das Deutschland international wettbewerbsfähig hält.

Die Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI) berät die Bundesregierung. Sie analysiert Stärken und Schwächen des deutschen Innovationssystems im internationalen Vergleich und bewertet die Perspektiven des Forschungs- und Innovations-Standorts Deutschland. EFI formuliert ihre Empfehlungen für die nationale Forschungs- und Innovationspolitik jährlich in einem Gutachten.

Link: www.e-fi.de

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