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Lernumgebungen

"Das deutsche Bildungssystem ist noch immer nicht in der Informationsgesellschaft angekommen"

Microsoft-Deutschland-Chef Achim Berg über Anforderungen an zukunftsorientiertes Lernen

Mehr zu: Ausstattung, Bildungsmessen, CeBIT, didacta - die Bildungsmesse, E-Learning, Interaktives Whiteboard, Interviews, Lernmittel, Sonderthemen
26.02.2010 -

(redaktion) Die CeBIT in Hannover steht vor der Tür und zwei Wochen später wird die didacta als die weltweit größte Bildungsmesse in Köln ihre Tore öffnen. Auf beiden Messen wird das Interesse der Öffentlichkeit auch auf Formen und Modelle zukünftigen Lernens gerichtet sein. So wird es hier wie dort Live-Unterricht in von Microsoft exemplarisch ausgestatteten digitalen Klassenzimmern geben. Mit Achim Berg, dem General Manager Microsoft Deutschland, sprach bildungsklick über zukünftige Lernszenarien.

Herr Berg, wenn Sie heute in einen typischen Schulraum des Jahres 2010 hineingehen, welche Dinge fallen Ihnen auf, die heute anders sind als zu Ihrer eigenen Schulzeit?

Achim Berg: Auf den ersten Blick hat sich eigentlich gar nicht so viel geändert. Viel zu langsam bekommen Tafel und Kreide Konkurrenz durch den Einsatz neuer Medien. Das zeigt auch eine aktuelle Umfrage, die wir zur Cebit durchgeführt haben. Wir haben nämlich Schüler und Eltern gefragt, wie sie sich die moderne Schule vorstellen und welche Wünsche sie an die Bildung haben. Hier zeigt sich, dass das deutsche Bildungssystem noch immer nicht in der Informationsgesellschaft angekommen ist.

Kann diese Ausstattung unserer Schulen den Anforderungen an die schulische Bildung in der modernen Informationsgesellschaft überhaupt gerecht werden?

Achim Berg: Nein, moderne Bildung braucht moderne Technik. Denn wer IT-Wissen nicht fördert, verschenkt Wachstumschancen. In neun von zehn Ausbildungsberufen kommt man bereits heute ohne IT-Kenntnisse nicht aus. Egal ob Banker, Bäcker oder Landwirt – überall sind fundierte IT-Kenntnisse mittlerweile Pflicht Ohne zusätzliche Investitionen in IT-Qualifizierung werden 13 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland zu den IT-Analphabeten zählen. Noch fehlen15 Prozent der Arbeitnehmer in Deutschland Grundwissen im Umgang mit dem PC, und die Personalverantwortlichen klagen über mangelnde IT-Kompetenzen ihrer Bewerber. Hier ist die Politik gefragt: Schulen müssen sich mehr denn je an der Lebenswelt der Kinder und Jugendlichen wie auch den Anforderungen der Berufswelt orientieren und den Einsatz neuer Medien im Unterricht fördern.

Welches sind die Kriterien für eine zeitgemäße Ausstattung der Schulräume? Ist schulisches Lernen heutzutage ohne Hilfe der Computer überhaupt noch denkbar?

Achim Berg: Schulen stellen die Weichen für ein erfolgreiches Berufsleben und vermitteln Kenntnisse, die für unsere Informationsgesellschaft unverzichtbar sind. Dazu gehört IT. Die Fähigkeit zum Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien ist grundlegend für die Teilhabe an Wirtschaft und Gesellschaft. IT-Kenntnisse sind eine Schlüsselkompetenz wie Lesen, Rechnen oder Schreiben.

Modell von einem Klassenraum der Zukunft
Modell von einem Klassenraum der Zukunft - Bild: Microsoft GmbH

Welche Rolle spielen dabei die individuellen Stärken und Schwächen der Lernenden? Wie können sich die Schülerinnen und Schüler im digitalen Klassenzimmer einbringen, wenn es ja nur Maschinen sind, die vorgeben, was wann zu lernen ist? Und welche Rolle bleibt für die Lehrenden? Beschränkt sie sich auf Feuerwehrdienste, die nur dann gefragt sind, wenn es ´brennt`, die Schüler also nicht mehr mitkommen?

Achim Berg: IT im Unterricht verändert das Lernen. Statt nur mit Lehrbuch und Vokabelheft können sich Schüler beispielsweise eine neue Sprache im direkten Kontakt mit einer ausländischen Partnerklasse erarbeiten – dank Internet, Webcam und Messenger. Computer, Handy und Internet bringen eine neue Qualität in den Wissenserwerb: Sie motivieren Schüler, sich eigenverantwortlich Lernstoff anzueignen und ihn nach Belieben zu vertiefen. Erfahrungen zeigen, dass sich der Unterricht mit neuen Medien individueller gestalten lässt und dass er mehr Interesse, Neugier und Kreativität weckt. Lehrkräfte sollten als Coach ihre Schüler anleiten, fördern und fordern. Microsoft unterstützt Lehrer und Schulen dabei, IT sinnvoll in den Unterricht zu integrieren und Medienkompetenz zu vermitteln.

Microsoft hat auf der CeBIT ein digitales Klassenzimmer eingerichtet und wird dort Live-Unterricht mit verschiedenen Klassen zeigen. Sicher werden auf der CeBIT auch Pädagogen angesprochen, aber mit Schwerpunkt ist diese Messe nach wie vor auf die IT-Thematik ausgerichtet. Zeigen Sie digitale Unterrichtsszenarien auch auf Bildungsmessen, etwa der didacta, die Ende März in Köln stattfindet. Denn sind es nicht vor allem die sich dort informierenden Lehrer und Eltern, die von den Möglichkeiten und der Notwendigkeit des Einsatzes digitaler Medien im Unterricht überzeugt sein müssen?

Achim Berg: Die Cebit ist nach wie vor weltweit die wichtigste IT-Messe und bietet für uns eine wichtige Plattform, mit allen Zielgruppen zu sprechen. Denn Bildung geht alle an. Daher präsentieren wir das digitale Klassenzimmer nicht nur auf der didacta, sondern auch auf der Cebit – und dort sogar noch größer. Wir zeigen dort, welches Potenzial innovative Technologien für Schulen bieten und wie groß der Bedarf nach neuen Anwendungen ist. Mehr als 500 Schüler verlegen ihren Unterricht während der Messe in das 150 Quadratmeter große Klassenzimmer. Mehrmals täglich zeigen Schüler und Lehrer in realen Unterrichtsstunden, wie der Einsatz von PC, Internet & Co zu innovativen Lehrmethoden, zu Spaß an eigenverantwortlichem Lernen und zur Entfaltung des Potenzials der Schüler beiträgt. Die Schulklassen werden an Lerninseln im Klassenzimmer sowohl miteinander arbeiten und lernen, als auch sich via moderner Kommunikationsmittel mit externen Klassen und Experten austauschen.

Wenn multimediales Lernen flächendeckend funktionieren soll, müssen die Endgeräte absolut einfach und weitgehend intuitiv zu bedienen sein, vor allem für die Lehrenden, die nur dann überzeugt sein werden, wenn sie die Bedienung vollkommen im Griff haben und sich zudem noch sicher sind, dass diese Geräte ihnen die Arbeit erleichtern. Wie wird die Entwicklung der Medien für den Unterricht diesen hohen Anforderungen gerecht?

Achim Berg: Was die intuitive Bedienung angeht, haben die Geräte- und Software-Hersteller schon große Fortschritte gemacht. Denken Sie nur an die Multitouch-Oberflächen der Netbooks, PCs und Handies. In unserem digitalen Klassenzimmer auf der Cebit haben wir zum Beispiel auch Surface-Tische mit berühungsempfindlichen Oberflächen im Einsatz. Surface-Tische werden per Hand bedient. Die integrierten PCs kommunizieren drahtlos mit der Umwelt. Daten von zum Beispiel Kameras oder Handys werden automatisch dargestellt. Auf anschauliche Weise können auf den Tischen Informationen abgerufen oder es kann musiziert werden. Solche Informationstechnologien im Klassenzimmer sind unabdingbar, um Schüler praxisnah auf die Herausforderungen von Wirtschaft und Gesellschaft vorzubereiten. Und IT hilft offensichtlich, Potenziale zu entfalten. Studien belegen: 15-Jährige, die fit im Umgang mit Computern sind, schneiden in wichtigen Schulfächern besser ab als weniger versierte Mitschüler.

4 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von dowel, am 27.02.2010, 16:14

"Microsoft hat ..." keine Lösung für das Problem, dass Bildung bezahlbar sein muss. Mit OpenSource im Klassenzimmer, statt mit Millionen für einen Monopolisten, kämen wir weiter - und die Schüler/innen könnten zu Hause Betriebssystemunabhängig weiter arbeiten und üben.

von ich, am 28.02.2010, 16:00

Es ist keine Frage der Software, sondern es sind Fragen des Denkens und "sich verhaltens", die uns behindern Menschen eine adäquate Bildung zu ermöglichen und es sind die gleichen Bedingungen gefragt, die zum Beispiel Wirtschaft und Finanzen so vehement vom Staat (also uns) einfordern.

Vielleicht sollten wir uns einmal fragen, was wir unseren Kindern zumuten und was ermöglichen wollen!

von eine Lehrerin, am 03.03.2010, 16:30

Meiner Meinung nach ist das eingesetzte Medium nur zweitrangig. Ob Tafel, Buch, Overheadprojektor oder PC - Unterricht kann immer spannend sein und Spaß machen. Die Grundvoraussetzung dafür ist Interesse, Aufmerksamkeit und der Wille zur Auseinandersetzung mit anspruchsvollen Themen. Leider gibt es nur zu oft Kommentare von Schülerseite àla "Das ist jetzt aber viel zu anstrengend."

Die Verwendung eines PCs macht den Lerninhalt nicht einfacher.

von BUSS 3.0, am 04.03.2010, 17:24

Es geht Microsoft doch klar um's Geschäft und die frühe Gewöhnung an Microsoft-Produkte.

OpenSource-Software wäre sicher genauso gut, wenn nicht besser, denn sie kann jederzeit von jedem Interessierten weiterentwickelt werden! Bis ein Konzern wie Microsoft reagiert, anpasst, verbessert, können Kinder ja schon längst die Schule verlassen haben ...

- Ganz wichtig: Grundsätzlich kann man mit ALLEN Materialien und Methoden lernen, denn das Interesse, der Wunsch und Wille des Lernenden ist seit je her das entscheidende und alleinige 'Geheimnis'!


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