Mediadaten | Impressum | Feedback | RSS | Mobil | Newsletter
Letzte Änderung: 09.02.2012, 18:25
  • Delicious_bw
  • Studivz_bw
  • Facebook_bw
  • Twitter_bw
  • Drucken_bw
  • Email_go_bw
Artikel | Bilder
Bildungschancen

Baden-Württemberg: Neue Ministerin gegen Abwertung der Hauptschule

"Wir müssen den Stellenwert der beruflichen Bildung erkennen und erhöhen"

Mehr zu: Baden-Württemberg, Frühe Förderung, Frühkindliche Bildung, Gymnasium, Hauptschule, Schule, Berufliche Bildung, Kindergarten / Vorschule, Hochschule, Sonderthemen
28.02.2010 -

Stuttgart (dpa) – Die neue baden-württembergische Kultusministerin Marion Schick will der gesellschaftlichen Abwertung der Hauptschulen entgegenwirken. "Es geht um Chancen und darum, dass wir erkennen, dass nicht die einzige Lebenschance darin besteht, auf ein Gymnasium zu gehen", sagte Schick am 24. Februar, ihrem ersten Arbeitstag, in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur dpa in Stuttgart.

In Baden-Württemberg brodelt seit langemeine Schulstrukturdebatte, insbesondere über längeres gemeinsames Lernen. Können Sie sich vorstellen, dass Kinder später als nach der vierten Klasse auf die verschiedenen Schularten verteilt werden?

Schick: Junge Menschen entwickeln sich völlig unterschiedlich: Der eine weiß schon mit zehn Jahren ganz genau, wo er erfolgreich sein wird, ein anderer wird dies erst später entdecken. Es gibt keinen Zeitpunkt im Leben, an dem man Menschen bestimmten Laufbahnen zuordnen kann. Ich stelle mir vor, dass wir beginnend im Kindergartenalter für junge Menschen Bildungsperspektiven entwickeln und bis zu dem Punkt begleiten, an dem sie sagen: "Ich habe meinen Platz im Leben und Beruf gefunden".

Was können Sie dazu beitragen, die Hauptschule zu rehabilitieren?

Schick: Das ist eine gesellschaftliche Initiative. Wir müssen den Stellenwert der beruflichen Bildung erkennen und erhöhen. Als Kultusministerin habe ich die Verantwortung, den gesellschaftlichen Diskurs darüber in Gang zu bringen und zu verstärken.

Wie stehen Sie zu den von einigen kommunalen Schulträgern geforderten Modellversuchen etwa zum neunjährigen Gymnasium oder zum längeren gemeinsamen Lernen?

Schick: Über unterschiedliche Dauer von Gymnasien sollten wir meines Erachtens momentan nicht reden. Ich halte es für sehr schwierig, eine vor einigen Jahren eingeführte Reform, schon nach kurzer Zeit durch Schulversuche zu durchlöchern. Wir haben einen Systemwechsel gemacht, und es liegt auf der Hand, dass es Jahre braucht, um in einen Zustand zu gelangen, der sich eingependelt hat. Aber natürlich werde ich und wird mein Haus offen sein für Ideen, wie es besser wird.

Fühlen Sie sich in der Defensive, weil immer mehr Länder mit Blick auf längere gemeinsame Schulzeiten andere Wege beschreiten?

Schick: Baden-Württemberg ist führend in der Vielfalt, in der junge Menschen eine Hochschulzugangsberechtigung erlangen können. 50 Prozent der baden-württembergischen Hochschulzugangsberechtigten sind nicht den klassischen Weg über ein Gymnasium gegangen. Wir sind mit Sicherheit nicht in der Defensive. Nicht immer ist alles, was die Mehrheit macht, automatisch richtig. Ich möchte schon für uns in Baden-Württemberg in Anspruch nehmen, dass wir selbst den richtigen Weg finden. Wir haben bereits ein herausragendes Bildungssystem – aber nichts ist so gut, dass es nicht verbessert werden kann.

Welche Arbeitsschwerpunkte sehen Sie?

Schick: Die frühkindliche Bildung liegt mir besonders am Herzen. Denn alles, was wir jetzt nicht erreichen, müssen wir später teuer reparieren. Wir müssen junge Menschen für Bildung begeistern. Dabei bin ich froh, dass im Südwesten die Bildungshäuser drei bis zehn schon verankert sind. Auch die Integration von Migrantenkindern ist eines der Themen, an denen sich Bildungspolitik heute messen lassen muss. Die Frage ist, wie bringen wir Migranten zu Abschlüssen an weiterführenden Schulen. Da gibt es hervorragende Einzelprojekte wie das von der Bosch-Stiftung "Talente im Land", bei denen Schüler mit Migrationshintergrund für ihre Leistungen gewürdigt werden. Das sind Glanzlichter, die noch stärker in die Breite gebracht werden müssen.

Julia Giertz (dpa-Dossier Bildung Forschung 09/01.03.2010)


© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
Der Inhalt dieses Beitrags ist urheber- und leistungsschutzrechtlich geschützt. Jegliche Nutzung von Inhalten, außer zum persönlichen Gebrauch, ist ohne ausdrückliche schriftliche Zustimmung der dpa unzulässig. Dies gilt insbesondere für ganze oder teilweise Veröffentlichung, Vervielfältigung, Weitergabe, Bearbeitung oder Einspeisung in elektronische Systeme (z.B. Unternehmensnetze oder Datenbanken). Derartige Verwendungen sind ohne gesonderte vertragliche Vereinbarung unzulässig und verstoßen gegen geltendes Recht.
Alle Rechte bleiben vorbehalten.

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Franz Josef Neffe, am 03.03.2010, 12:11

Das Abwerten, was man nicht kann, ist keine sinnvolle Lösung. Stellenwerterhöhung ist auch nur ein formaler Schachzug. Davon wird Schule noch nicht Schule. Als Ich-kann-Schule-Lehrer fordere ich dazu, dass alle Schule-Macher bis zur Kultusministerin LEHRER werden. Dazu sollten sie sich zuerst mal ein Herkunftswörterbuch kaufen oder in der IKS nachlesen, dass man dadurch ein Lehrer ist dass man im LERNEN mit gutem Beispiel vorangeht. Wohlan denn, Frau Ministerin!

Franz Josef Neffe


Hinweis
  • Ein Enter führt zu Zeilenumbruch.
  • Hyperlinks bitte grundsätzlich mit "http://" beginnen (also z.B. http://bildungsklick.de/).
  • Kein HTML unterstützt.

Ihr Kommentar:

Ihr Name:
Ihre E-Mail-Adresse (wird nicht veröffentlicht):
Durch die Eintragung Ihrer E-Mail erkennen Sie die Kommentarregeln an.

358713da07bfaaebbd0ed8630e253bdf48088daf
Bitte den Text aus dem Bild eingeben:


MELDUNGEN AUS DEN RESSORTS

Sonderthemen

"Die Chancen einer weltweiten Lerngesellschaft"

09.02.2012. Unter dem Motto "Weltsprache Bildung" beteiligt sich das Goethe-Institut an der größten Bildungsfachmesse in Europa, der didacta in Hannover. Im Interview spricht Dr. Matthias Makowski, Leiter der Abteilung Sprache des Goethe-Instituts, über multimedial vernetztes Lernen und Lehren im Zeitalter ...

Schule

Österreich: Fortgesetzte Reformen wichtig für Qualität und Chancengleichheit in Bildung

Paris/Berlin, 09.02.2012. Die Leistungen österreichischer Schüler hängen stärker von der sozialen Herkunft ab als in vielen anderen Industrieländern. Der heute veröffentlichte OECD-Bericht "Equity and Quality in Education: Supporting Disadvantaged Students and Schools" appelliert daher, bereits begonnene Reformen ...

Kindergarten / Vorschule

EU-Kommission rügt deutsches Betreuungsgeld

03.02.2012. (dpa) – Die EU-Kommission rügt die deutschen Pläne zur Einführung eines Betreuungsgeldes. "Die EU-Kommission ist überrascht zu erfahren, dass es Ideen gibt, Frauen zu ermutigen, zu Hause zu bleiben", sagte die Sprecherin von EU-Sozialkommissar Laszlo Andor am 1. Februar in Brüssel. "Es gibt ...
in

Elementarbereich NRW | Medienschau Bildung

NEU bei didacta-bildungsklick.tv: CookUOS 2011/12

ANZEIGEN

Weiter auf bildungsklick.de
Society in Science unterstützt postdoc Studenten überall auf der Welt. Unser Ziel ist Förderung der Forscher/innen.
ANZEIGE
Aktuelle Kommentare
Ein Tag Ein Preis Ein Deal. Marken-Schulranzen bis zu unglaublichen 80% reduziert. Scout, McNeill, Espri... und vieles mehr.
ANZEIGE
Unser Partner in Österreich
Bildungaktuell
Das eMagazin für Management, Personalwesen und Weiterbildung