Marion Schick neue Kultusminsterin in Stuttgart
Mehr zu: Baden-Württemberg, Hauptschule, Personalia, SonderthemenStuttgart (dpa) – Baden-Württemberg hat eine neue Kultusministerin: Für das Bildungsressort berief der neue Ministerpräsident Stefan Mappus (CDU) die Münchner Professorin Marion Schick. Die 51-Jährige war bisher Vorstandsmitglied der Fraunhofer-Gesellschaft und übernimmt das Amt von Kultusminister Helmut Rau (CDU). Der 59-jährige Rau, der auch in den eigenen Reihen in der Kritik stand, hält Mappus künftig als Minister im Staatsministerium den Rücken frei. "Ich glaube, es tut einer Gesellschaft, es tut auch der Politik gut, wenn man ab und zu das Fenster aufmacht und so richtig frische Luft reinlässt", sagte Mappus.
Schick war Beraterin der bayerischen Staatsregierung in Zukunftsfragen und wirkte auch wesentlich an einem Papier für eine umfassende Schulreform in Bayern mit. Mappus nannte sie eine "herausragende Persönlichkeit", die "gerade im Bildungsbereich über vielfältigste Erfahrungen" verfüge.
Der Bedeutung ihres Ressorts, das der Mappus ein gutes Jahr vor der Landtagswahl im Südwesten neu besetzte, ist sich Schick bewusst: "Es ist für mich kein Alarmzeichen, dass die Bildung und vor allem Schulpolitik heute im Brennpunkt der Debatte steht. Das ist ein Zeichen dafür, dass wir alle miteinander verstanden haben, was unsere Zukunft sichert." Die Erwartungen an Mappus' Überraschungskandidatin sind riesig. Aus Sicht von Opposition, Eltern und Lehrerverbänden wartet auf die studierte Diplom-Handelslehrerin und promovierte Wissenschaftlerin eine Vielzahl von Baustellen: Von der nur zögerlich anlaufenden frühkindlichen Bildung über die in Baden-Württemberg besonders notwendige Förderung von Migrantenkindern bis zur Einführung der umstrittenen Werkrealschule im kommenden Schuljahr und dem konfliktträchtigen Neuzuschnitt der Lehramtsstudiengänge.
SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel sagte zu der neuen Amtsinhaberin: "Der Austausch des Ministers ohne eine neue Bildungspolitik ist ein reiner Marketing-Gag und bringt den Schülern und Eltern nichts." Auch die GEWLandeschefin Doro Moritz ist skeptisch: "Bildungspolitik wird nicht von Solisten gestaltet, sondern dazu gehört die ganze Regierungsfraktion." Der Philologenverband des Landes erklärte: "Wir erwarten ein klares Bekenntnis zum grundständigen Gymnasium mit seinen vielfältigen Zügen und chancengerechten Möglichkeiten." Die scheidende Chefin des Landdeselternbeirates, Christiane Staab, sagte zu Schick: "Sie ist eine Power- Frau, die hoffen lässt, dass die dringend notwendigen Reformen doch vielleicht umgesetzt werden."
Die Grünen und der Hauptschulrebell Rudolf Bosch verlangen vor allem die Bereitschaft der neuen Ressortchefin zum Dialog. "Die Zeiten, wo Schulrektoren aufs Regierungspräsidium bestellt wurden, wenn sie andere Ansichten hatten als die Landesregierung, müssen endgültig vorbei sein", sagt Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann. Zu diesen Pädagogen zählt auch Bosch. Der Rektor einer Hauptschule sagte, er wünsche sich, dass Schick unvoreingenommen in die Bildungsdebatte einsteigt. Schick selbst betonte, für sie stehe in der Bildungspolitik nicht die Auseinandersetzung über Strukturen im Vordergrund: "Mein Ziel ist es, einen Dialog zu führen." Als Mutter eines 18-jährigen Sohnes und einer 14-jährigen Tochter sowie als frühere Berufsschullehrerin verstehe sie "naturgemäß etwas von Bildung". Sie wolle auf alle Lehrer, Eltern und Schüler zugehen und vor allem eines tun: "Reden, reden, reden."
Ministerpräsident Mappus schließt Einsparungen in der Bildung in den kommenden fünf Jahren aus. Die CDU/FDP-Koalition müsse bei der frühkindlichen Bildung und der Hochschulpolitik "eher noch einen Zahn zulegen", sagte Mappus am 23. Februar beim Treffpunkt Foyer der "Stuttgarter Nachrichten". Bildung sei für den Standort Baden-Württemberg von hoher Bedeutung. "Da wäre es falsch, zu sparen."
(dpa-Dossier Bildung Forschung 09/01.03.2010)
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