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Bildungsbotschafter 2010

Bildungsbotschafter 2010: Sarah Wiener und Peter Maffay

didacta 2010 Themendienst: Interview mit den beiden Preisträgern

Mehr zu: Auszeichnungen, Bildungsbotschafter, didacta - die Bildungsmesse, Ernährung, Gesundheit, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Schulverpflegung, Stiftungen, Sonderthemen
10.03.2010 -

(red) Sarah Wiener und Peter Maffay erhalten auf der diesjährigen didacta die Auszeichnung "Bildungsbotschafter 2010". Im Interview erklären die beiden Preisträger, warum sie sich für Kinder und deren Bildung engagieren.

Sarah Wiener: "Nur wer selbst kochen kann, kann auch Qualität beurteilen"

Frau Wiener, Sie gehören zu Deutschlands Starköchen und feiern große Erfolge in den Medien. Sie sind aber auch Gründerin der Sarah Wiener Stiftung. Für dieses Engagement werden Sie auf der didacta in Köln ausgezeichnet. Was sind die Ziele und Schwerpunkte Ihrer Stiftung?

Sarah Wiener
Sarah Wiener - Bild: privat

Sarah Wiener: Ganz einfach gesagt: Ziel ist, das Kulturgut Kochen und alles was dazugehört, also auch Kreativität und Feinmotorik, zu erlernen und selber über den eigenen Körper die Kontrolle zu erlangen. Genau das stärken wir, indem wir Kochkurse an Grundschulen und Kindergärten anbieten mit Exkursionen auf Biobauernhöfe. Außerdem helfen wir auch beim Anlegen von Schulgärten, wenn das gewünscht wird.

Was war ausschlaggebend für Ihr Engagement, gab es ein bestimmtes Ereignis oder persönliche Erfahrungen?

Sarah Wiener: Ein bestimmtes Ereignis gab es nicht. Es war eher so, dass ich immer die Ernährungsindustrie kritisiert habe, dass ich Anbaumethoden kritisiert habe – eben alles, was mir negativ aufgefallen ist. Und dann dachte ich mir: Was ist eigentlich positiv? Was kann ich tun, um etwas Positives zu erreichen und nicht nur immer zu kritisieren? Was wäre sinnvoll? Und dann wurde mir klar, das Sinnvollste ist, Kindern, die nicht mehr die Chance haben, sich gesund zu ernähren, die auch nicht kochen können, genau die Chance zu geben, nämlich all das zu lernen.

Dann haben sie einfach die Sarah Wiener Stiftung gegründet?

Sarah Wiener: Genau, es hat zwar noch ein bisschen gedauert, aber ich habe engagierte Unterstützer gefunden. Trotzdem: Wir sind eine arme Stiftung und bräuchten noch viel mehr Unterstützer. Zurzeit sind wir eine Handvoll Menschen, die sich sehr engagiert und sehr viel Zeit und Energie aufbringt. Immerhin haben wir schon mehr als 200 Einrichtungen – Schulen und Kindergärten – erreicht.

Welche Erfahrungen haben Sie mit der Nachhaltigkeit ihrer Projekte gemacht? Tragen zum Beispiel die Kinder die Ideen auch in die Elternhäuser?

Sarah Wiener: Deswegen machen wir diese Kochkurse, weil wir die Erfahrung gemacht haben, dass Kinder weder von Lebensmitteln, noch vom Kochen, noch von der Ernährung irgendeine Idee haben. Woher sollten sie auch? Wir wollen ihnen dieses Wissen und Können en passant, also spielerisch vermitteln – ohne erhobenen Zeigefinger ohne "du musst", "du sollst", "das ist gesund" und "das ist nicht gesund". Wir wollen einfach mit ihnen kochen, den Tisch decken und gemeinsam essen. Kinder aus den Grundschulkursen erzählen oft "Ich habe das jetzt dreimal zu Hause nachgekocht für meine Familie". Das ist doch wunderbar! Wir möchten einfach ein Samenkorn in die Kinder versenken, von dem sie vielleicht ein Leben lang profitieren können. Wir überlegen jetzt gerade, die Eltern der Kindergartenkinder miteinzubeziehen.

Sollten Kochen und Ernährungskunde zum Standardangebot von Schulen werden?

Sarah Wiener: Auf jeden Fall! Es ist eine entscheidende Kompetenz. Nur wer selbst kochen kann, kann auch Qualität beurteilen und ist schließlich auch unabhängiger von der Lebensmittelindustrie. Wir werden ja heute manipuliert in unseren Essgewohnheiten und monopolisiert in unserem Geschmack. Ich bin sehr für Diversität, für Vielfältigkeit. Denn wie kann jemand, der nicht einmal seinen Geschmack und seinen eigenen Körper beurteilen kann, zum Beispiel hochkomplexe politische Zusammenhänge wirklich beurteilen? Ganz einfach gesagt: Wie kann man ein kritischer Mitbürger werden, wenn man so simple Dinge wie einen Erdbeerjoghurt gar nicht beurteilen kann?

Angenommen, eine gute Fee würde Ihnen einen Wunsch gewähren, mit dem Sie das Bildungswesen in Deutschland beeinflussen könnten. Wie sähe dieser Wunsch aus?

Sarah Wiener: Dann würde ich mir Ganztagsschulen mit hervorragenden Kantinen wünschen, wo Kinder außerdem die Gelegenheit haben, selbst zu kochen.

Peter Maffay: "Die eigene Popularität für Menschen zu nutzen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen"

Herr Maffay, Sie gehören zu Deutschlands erfolgreichsten Musikern und feiern in diesem Jahr Ihr 40. Bühnenjubiläum. Sie sind aber auch Gründer der Peter Maffay Stiftung. Für dieses Engagement werden Sie auf der didacta in Köln ausgezeichnet. Was sind die Ziele und Schwerpunkte Ihrer Stiftung?

Peter Maffay: Die Stiftung kümmert sich primär um benachteiligte Kinder und Jugendliche. Ihnen ermöglichen wir therapeutische Aufenthalte auf unserer Finca in Mallorca, im Sternstundenhaus in Hohenpeißenberg und demnächst auch im rumänischen Radeln.

Was war ausschlaggebend für Ihr Engagement, gab es ein bestimmtes Ereignis oder persönliche Erfahrungen?

Peter Maffay: Die eigene Popularität für Menschen zu nutzen, die nicht auf der Sonnenseite des Lebens stehen, ist sicherlich einer der Beweggründe dafür.

Ihre Stiftung entwickelt immer wieder neue Projekte, zum Beispiel "Schüler bauen Brücken" gemeinsam mit dem nordrheinwestfälischen Integrationsministerium. Wie ist diese Idee entstanden?

Peter Maffay: Mit unseren Partnern in Nordrhein-Westfalen wurde die Zusammenarbeit in Bezug auf den Jugendaustausch "Israel-Palästina-Deutschland" ausgebaut. Dass bei diesem Projekt auch die Musik eine wesentliche Rolle spielen kann, konnten wir bei einem der Projekte verwirklichen.

Gibt es bereits weitere Projektideen in Ihrer Schublade?

Peter Maffay: Eine Fortsetzung ist vorgesehen. Der trilaterale Austausch wird auch künftig eine Rolle in unserer Stiftungsarbeit spielen.

Angenommen, eine gute Fee würde Ihnen einen Wunsch gewähren, mit dem Sie das Bildungswesen in Deutschland beeinflussen könnten. Wie sähe dieser Wunsch aus?

Peter Maffay: Bildung für ALLE ist sicherlich heute schon möglich. Die Angebote müssen nur weiter ausgebaut und auch angenommen werden. Sozial Schwachen muss hier auf jeden Fall Unterstützung gewährt werden.

DAZU AUF DER DIDACTA

■ Bildung lebt vor allem vom privaten Engagement. Deshalb ehren die beiden ideellen Träger der didacta, der Didacta Verband und der VdS Bildungsmedien, alljährlich Prominente des öffentlichen Lebens, die sich beispielhaft für wichtige Bildungsthemen engagieren. Die "didacta-Bildungsbotschafter 2010" sind Sarah Wiener und Peter Maffay. Die Ehrung ist öffentlich und erfolgt durch Wilmar Diepgrond, Vorsitzender des VdS Bildungsmedien, und Prof. Dr. mult. Wassilios E. Fthenakis, Präsident des Didacta Verbandes. (Aus terminlichen Gründen wird Peter Maffay leider nicht an der Ehrung teilnehmen.) forum bildung, 17.3.2010, 11:00 Uhr

■ Sonderschau "Schulverpflegung – Ein gesunder Geist braucht gesunde Nahrung" Halle 6, Stand E78

Sich bewegen, um etwas zu bewegen: Soziales Engagement, Bewegung und Ernährung im Dreiklang Podiumsdiskussion mit: PD Dr. Swantje Scharenberg, FoSS / KIT; Dr. Andrea Lambeck, Plattform Ernährung und Bewegung e.V.; Prof. Dr. Günter Eissing (TU Dortmund). Forum didacta aktuell, 16.3.2010, 12:00 Uhr

■ Unterrichtsdemonstration "aid-Ernährungsführerschein".Unter Anleitung einer Expertin des aid infodienst e.V. führen Lehrkräfte und Schüler einer 3. Grundschulklasse die erste Einheit des aid-Ernährungsführerscheins durch. Halle 6 Stand E082, 16.3. bis 19.3.2010 jeweils um 10:00 Uhr.

Der komplette [Themendienst 3 zur didacta 2010] (http://bildungsklick.de/datei-archiv/md/131/didacta10_td3_neu.pdf) kann als PDF-Datei heruntergeladen werden. Alle Texte können kostenfrei für die Berichterstattung genutzt werden.

Der komplette Themendienst 3 zur didacta 2010 kann als PDF-Datei heruntergeladen werden. Alle Texte können kostenfrei für die Berichterstattung genutzt werden.

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