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Berufsbildungsbericht:

Mehr Hilfe für nicht ausbildungsreife Jugendliche?

Entwurf des "Berufsbildungsberichts 2010"

Mehr zu: Ausbildungsreife, Bildungsbericht, Grundbildung, Hauptschule, Spaenle, Statistik, Zeugnis, Berufliche Bildung, Schule
07.03.2010 -

(dpa) – Die Bundesregierung ist besorgt über die mangelnde Ausbildungsreife vieler Jugendlicher in Deutschland. Nach wie vor verließen zu viele die Schule ohne Abschluss. Jeder fünfte Ausbildungsvertrag (21,5 Prozent) wird vorzeitig wieder gelöst. Und rund 15 Prozent der jungen Erwachsenen zwischen 20 und 29 Jahren haben keinen Berufsabschluss. Dies geht aus dem Entwurf des "Berufsbildungsberichts 2010" der Bundesregierung hervor, der der Deutschen Presse-Agentur dpa vorliegt.

Bild: bikl.de

Der Anteil der Jugendlichen, die zwischen Schule und Eintritt in die Berufsausbildung zunächst einen ergänzenden Grundbildungskurs besuchen, wird in dem Bericht für das Jahr 2008 mit 47,3 Prozent beziffert. 2005 lag dieser Anteil laut Bericht sogar bei 55 Prozent. Nach Aussage des Bundesbildungsministeriums könne aus den im Bericht genannten 47,3 Prozent aber nicht geschlossen werden, dass damit fast jeder zweite Schulabgänger eines Jahrganges "nicht ausbildungsreif" sei.

Die Zahl ergebe sich aus dem rechnerischen Vergleich von insgesamt 430 373 Teilnehmern in berufsvorbereitenden Maßnahmen in 2008 – bei 909 783 Schulabgängern in dem Jahr. In der Gesamtzahl der Kursteilnehmer seien auch Schulabgänger aus früheren Jahren erfasst. Für 2008 werden insgesamt 124 183 Neueintritte in berufsvorbereitende Maßnahmen gezählt. 1992 waren dies erst 70 400.

In dem Bericht heißt es: "Nach wie vor erreicht eine große Zahl junger Menschen weder den Schulabschluss noch eine voll qualifizierende Ausbildung." Wegen der geburtenschwachen Schulabgängerjahrgänge werde die deutsche Wirtschaft aber "schon bald jeden jungen Menschen brauchen". Die Regierung fordert deshalb sowohl von den Unternehmen als auch von der Bildungspolitik der Länder, sich verstärkt dieser Gruppe anzunehmen – "schon aus Eigeninteresse für die eigene Fachkräftesicherung". Zunehmend klagten Unternehmen über Schwierigkeiten, für ihre angebotenen Ausbildungsplätze geeignete Bewerber zu finden, heißt es in dem Bericht weiter. Als Hauptursachen werden bei Betriebsumfragen "mangelndes Leistungsvermögen und die unzureichende schulische Qualifikation der Bewerber" genannt. Vor allem in der Gastronomie und im Lebensmittelhandel seien 10 bis 15 Prozent der angebotenen Lehrstellen nicht zu besetzen gewesen. Nachwuchsprobleme gebe es inzwischen auch bei Klempnern, Fleischern und Gebäudereinigern.

Nach dem Bericht ist fast jeder zweite bis dritte Jugendliche nach seinem Schulabgang länger als ein Jahr auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz. "Je länger der Schulentlasszeitpunkt zurückliegt, je schlechter das Zeugnis ausfällt, je älter der Bewerber oder die Bewerberin ist, umso schlechter sind die Chancen auf einen betrieblichen Ausbildungsplatz." Alarmierend sei der geringe Anteil von Jugendlichen mit Migrationshintergrund in der Berufsausbildung. "Eine sinkende Zahl von Jugendlichen, die dem Ausbildungsmarkt potenziell zur Verfügung stehen, entschärft die Integrationsproblematik nicht automatisch", heißt es in dem Bericht.

Nach wie vor verließen ausländische Jugendliche mehr als doppelt so häufig die Schule ohne Abschluss und seien auch in der Berufsausbildung stark unterrepräsentiert. Dabei hätten nach Erkenntnissen einer Übergangsstudie ausländische Jugendliche ein gleichgroßes Interesse an einer Ausbildung wie deutsche. Die Ausbildungsquote bei den jungen Ausländern liege bei 32,2 Prozent, die der deutschen Jugendlichen bei 68,2 Prozent.

"Unbefriedigend" sei auch die mit 96 189 vergleichsweise hohe Anzahl von Bewerbern, die aus der Ausbildungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit herausgefallen seien, weil keine Informationen über deren Verbleib vorliegen und deshalb auch keine Vermittlungsbemühungen mehr laufen. Nach einer Umfrage bei früheren Jahrgängen waren im Winter 2008/2009 zwar rund 20 Prozent der unbekannt verbliebenen Bewerber in einer vollqualifizierenden Berufsausbildung. Mit etwa 27 Prozent war aber auch der Arbeitslosenanteil in dieser Gruppe besonders hoch. "Hier besteht ein hohes Risiko, dass diese Jugendlichen "quasi unbemerkt" aus dem Bildungssystem herausfallen mit den bekannten negativen Folgen für die Beschäftigungsfähigkeit des Individuums und die Chance auf gesellschaftliche Teilhabe."

KMK-Präsident Spaenle: Lernschwächere mehr fördern

Die Kultusministerkonferenz (KMK) verständigte sich bei ihrem Treffen am 5./6. März in Berlin auf eine bessere Förderung lernschwächerer Schüler. "Mancher junge Mensch braucht einfach mehr Zeit zum Lernen und mehr individuelle Förderung", sagte KMK-Präsident Ludwig Spaenle. Das Konzept sieht vor, bei erkannten Lernschwächen Kinder bereits im frühen Stadium durch pädagogische Maßnahmen zu unterstützen. Deutlich weniger Schüler sollten künftig ihre Schule ohne Hauptschulabschluss verlassen. In das Konzept sollen auch die sonderpädagogischen Förderschulen einbezogen werden.

Besondere Beachtung sollen Schüler mit Migrationshintergrund finden. Spaenle: "Die Schulen sind aufgefordert, die Vielfalt von Herkunft, Sprachen, Religionen und Kulturen ihrer Schülerschaft als Chancen zu sehen und sie dafür zu nutzen, allen Beteiligten interkulturelle Kompetenzen zu vermitteln."

Karl-Heinz Reith (dpa-Dossier Bildung Forschung 10/08.03.2010)


© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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