Große Mehrheit in Hamburger Bürgerschaft für Schulreform
Sechsjährige Grundschule beschlossen
Mehr zu: Grundschule, Hamburg, Primarschule, Schulgesetz, Schulstruktur, Volksbegehren, Volksentscheid, Schule(dpa) – Nach Berlin und Brandenburg bekommt nun auch Hamburg eine sechsjährige Grundschule. Die Bürgerschaft der Hansestadt änderte einstimmig das Schulgesetz und beschloss damit die sechsjährige Primarschule für alle Kinder. Damit ist der jahrelange Streit in der Hansestadt um die Schulpolitik aber möglicherweise noch nicht beendet. Die Initiative "Wir wollen lernen" der Primarschul-Gegner kann mit 184 000 Unterschriften aus einem Volksbegehren einen Volksentscheid im Sommer erzwingen. Mit ihrem fraktionsübergreifenden Kompromiss nahm die Bürgerschaft aber Teile des Unmuts der Elternschaft auf.
Bürgermeister Ole von Beust (CDU) warb schon vor der Abstimmung für die Reform, die neben der Primarschule auch kleinere Klassen und die Abschaffung des Büchergeldes einschließt. "Die Art, wie wir Schule machen, hält europäischen Standards nicht mehr stand", sagte er. Die Stadt könne es sich schon aus ökonomischen, aber auch aus gesellschaftspolitischen Gründen nicht mehr erlauben, dass Kinder im Schulsystem ohne Abschluss bleiben.
Vor der Sitzung hatten die Partei- und Fraktionsspitzen von CDU, SPD und GAL eine Vereinbarung über einen zehnjährigen Schulfrieden unterschrieben. "Ich werde alles dafür tun, dass die Hamburger dieses gemeinsame Angebot annehmen werden", sagte Beust. Das Ergebnis eines Volksentscheids müsse aber in jedem Fall respektiert werden.
Für den SPD-Fraktionschef Michael Neumann werden die Schüler der Hansestadt die Gewinner des Schulfriedens sein. "Sie und ihre Eltern bekommen für eine Dekade endlich die Verlässlichkeit, die Berechenbarkeit, die unsere Schulen so dringend brauchen, um Reformen auch wirken zu lassen."
GAL-Fraktionschef Jens Kerstan appellierte an die Initiative und die Eltern, das Angebot des Schulfriedens anzunehmen. "Wir haben verstanden, dass die Abschaffung des Elternwahlrechts ein Fehler war, den wir bedauern und jetzt korrigieren", warb Kerstan um Vertrauen.
Dora Heyenn begründete die Zustimmung der Linken-Fraktion mit der Erkenntnis, dass die Grundschule die erfolgreichste Schule in Deutschland sei. "Wenn sie jetzt um zwei Jahre verlängert bis 2012 verbindlich und flächendeckend in Hamburg eingeführt wird, dann kann das nicht schlecht sein." Das sei ein kleiner Schritt in die richtige Richtung. Die Linke fordere aber weiterhin ein "einheitliches und demokratisches Bildungswesen bis Klasse 10".
CDU-Fraktionschef Frank Schira betonte, die CDU wolle den Streit um die Schulpolitik beenden. Der Kompromiss stehe für mehr Chancengerechtigkeit und bessere Schulen. "Niemand darf zurückgelassen werden." Schira sagte aber auch, die 184 000 Stimmen des Volksbegehens seien eine klare Meinungsäußerung, die nicht ignoriert werden könne.
Die Schulreform und besonders die Einführung der Primarschule soll von einem Sonderausschuss der Bürgerschaft begleitet werden. Die Abgeordneten setzten diesen am 3. März nach der gut einstündigen sehr sachlich geführten Debatte ebenfalls einstimmig ein.
Direktoren: Gymnasium ab Klasse 5 unverzichtbar
Die Gymnasialdirektoren haben sich gegen längeres gemeinsames Lernen auf Kosten der Gymnasien ausgesprochen. "Die Klassen 5 und 6 sind absolut unverzichtbar", sagte ihr Vorsitzender Rainer Stein-Bastuck am 5. März bei der Frühjahrstagung der Bundes-Direktoren-Konferenz in Dresden. Diese Jahre seien die Zeit des größten Lernfortschritts und dürften deshalb nicht einer "Gleichmacherei" geopfert werden. Die Zeit des gemeinsamen Lernens müsse nicht über die Grundschule hinaus verlängert, sondern viel früher begonnen werden.
(dpa-Dossier Bildung Forschung 10/08.03.2010)
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