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Schulstruktur

Mittelstufenschule: Zusammen lernen?

"Rückschritt gegenüber den Förderstufen"

Mehr zu: Hauptschule, Hessen, Mittelschule, Mittelstufenschule, Realschule, Schulstruktur, Schule
05.03.2010 -

(dpa) – Wie intensiv lernen Haupt- und Realschüler in der neuen hessischen Mittelstufenschule gemeinsam? Die CDU-Fraktion verwahrte sich am 3. März gegen die Darstellung, Haupt- und Realschüler sollten in dem neuen Schultyp von Klasse 5 bis 7 zusammen lernen. Der schulpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Mario Döweling, hingegen hielt die Formulierung für zutreffend. Er wies auf die Freiwilligkeit des Angebots hin und die Bedeutung pädagogischer Entscheidungen im Detail.

Unterschiedliche Auffassungen zwischen den Fraktionen gebe es nicht. Der bildungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion, Hans-Jürgen Irmer, betonte, spätestens ab Klasse sechs müssten wenigstens die Hauptfächer differenziert unterrichtet werden.

"Ab der Jahrgangsstufe 6 sind zumindest die Fächer Deutsch, Mathematik und die erste Fremdsprache teildifferenziert zu unterrichten", ist im Dringlichen Entschließungsantrag beider Fraktionen zu lesen. "Die Aufbaustufe (5 bis 7) kann schulformbezogen, schulformübergreifend oder teildifferenziert organisiert sein", hatte es noch am 26. Februar geheißen, als Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) und Ministerpräsident Roland Koch (CDU) das Konzept der Öffentlichkeit vorgestellt hatten. "Im Mittelpunkt stehen fachübergreifendes und projektorientiertes Lernen", hieß es.

"In Ausnahmefällen können Schülerinnen und Schüler in den Jahrgangsstufen 6 und 7 auch gemeinsam unterrichtet werden, um wohnortnahe und kleine Schulstandorte zu erhalten", erläuterte der Sprecher des Kultusministeriums, Nicolas Wolz, am 3. März auf Nachfrage. "In diesen Fällen sind gegebenenfalls notwendige zusätzliche Differenzierungsstunden möglich."

"Herr Irmer hat sich durchgesetzt", sagte der schulpolitische Sprecher der Grünen, Mathias Wagner. "Es bleibt bei dem pädagogischen Konzept: Durch äußere Differenzierung in getrennten Gruppen fördert man alle am besten – der klassische Gedanke des dreigliedrigen Schulsystems." Die bildungspolitische Sprecherin der SPD, Heike Habermann, sagte: "Die spärlichen gelben Einsprengsel sind bereits verblasst".

"Die stockkonservative Linie der CDU hat sich durchgesetzt. Das ist ein Rückschritt gegenüber den Förderstufen", sagte auch der Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Jochen Nagel. "Hessen ist weit hinter allen Diskussionen bundesweit, wo man anfängt darüber nachzudenken, wenigstens sechs Jahre zusammen zu lernen."

Ira Schaible (dpa-Dossier Bildung Forschung 10/08.03.2010)


© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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