Freiwilliges Soziales Jahr Kultur in Existenz bedroht
Zivildienstreform bringt massive Einschnitte für kulturelles Engagement
Mehr zu: Außerschulische Lernorte, Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), Jugendhilfe und Sozialarbeit, Kulturelle Bildung, Zivildienst, Sonderthemen(redd/PM) Die Bundesregierung plant, die Förderung des Freiwilligen Sozialen Jahres (FSJ) für anerkannte Kriegsdienstverweigerer aus Mitteln des Bundesamts für Zivildienst (BAZ) zu streichen. Diese Mittel haben maßgeblich den Ausbau des FSJ Kultur auf heute über 1.000 Plätze finanziert.
Zwar formulierten CDU und FDP in der Koalitionsvereinbarung die Absicht, die Angebote im FSJ Kultur ausweiten zu wollen, die bekannt gewordenen Pläne des Bundesjugendministeriums (BMFSFJ) bedrohen jedoch den Freiwilligendienst, der in diesem Jahr in seinen zehnten Jahrgang startet, in seiner Existenz. Die Mitgliederversammlung der Bundesvereinigung Kulturelle Kinder- und Jugendbildung (BKJ) e.V., bundeszentraler Träger im FSJ Kultur, fordert die Bundesregierung auf, das FSJ Kultur zu sichern und Fördermittel bereitzustellen.
Das FSJ Kultur bietet in föderaler Struktur derzeit bundesweit über 1.100 Plätze bei achtfacher Bewerberzahl. Die Finanzierung eines FSJ Kultur-Platzes erfolgt wesentlich über die Eigenbeteiligung der Einsatzstellen und über Fördermittel des BMFSFJ. Aktuell steht der jährlichen Förderung in Höhe von 1,3 Millionen Euro der knapp 270 Freiwilligen, die ein FSJ Kultur anstelle des Zivildiensts absolvieren, eine durch den Kinder- und Jugendplan des BMFSFJ getragene Förderung von rund 545.000 Euro für 630 Freiwillige gegenüber. Etwa 250 Stellen finanzieren die Träger bereits aus Drittmitteln. Nur durch die BAZ-Förderung war es möglich, eine nachhaltige Freiwilligendienst-Infrastruktur aufzubauen sowie pädagogische Qualität, Einsatzstellenspektrum und Platzangebot im FSJ Kultur zu erweitern.
Zwar ist beabsichtigt, die Fördermittel von insgesamt 30 Millionen Euro aus dem BAZ in den Etat der Jugendfreiwilligendienste zu überstellen, doch sollen damit mehr Plätze bei allen FSJ Trägern mit einer monatlich viel geringeren Pauschale für die pädagogische Begleitung gefördert werden. Eine vergleichbare Förderstruktur wie im sozialen Bereichs, in dem erbrachte Leistung über Pflegesätze etc. abgerechnet werden kann, wird der Spezifik des kulturellen Felds als nicht refinanziertem Einsatzbereich nicht gerecht. Das FSJ Kultur benötigt eine monatliche Förderpauschale pro Platz von 200 Euro, um das Angebot bedarfsgerecht erhalten und ausbauen zu können. Andernfalls droht ein massiver Einschnitt in das Platzangebot und die Trägerlandschaft.
Die Träger im FSJ Kultur planen jetzt für den Jahrgang 2010/2011. Bewerbungsschluss für Jugendliche und Einsatzstellen ist der 31. März. Verlässliche Planungssicherheit muss schnellstmöglich herbeigeführt werden, um Bewerbern/innen die Perspektive auf ein FSJ Kultur geben zu können, attraktive Einsatzstellen zu halten und Trägern eine Planungsgrundlage für den kommenden Jahrgang zu geben.
Hintergrund:
Das FSJ Kultur ist ein 2001 von der BKJ initiiertes Bildungs- und Orientierungsjahr. Es richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 26 Jahren nach Beendigung der Vollzeitschulpflicht.
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