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Junge Zuwanderer vermissen faire Bildungschancen in Deutschland

Bertelsmann Stiftung startet deutschlandweite Schulaktion

Mehr zu: Bildungschancen, Bildungsgerechtigkeit, Forschung, Migration, Schule
11.03.2010 -

(red/pm) Viele junge Menschen aus Zuwandererfamilien vermissen faire Bildungschancen an deutschen Schulen: 45 Prozent der 16- bis 24-Jährigen haben das Gefühl, dass Schüler mit Migrationshintergrund nicht die gleichen Chancen erhalten wie ihre deutschen Mitschüler. Als Hauptgrund geben die Befragten mangelnde Deutschkenntnisse an. Außerdem könnten Kinder mit Migrationshintergrund oftmals nicht von ihren Eltern beim Lernen unterstützt werden.

Dies sind Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage unter Migranten, die im Auftrag der Bertelsmann Stiftung vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt wurde. Mit ihrem Schulwettbewerb "Alle Kids sind VIPs", der nun in die nächste Runde startet, will die Bertelsmann Stiftung ein Zeichen für mehr Fairness und Integration im Schulalltag setzen.

Zum zweiten Mal lädt die Stiftung Schüler der Klassen fünf bis zwölf ein, sich mit vorbildlichen Projekten für eine bessere Integration von Kindern und Jugendlichen aus Migrantenfamilien an ihrer Schule einzusetzen. Gewinnen können die Schüler einen Besuch von prominenten Stars, die selbst einen Migrationshintergrund aufweisen: So kickt etwa Fußballnationalspieler Mario Gomez am kommenden Montag gemeinsam mit Schülern der Hohenbergschule in Albstadt - eine der neun Siegerschulen beim "Alle Kids sind VIPs"-Wettbewerb 2009.

"Wir glauben, dass unser Wettbewerb die Schüler für faire Bildungschancen als Schlüssel zur Integration sensibilisieren kann", sagt Gunter Thielen, Vorstandsvorsitzender der Bertelsmann Stiftung. "Sie sollen sehen, dass eigenes Engagement viel bewirken kann und von großem Wert für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft ist." Die aktuellen Zahlen aus dem Mikrozensus zeigen: Während die Gesamtbevölkerung in Deutschland abnimmt, steigt die Anzahl der Menschen mit Migrationshintergrund stetig. Erfolgreiche Integration wird in unserer Gesellschaft deshalb immer wichtiger.

Fast 39 Prozent der jungen Migranten machen schlechte Deutschkenntnisse für die fehlende Chancengleichheit von Schülern aus Zuwandererfamilien verantwortlich. 37 Prozent von ihnen glauben, dass die schlechteren Möglichkeiten ihre Ursache darin haben, dass die Eltern ihre Kinder bei den Hausaufgaben nicht richtig unterstützen können. "Deshalb müssen die Schulen künftig eine noch stärkere Rolle bei der Integration spielen und größere Verantwortung für die individuelle Förderung der Kinder aus Zuwandererfamilien übernehmen", so Thielen.

Einen wichtigen Grund für die Chancenungleichheit sehen die Befragten auch darin, dass sich die Eltern von Zuwandererfamilien häufig keine Nachhilfe leisten können. Ein Großteil der Befragten glaubt, dass Schüler mit Migrationshintergrund bessere Chancen hätten, wenn sie länger zusammen lernen würden: Über 58 Prozent halten es für besser, wenn zukünftig erst nach der sechsten oder neunten Klasse entschieden wird, auf welche Schule ein Schüler kommt. Nur knapp 21 Prozent sprechen sich für eine Trennung der Schüler nach der vierten Klasse aus.

Die bundesweite Schulaktion "Alle Kids sind VIPs" wird durch zahlreiche Stars mit Migrationshintergrund, unter ihnen Fußballnationalspieler Mario Gomez, die Schauspielerin Susan Sideropoulos und die Band Culcha Candela unterstützt.

An "Alle Kids sind VIPs" beteiligen können sich in diesem Jahr ganze Klassen, Projektgruppen oder Einzelpersonen. Der Wettbewerb startet am 15. März 2010, Einsendeschluss für die Beiträge ist der 1. Juni 2010, die Preisverleihung wird im Oktober stattfinden.

Zur Allensbach-Studie

Die quantitative Umfrage wurde vom Institut für Demoskopie Allensbach durchgeführt und stützt sich auf 1.581 Interviews mit einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung mit Migrationshintergrund ab 16 Jahren aus der Türkei, der ehemaligen Sowjetunion (bzw. den Nachfolgestaaten Kasachstan, Russland, Ukraine), dem ehemaligen Jugoslawien (bzw. den Nachfolgestaaten Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Serbien, Montenegro, Kosovo, Mazedonien, Slowenien), Polen, Italien, Spanien und Griechenland. Analog zur Definition, die dem Mikrozensus zu Grunde liegt, wurden sowohl ausländische als auch deutsche Staatsbürger befragt, die entweder selbst aus dem Ausland zugewandert sind oder die zwar in Deutschland geboren sind, von denen aber mindestens ein Elternteil nach 1950 eingewandert ist. Die Befragung wurde von teilweise zweisprachigen Interviewern mit mehrsprachigen Fragebogen durchgeführt. Die face-to-face-Interviews fanden im 1. Quartal 2009 statt.

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von W.E., am 12.03.2010, 16:17

Zu dieser Erkenntnis bräuchte man eigentlich niemanden, denn das ist logisch.


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