Rattle und Barenboim kämpfen für Musikunterricht
Berliner Gymnasien: Kein Musikunterricht in der 11. Klasse
Mehr zu: Berlin, Künstlerische Fächer, Schule(dpa) – Berlins Dirigenten und Intendanten, allen voran Sir Simon Rattle und Daniel Barenboim, haben gegen den weiteren Abbau des Musikunterrichts an den Hauptstadt-Schulen protestiert. In einem offenen Brief an Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD) forderten sie einen Musikunterricht von mindestens 1,5 Stunden in der Woche. Seit 1993 seien die Musikstunden der Sekundarstufe I von zwei auf 1,5 Stunden oder sogar auf nur eine Stunde gekürzt worden. Seit diesem Jahr könne Musik sogar zugunsten von Kunst abgewählt werden.
"Dies hat in unseren Augen eine fatale Wirkung auf die Musikkultur unserer Stadt", heißt es in dem Brief. Damit werde der Verlust kultureller Möglichkeiten und Traditionen in Kauf genommen und das Allgemeinwissen auf naturwissenschaftliches und ökonomisches Wissen beschränkt.
"Es kann nicht sein, dass es Schüler gibt, die in den Klassen 7-9 (also drei Jahre lang!), überhaupt keinen Musikunterricht in der Schule haben", schrieben die Künstler. Es sei ein Rätsel, wie man so ein nachwachsendes Publikum heranziehen solle.
An den Gymnasien falle der Musikunterricht in der 11. Klasse sogar komplett weg, heißt es in dem Brief. Durch die geringe Berührung mit diesem Fach scheuten viele Schüler Musik als Leistungs- oder Grundkurs. In der neuen Sekundarschule sei ab 2010/2011 nur noch eine Musikstunde pro Woche verbindlich. Der Unterricht sollte daher auf dem bisherigen Niveau der Realschule mit jeweils 1,5 Stunden für alle Klassenstufen erhalten werden. Gemeinsam mit dem Verband Deutscher Schulmusiker sollte Zöllner nach Lösungen suchen, damit die musikalische Allgemeinbildung nicht verbannt wird.
Die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) forderte mindestens zwei Musikstunden pro Woche bis zum Ende der Schulzeit.
(dpa-Dossier Bildung Forschung 11/15.03.2010)
© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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