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Steuerfreiheit für Schulessen gefordert

Thema gesunde Ernährung auf der didacta

17.03.2010

Immer mehr Schüler verbringen durch den Ausbau der Ganztagsschulen auch den Nachmittag in der Schule. Dem entsprechend steigt die Anzahl der Kinder und Jugendlichen, die ihr Mittagessen nicht mehr zu Hause, sondern in der Schule einnehmen. Dieses wird nun teurer - aber nicht weil die Lebensmittelpreise steigen, sondern weil durch einen Erlass des Bundesfinanzministeriums das Schulessen stärker besteuert wird. Dies geht zu Lasten der Qualität des Ganztagsschulbetriebs, sagt der Kasseler Bio-Caterer Dr. Harald Hoppe und fordert auf der Didacta-Messe in Köln stattdessen eine steuerliche Befreiung des Schulessens.

Bislang konnte Mittagessen in der Schule steuerlich begünstigt angeboten werden. Die Speisen konnten zum ermäßigten Steuersatz von 7 Prozent abgerechnet werden, lediglich Ausgabe und weitere Serviceleistungen wurden mit 19 Prozent versteuert. Der neue Erlass des Ministeriums sieht nun vor, dass für beide Vorgänge der höhere Steuersatz gelten und somit der Preis für ein Schülermenü steigen wird. Mit seiner Kritik pflichtet Dr. Hoppe dem Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer bei, der sich vergangene Woche in einem Brief bei Finanzminister Dr. Wolfgang Schäuble beschwert hat. Durch den Preisdruck sinke die Qualität der Ernährung, weil in der Konsequenz billigere Lebensmittel angeboten würden um den alten Preis halten zu können.

"Dabei ist eine ausgewogene Mahlzeit gerade Grundlage für den Lernerfolg" unterstreicht Dr. Hoppe, der unter der Marke biond in Kassel Europas größte Bio-Küche betreibt und seit 10 Jahren ökologische Schulverpflegung anbietet. Nach Erfahrung des Unternehmens beeinflusst die Qualität des Schulessens, wie gut sich Schüler Unterrichtsinhalte merken und sich darauf konzentrieren können.

"Die Schule wird immer mehr zum Ganztagslebensbereich. Dafür müssen sinnvolle Rahmenbedingungen geschaffen werden", fordert Dr. Hoppe und stellt eine konkrete Forderung auf: Für ernährungsbedingte Krankheiten gibt das deutsche Gesundheitssystem jährlich 70 Milliarden Euro aus. "Wir brauchen eine Ernährungsoffensive, die dieses Thema und seine volkswirtschaftlichen Folgen wirklich ernst nimmt, fordert er. Es gebe keinen besseren Bereich als Kita und Schule um eine nachhaltige Veränderung des Ernährungsstils zu bewirken. Ernährungsverhalten werde besonders in den ersten 10 Lebensjahren angelegt. Mindestens fünf Prozent der Kosten für ernährungsbedingte Krankheiten, also 3.5 Milliarden Euro im Jahr sollten nach Dr. Hoppe für die Ernährungsoffensive als Sofortmaßnahme aufgebracht werden. "Volkswirtschaftlich können wir es uns nicht leisten, das nicht zu machen", so Hoppd weiter. Neben kostenfreiem Essen für Kindergärten und Schulen in der besten Qualität sollte der Nachwuchs ernährungspädagogisch begleitet werden, um Ernährungskompetenz aufzubauen.

Gerade für Kinder und Jugendliche plädiert Dr. Hoppe auf eine naturbelassene, ökologische Ernährung mit einer großen Angebotsvielfalt, die Kindern und Jugendlichen die Ausbildung einer Ernährungskompetenz ermögliche und präventiv auf ernährungsbedingte Krankheiten wirke und sich zugleich auf den Lernerfolg auswirken könne. Insbesondere Bio-Ernährung könne körperliches und geistiges Befinden positiv beeinflussen und durch hochwertige Fette und eine Mineralstoff-Vielfalt Körper und Geist fit machen für den Nachmittagsunterricht. Wer Nachmittagsunterricht und Lernerfolg fördern wolle, könne nicht zeitgleich Maßnahmen gegen Ernährungsqualität an Schulen umsetzen. "Hier erwarte ich klares Umdenken und eine richtungsweisende Entscheidung hin zu einer Schulpolitik, die gesunde Ernährung fördert und damit Kindern und Jugendliche erst die Grundlage bietet für intensiveres Lernen, kreativeres Handeln und zugleich die Basis legt für ein lebenslanges gesundes Ernährungsverhalten."


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