Gute Schulbücher fördern individuelles Lernen
Neue Konzepte auf der didacta in Köln
Mehr zu: didacta - die Bildungsmesse, Schulbuch, Unterrichtsmaterial, Schule(hf/red) Nicht nur Pennäler schimpfen über Schulbücher. Auch die Landesvereinigung der Unternehmerverbände Nordrhein-Westfalen hat an den Büchern etwas auszusetzen; wenn auch aus einem ganz anderen Grund. "Die meisten Schulbücher behandeln Wirtschaftsthemen eher stiefmütterlich, manche blenden einen Teil der ökonomischen Realität sogar aus", resümiert die Vereinigung in Köln jetzt auf der didacta. Auf die Realität der Schüler hingegen gehen Schulbücher sehr wohl ein: Die neuen Lehrwerke wollen nämlich die Lehrer bei der inzwischen unisono geforderten individuellen Förderung der Schüler unterstützen. In Köln stellen die Schulbuchverlage jetzt ihre neuen Konzepte vor.
Die Landesvereinigung der Unternehmerverbände bemängelte in Köln, dass der bisher gültige Ansatz, wirtschaftliche Zusammenhänge fächerübergreifend in Erdkunde, Geschichte, Sozialwissenschaften oder Politik zu vermitteln, ungeeignet sei und forderte mittelfristig, ein eigenständiges Unterrichtsfach Wirtschaft einzuführen. Welche Inhalte in Schulbüchern stehen, entscheiden indessen die Kultusministerien der Länder. Solange die Lehrpläne keine Antwort auf die Frage "was ist Geld?" vorsehen, können sich Unternehmerverbände noch lange beschweren.
Die geforderten Lerninhalte hingegen werden immer differenzierter aufgelegt. Denn die Bücher sollen als Grundlage für individuelles Lernen dienen – leistungsstarke Schüler finden zusätzliches Material, schwächere Schüler sollen klare Strukturen erkennen und die wesentlichen Lernthemen daraus mitnehmen. Zum Beispiel Biologie: Das neue Lehrwerk für die gymnasiale Oberstufe "Markl Biologie" von Klett wartet mit einem innovativen Konzept auf: Schon die Kapitelüberschriften sind in Form von Merksätzen formuliert. Da heißt es nicht einfach nur "Die Osmose", sondern "Durch Osmose können Zellen Wasser aufnehmen oder abgeben". Die Grafiken mit erklärenden Texten tun ihr übriges, um Schülerinnen und Schüler effektiv zu informieren. Die Texte gehen dann zusätzlich in die Tiefe, erreichen bisweilen ein Niveau, wie es im Studium gefordert wird.
Zum Beispiel Physik: Die neuen Lehrwerke von Cornelsen legen Wert auf aussagekräftige Grafiken und Texte. Zusätzlich finden Schüler an vielen Stellen Zahlencodes, mit Hilfe derer sie im Internet zusätzliches Material finden: Animationen, Videos, Simulationen, interaktive Experimente. Das Schulbuch wird durch weitere Materialien aufgewertet, die ein Buch nicht liefern kann – multimediale Lerninhalte.
Karl Slipek, Geschäftsführer bei Klett, beschreibt den Trend: "Um das Schulbuch herum bildet sich ein Kranz an weiteren Angeboten, digitale Inhalte für Schüler und Lehrer etwa oder Arbeitsmaterialien für Lehrer." Während das Buch die Lehrpläne strikt umsetzt, sind im Internet oder auf digitalem Datenträger Zusatzmaterialien zu finden, etwa um Projekte an Schulen zu stärken. Der Vorteil der Zusatzmaterialien ist auch eine bessere Aktualität, wenn etwa Biographien nicht erst mit der Neuauflage des Schulbuchs auf den neusten Stand gebracht werden.
Irina Pächnatz, Pressesprecherin von Cornelsen, beschreibt einen weiteren Trend, der bei Durchsicht der Schulbücher auf der diesjährigen didacta deutlich wird: "Die Lernmedien tragen immer mehr der Individualisierung des Unterrichts Rechnung." Beispiel: Das neue Mathematikbuch Super M. "Als erster Verlag hat Cornelsen damit einen Titel auf den Markt gebracht, bei dem in einem Buch die Aufgaben für die verschieden leistungsstarken Schüler zusammengefasst sind: Schüler die noch etwas wiederholen müssen oder solche, die weitere Herausforderungen brauchen. Normalerweise macht es Lehrern viel Arbeit, diese unterschiedlichen Zusatzaufgaben herauszusuchen. Hier hat er auf einer Doppelseite das Thema, und dazu Verweise zu Folgeseiten mit Aufgaben für die verschiedenen Schüler."
Für Peter Kniep, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Bildungshaus aus Braunschweig, ist die Ergänzung der Schulbücher durch eine ganze Reihe anderer Medien eng mit dem Anspruch der individuellen Förderung verknüpft. "Das heißt, es darf kein Schüler verlorengehen und dafür entwickeln wir integrierte Lernumgebungen." Dazu kommen spezielle Diagnosetools, um "den Schüler dort abzuholen, wo er steht und entsprechend gefördert oder gefordert werden muss." In Köln präsentiert das Verlagshaus außerdem das neueste Mitglied der Diercke-Familie, den Diercke International Atlas. Er soll neue Maßstäbe für den bilingualen Unterricht setzen.
Uwe Schönefeld, Gruppenleiter Mathematik bei Cornelsen, sieht einen weiteren Trend im Schulbuch: "Die Vorbereitung des Unterrichts wird stückweise vom Verlag übernommen." Waren einst die Arbeitsblätter reine Kopiervorlagen oder pdf-Dateien, so sind sie heute interaktiv, verdeutlichen pädagogische Lernschritte. Möglich wird diese Entwicklung durch die Verbreitung von Whiteboards in den Schulen. Der Lehrer zaubert Lernmodule auf die Tafel, die den Unterrichtsstoff veranschaulichen. Wenn etwa ein Roulette-Spiel dazu dient, Zahlenmengen darzustellen. Oder wenn im Französisch-Unterricht Dialoge vorgesprochen werden, die Schüler den Sprechblasen eines Comics zuordnen .
Natürlich erläutert jedes Schulbuch zunächst einmal die grundsätzlichen Lerninhalte. Aber damit ist es bei Weitem nicht getan. Allein in der grafische Aufbereitung unterscheiden sich die Bücher ganz erheblich von früheren Versionen. Und die Vielzahl der Materialien rund ums Schulbuch garantieren den unterschiedlichen Lerntypen einen Lernerfolg. Heute fördert das Buch auch das selbstständige Entdecken, gibt Raum für zusätzliche Aha-Effekte. Immer effektiver wird das Layout der Schulbücher auch wenn es darum geht, für den Schüler den Überblick zu behalten und um Übungen und Tests zur Vorbereitung von Prüfungen zu finden, die eigene Schwächen gezielt angehen.
Ein Beispiel für individualisiertes Lernen in der Schule ist auch die neue Reihe von Klett: Adelante ist ein Spanisch-Schulbuch, das im Gegensatz zu Erstlernern von einem vorhandenen Grundwissen ausgeht – etwa durch vorherigen Französisch- oder Latein-Unterricht – und die Schülerinnen und Schüler recht flott durch die Lektionen führt.
Der Vds Bildungsmedien e.V. hat ein Portal zum Thema Schulbuch eröffnet. Wer mehr über die Schulbuchmacher wissen möchte und Interesse an aktuellen Meldungen rund ums Schulbuch sucht, findet dies unter www.schulbuchportal.de.
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