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didacta 2010: Modernes Lernen für alle Altersstufen

Mit PC, Whiteboard und Co

20.03.2010

(hf/red) Moderne Medien sind keineswegs nur etwas für Schülerinnen und Schüler der Oberstufe. Auf der didacta 2010 in Köln wird deutlich, wie vielseitig die Einsatzmöglichkeiten sind – und wie alltäglich der Umgang mit modernen Medien an manchen Schulen schon ist.

Pia tippt Buchstabe für Buchstabe auf der Computer-Tastatur. Die Drittklässlerin der Gemeinschaftsgrundschule Gartenstraße (GGS) in Hennef hat sich einige Sätze in der Weiterschreibgeschichte einfallen lassen. Im Laufe der Freiarbeitsstunde werden sich alle Kinder der Klasse schriftstellerisch einbringen. Wer nicht gerade an der Geschichte arbeitet, hat eine andere Aufgabe zu bewältigen. Etwa eine Mathe-Aufgabe aus dem so genannten 1000er Test. Andere Kinder vertonen eine ihrer Geschichten – sie sprechen die Passagen abwechselnd ins Mikrofon und schneiden die Aufnahmen mit dem Audioeditor aneinander.

Nicht nur die GGS Gartenstraße in Hennef verfügt über die nötige Ausstattung, elf Schulen vor Ort nutzen ein Software-Paket von Fronter, einer norwegischen Softwarefirma. Der Einsatz ist vielseitig: Mit kreativen Werkzeugen schaffen Schüler Comics, Filme, Hörspiele oder halten ihre Gedanken in Mindmaps fest, sie schreiben, zeichnen, durchforsten Übungen und Tests. Ulrike Gemein, Lehrerin an der GGS Gartenstraße, beschreibt die Arbeitsweise: "Wir können Laptops in die Klasse holen um dann zum Beispiel in 2 Teilgruppen zu arbeiten. Außerdem haben wir etwa 3 Rechner in jedem Klassenraum. Spontanes Arbeiten mit dem Rechner ist für uns jederzeit möglich."

Herzstück des Computersystems an den Schulen in Hennef ist die Lernplattform NRWir im Internet. Schüler greifen auch von zu Hause auf die Kreativwerkzeuge von Fronter zu und bauen etwa Comic-Geschichten. Die Plattform ist für Schüler, Lehrer und Eltern gleichermaßen nutzbar. Denn in den virtuellen Räumen, die jeder Teilnehmer hat, finden sich auch Elternbriefe oder für Lehrer die Belegungspläne von Schulräumen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Nahe an der Realität

Für die berufliche Ausbildung zeigt der Bildungsverlag EINS interessante Anwendungen. Etwa ein interaktives Lernprogramm für die Kraftfahrzeugtechnik. Damit können die Auszubildenden konsequent einzelne Lernmodule über Funktionsweise einzelner Bauteile im Auto durcharbeiten. In einer kompletten Simulation all dessen, was unter der Motorhaube steckt, schauen sie aber auch ins Innere, nehmen den Zylinderkopfdeckel ab oder schließen die Zündkabel an. Reparaturen werden auf diese Weise quasi auf dem Trockendock geübt.

Zur Prüfungsvorbereitung hält der Verlag außerdem relevante Prüfungsfragen im Internet bereit. Für knapp fünfzehn Euro bekommen Schüler eine Lizenz über sechs Monate, in denen sie die Aufgaben für kaufmännische Berufe durcharbeiten. Im Protokoll können Lehrer den Lernstand verfolgen und auf Schwierigkeiten bei gewissen Themenschwerpunkten gezielt eingehen. Außerdem können sich die Schüler dann in realitätsnahe Prüfungsszenarien testen.

Wissensfilme

Technisch-naturwissenschaftlich interessierte Menschen finden im Technik-Wissenspool der Uni Wuppertal etliche etwa fünfminütige Lehrfilme. Auf www.wissensfloater.de wird man bei 40 Themen fündig, etwa zur Funktionsweise eines Lasers oder die Erzeugung von Eisen und Stah. Der Service ist kostenlos und zeigt, wie stark Video und Animation auch in Zukunft in den Unterricht eingebunden werden. Das Projekt richtet sich an eine breite Zielgruppe, an Schüler ab Sekundarstufe II, Studierende und Lehrer ebenso wie an Professoren und Ausbilder.

Nicht zuletzt mit der Einführung der Whiteboards in Schulen werden die digitalen Lerninhalte immer wichtiger. Denn mit Whiteboards ändert sich auch die Unterrichtsweise, wie im ActivClassroom von Promethean bereits zu sehen ist. Eine siebte Klasse des Gymnasium hat einen kurzen Einblick in den Musikunterricht gegeben: Die Schülerinnen und Schüler analysieren eine Komposition von Mozart anhand der Notation, markieren auf der Tafel entsprechende Passagen, und können damit den Aufbau einer Komposition dokumentieren. Viele Schulbuchverlage bieten unterdessen fachspezifische Materialien für die interaktive Tafel an.

Spielerischer Ernst

Der Trend zu mobilen Endgeräten indes versetzt die Schule nicht so sehr in Bewegung wie das im Geschäftsleben der Fall ist. Zwar wachsen die Jugendlichen mit Handy, SMS, iPhone und iPod auf, aber beim Vokabelpauken nutzen sie die technischen Möglichkeiten kaum. Dabei könnte insbesondere im Bereich der Fremdsprachen ein tragbares Gerät bald zum gefragten Hilfsmittel in der Schule werden: Der Casio EW-G350 ist ein elektronisches Wörterbuch, das jederzeit mit einem Tastendruck auf seine Werkseinstellung zurück gebracht werden kann. Spickzettel stecken dann keine mehr im Gerät. In Niedersachsen und Schleswig-Holstein sind diese Geräte bereits in der Abitursprüfung zugelassen. Günter Riegerl, Produktmanager bei Casio, schätzt: "Von dieser Entwicklung profitiert die ganze Branche." Franklin hat mit dem English Language Trainer bereits einen mobilen Sprachcomputer auf dem Markt, der einen kompletten Sprachkurs bietet.

Allerdings haben Kinder eher eine Affinität zu elektronischen Spielen, etwa mit dem Nintendo DS. Insbesondere für Grundschüler und für die Sekundarstufe von Klasse 5 bis 7 bieten Verlage wie Cornelsen oder Tivola Titel, mit denen Schüler Mathematik übern, in Englisch Grammatik und Vokabeln pauken oder in Deutsch ihre Rechtschreibung verbessern. Gunhild Schulz-Gade von der Ganztagsschule Hegelsberg bei Kassel berichtet von anfänglicher Skepsis, die im Lehrerkollegium gegenüber den Spielgeräten zunächst geherrscht hat. "Heute sehe ich den Einsatz positiv", sagt sie, "einige Schüler haben von den Übungen mit dem Nintendo DS profitiert." Nintendo stellte auf der didacta einen neuen Service vor. Lehrer können den "Nintendo-Koffer" über die Plattform kiknet.org ausleihen können. Bestückt ist der Koffer mit Hardware, mit Lern- und Sportspielen und didaktischen Anleitungen.

Medienkompetenz für die Jüngsten

Und schließlich ging es auch um die medienpädagogische Bildung der Jüngsten. Schließlich wachsen auch kleine Kinder bereits ganz selbstverständlich mit verschiedenen Medien auf und kommen nicht erst als Schulkinder mit Computer Internet und Co. in Berührung. Sie sollten deswegen möglichst frühzeitig den sicheren, kompetenten und sinnvollen Umgang mit den Neuen Medien lernen. Dafür wiederum braucht es entsprechend ausgebildete Erzieherinnen. Das Projekt "Basisqualifizierung Medienkompetenz" vom Verein Schulen ans Netz, das vom Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert wird, hat sich dies zur Aufgabe gemacht. Auf der didacta wurde nun die 10.000ste Absolventin der bundesweiten Medienqualifizierung ausgezeichnet. Während dieser Fortbildung erhalten die Erzieherinnen solide Grundkenntnisse rund um den Computer und das Internet und werden in die Lage versetzt, den Computer in der eigenen Einrichtung für medienpädagogische Projekte einzusetzen. Außerdem lernen sie, das Internet zur eigenen Weiterbildung zu nutzen. Prof. Dr. Wassilios Fthenakis lobte auf der Messe das Engagement der Erzieherinnen, sich trotz ungünstiger beruflicher Rahmenbedingungen zu qualifizieren. Von der frühkindlichen Bildung bis zum lebenslangen Lernen: Gerade beim Lernen mit digitalen Medien wurde das Spektrum der weltgrößten Bildungsmesse deutlich.

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