Schüler von neuer französischer Musik begeistert
Erfolgsgeschichte eines Wettbewerbs
Mehr zu: Auszeichnungen, Bildungsmessen, Fremdsprachen, Künstlerische Fächer, Muttersprache, Perspektive: Bildung, Prävention, Sport, Wettbewerbe, Schule"Wir hatten einfach Lust, ein französisches Lied zu schreiben, aber wir haben nicht damit gerechnet, dass wir einen Preis gewinnen würden." Jennifer Bondarenko, Anita Pfaffenrot und die beiden Schwestern Ingrid und Rita Bergmann sind auch noch vier Wochen nach der Preisverleihung auf der Bildungsmesse in Köln von ihrem großen Erfolg überrascht. Dort waren sie am 18. März als Siegerinnen des Schülerwettbewerbs FrancoMusiques ausgezeichnet worden.
Seit 2007 wird der Wettbewerb vom Cornelsen Verlag, von der Französischen Botschaft und von der Musikagentur bureauexport Berlin veranstaltet. Er ist so erfolgreich, dass er inzwischen auch in anderen europäischen Ländern ausgetragen wird. Die Initiatoren wollen mit dem Projekt das Interesse der Jugendlichen an der französischen Musik und Sprache stärken. Neben Geldpreisen können die Schüler auch eine Aufnahme in einem professionellen Tonstudio gewinnen.
Für die vier Schülerinnen aus der Von-Ravensberg-Schule im niedersächsischen Bersenbrück war es der bereits zweite Anlauf bei FrancoMusiques. Im Jahr 2008 hatten sie sich schon einmal dem Wettbewerb gestellt, waren aber nicht unter den besten Drei gelandet. Dennoch ermunterte sie ihre Französischlehrerin im vergangenen Jahr, erneut am Wettbewerb teilzunehmen. Schließlich haben die Schülerinnen bereits seit vier beziehungsweise fünf Jahren Französischunterricht und mögen die Sprache. "Französisch ist schön und hört sich so fließend an", schwärmt Anita.
"Dann trafen zwei Ereignisse zusammen, die den Stein ins Rollen brachten", erinnert Maik Bienk, Leiter des Jugend- und Bildungshauses Bersenbrück (JUB), das auch für das Nachmittagsangebot der Schulen in der Gemeinde zuständig ist. "Eine Studentin aus dem französischsprachigen Teil der Schweiz begann ihr Praktikum im Jugendhaus und im Rahmen des niedersächsischen Gewaltpräventionsprogramms PaC – Prävention als Chance wurde die Rap-Werkstatt "Musik statt Gewalt" geplant." Für die Mädchen war schnell klar: Wir machen einen französischen Rap.
"Wir haben erst einen deutschen Text geschrieben und dann versucht, ihn ins Französische zu übersetzen. Das Reimen in einer fremden Sprache war allerdings ziemlich kompliziert. Zusammen mit der Praktikantin hat das dann prima geklappt. So haben wir zum Beispiel das Mädchen Eve genannt, denn das reimt sich im Französischen auf Traum: rêve", erzählen sie. In der Rap-Werkstatt entstanden dann an zwei Wochenenden im November vergangenen Jahres Song und Video. Verwandte und Freunde waren von dem Ergebnis begeistert. Und schließlich wurden die Schülerinnen sogar eingeladen, beim landesweiten "Aktionstag für Zivilcourage und gegen Gewalt" in Bersenbrück aufzutreten. Ein Liveauftritt, den sie mit viel Lampenfieber und großem Erfolg meisterten.
Bei ihrem Rap Réalise tes rêves enfin geht es um die Verwirklichung der eigenen Träume. Die Protagonistin Eve wächst in einem Milieu auf, das von Gewalt und Alkohol geprägt ist. Ihre Mutter stirbt bei dem Versuch, ihre Tochter vor den Schlägen des alkoholkranken Vaters zu retten. Trotzdem gibt Eve nicht auf. Sie versucht, ihr Leben in die Hand zu nehmen und ihre Zukunft zu gestalten.
"Wir wollten mit dem Lied zeigen, was Alkohol anrichtet," erzählt Rita. Die Geschichte geht auf eine wahre Begebenheit zurück. Ein Mädchen aus ihrem Bekanntenkreis hatte ähnliche Erfahrungen gemacht. "Aber wir haben sie aus den Augen verloren und wissen nicht, wie ihr Leben weiterging. Wir wollten aber auf jeden Fall, dass unsere Geschichte ein Happy End hat", betont Ingrid.
"Eine große Leistung von Réalise tes rêves enfin besteht darin, eine anspruchsvolle Thematik in der Fremdsprache knapp und doch wirkungsvoll in einer Bilderwelt zu beschreiben, die authentisch wirkt und dadurch den Zuhörer fesselt", heißt es in der Jurybegründung. "Diese eindrucksvoll dargelegte lebensbejahende Grundhaltung und die textliche wie auch musikalische Umsetzung der Grundidee haben der Jury in besonderem Maße imponiert."
Der Wettbewerb FrancoMusiques wird auch im kommenden Jahr fortgesetzt. Teilnehmen können Schülerinnen und Schüler aller allgemeinbildenden Schulen in Deutschland. Das Ziel, die Jugendlichen für die französische Sprache und Musik zu begeistern, scheint aufzugehen. Die vier Bersenbrückerinnen wollen auf jeden Fall noch weitere französische Songs produzieren, vielleicht auch noch Lieder in anderen Sprachen. Russisch etwa, denn das ist ihre Muttersprache. "Sprachen faszinieren uns und ich hätte auch Lust Chinesisch und Spanisch zu lernen", erklärt Jennifer. Die eigens von den Initiatoren für den Wettbewerb produzierte Scheibe FrancoMusiques 2009/10, an der so bekannte Künstlerinnen wie Patricia Kaas mitgewirkt haben, ist bereits vergriffen. Liedtexte und Unterrichtsmaterialien zu den Songs stehen jedoch weiter zur Verfügung. Sie können auf der Homepage des Wettbewerbs heruntergeladen werden. Zum Wettbewerb im kommenden Jahr wird außerdem wieder eine neue CD mit jungen französischen Künstlern produziert.
"Mit Musik und Sport kann man Jugendliche begeistern und motivieren", weiß Maik Bienk aus seinen Praxiserfahrungen. "Sogar Jungs lassen sich damit ködern und sind plötzlich motiviert und ausdauernd bei der Sache." Das französische Rap-Projekt zeigt darüber hinaus, wie Schule, Freizeit und Hobby erfolgreich ineinandergreifen und wie das Fremdsprachenlernen richtig Spaß machen kann.
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