Weg frei für die Mittelschule
Kabinett billigt Gesetzentwurf
Mehr zu: Bayern, Hauptschule, Mittelschule, Spaenle, Schule(red/pm) In Bayern sollen künftig Haupt- in Mittelschulen umgewandelt werden. Das Kabinett hat gestern einem entsprechenden Gesetzentwurf von Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU) zugestimmt. Nun muss der Landtag darüber beraten. Mehr als 40 Verbände hatten zu dem Gesetzentwurf Stellung genommen.
Kernelemente der Änderung sind die rechtliche Verankerung der Mittelschule und der Schulverbünde sowie auch die Neufestsetzung des Stichtags der Einschulung. Künftig werden nur die Kinder schulpflichtig, die bis zum 30. September des jeweiligen Jahrgangs den sechsten Geburtstag hatten.
"Vor dem Hintergrund der demografischen Veränderungen wollen wir die individuelle Förderung stärken und zugleich so viele Hauptschulstandorte wie möglich erhalten. Ein wohnortnahes weiterführendes Schulangebot ist ein Stück Standortqualität gerade im ländlichen Raum. Das ist ein wichtiger Beitrag für gleichwertige Lebensbedingungen im Freistaat auch in Zukunft", erklärte Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle.
Die demografische Entwicklung lässt in weiten Teilen Bayerns einen deutlichen Rückgang an Schülern von landesweit knapp 15 Prozent bis 2020 erwarten. Lediglich in Ballungsräumen soll die Anzahl der Schüler weithin stabil bleiben. Hinzukommt, dass die Quote der Schüler, die nach der Grundschule auf ein Gymnasium wechselt, bayernweit auf etwa 40 Prozent gestiegen ist. Die Hauptschule wird gegenwärtig von rund 30 Prozent der Schüler eines Jahrgangs besucht. "Die Mittelschule soll in der Region ein qualitätsvolles Bildungsangebot zur Verfügung stellen, das den veränderten gesamtgesellschaftlichen Anforderungen gerecht wird", erklärte Spaenle. Die Mittelschule stellt nach den Worten des Kultusministers eine qualitative Weiterentwicklung der Hauptschule dar, die den Schülerinnen und Schülern ein attraktives Bildungsangebot mache und die Hauptschule als stark berufsorientierende Schule stärke. Schwerpunkte der Mittelschule sind:
- Das Kernprofil der Berufsorientierung wird gestärkt.
- Es werden mehrere Bildungsabschlüsse einschließlich eines mittleren Bildungsabschlusses angeboten.
- An jedem Mittelschulverbund wird es ein Ganztagsangebot geben.
- Die Mittelschule kooperiert institutionell mit einer beruflichen Schule, der Arbeitsverwaltung und der regionalen Wirtschaft.
Mit den Schulverbünden soll der Bestand möglichst vieler Hauptschulen möglichst lange gesichert werden. Schulen in einem Verbund können künftig so lange bestehen wie noch eine einzige Klasse besteht. Dies war schulrechtlich bisher nicht möglich. "Wir können so für die Schüler die kurzen Schulwege in vielen Fällen erhalten und dabei die Qualität der Bildungsangebote erhöhen", so Spaenle. Im Schulverbund können sich kleinere Hauptschulen zusammenschließen, um so die Kriterien für eine Mittelschule zu erfüllen. Dabei bleiben die einzelnen Schulen rechtlich selbstständig. Bei der Entscheidung werden die Schulaufwandsträger, die Schulen und die betroffenen Gemeinden beteiligt. Jeder Schulverbund erhält einen eigenen Schulsprengel. Der Schulverbund erhält ein Budget an Lehrerwochenstunden, das sich nach der Zahl der Schüler bemisst. Auf dieser Basis können in dem Schulverbund flexibel Klassen gebildet werden. Die bisherige Mindestgröße von 15 Schülern pro Klasse an Hauptschulen wird damit aufgehoben.
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