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Durchlässigkeit

So klappt der Weg vom Lehrling zum Master

Uni Bremen legt Konzept Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung vor

Mehr zu: Durchlässigkeit, Hochschulzugang, Studienwahl, Sonderthemen
11.06.2010 -

(red/pm) - Die Forschungsgruppe I:BB der Universität Bremen hat jetzt ein Konzept zur Durchlässigkeit zwischen beruflicher und hochschulischer Bildung vorgelegt, das sich deutlich von bisherigen Regelungen unterscheidet. In einer kritischen Analyse der kaum überschaubaren Vielfalt länderspezifischer Regelungen zum Übergang von der beruflichen zur hochschulischen Bildung werden zunächst die Schwachstellen der Übergangspraxis offengelegt.

Bild: bikl.de

"Die grundlegende Schwäche dieser Regelungen", so Bildungsexperte Professor Felix Rauner, Leiter der Forschungsgruppe I:BB, "liegt vor allem in der Gleichsetzung von höherer Bildung mit akademischen Abschlüssen begründet. Daraus entspringt beispielsweise die problematische Regelung, Meister zum Bachelorstudium zuzulassen". Meister, so die I:BB-Analyse, verfügen über mehrjährige Berufserfahrung und eine berufliche Kompetenz, die sie zum Unternehmer oder zu einer Funktion im mittleren Management qualifiziert. Ein vergleichbares Qualifikationsniveau erreichen Absolventen von Bachelor-Studiengänge erst nach einer Einarbeitung in eine entsprechende Position. Für Meister wird daher ein berufsbegleitendes Masterstudium vorgeschlagen, das auf den Kompetenzen und Erfahrungen von Meistern aufbaut.

Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt die Studie bei Fachschulstudierenden: Ein staatlich geprüfter Techniker verfüge nach seiner sechs- bis siebenjährigen beruflichen Qualifizierung, die eine duale Berufsausbildung und wenigstens eine einjährige Praxisphase im erlernten Beruf sowie ein daran anschließendes zweijähriges Fachschulstudium umfasst, wenigstens über eine dem Bachelorabschluss äquivalente Qualifikation. Fachschulabsolventen sollten daher ebenso wie Meister zu einschlägigen dualen Masterstudiengängen zugelassen werden.

Die Studie der Forschungsgruppe I:BB orientiert sich an vier Leitideen.

  1. Keine universelle, berufsübergreifende Übergangsregelung: Man könne einen Steinmetz nicht mit einem Industriekaufmann oder Goldschmied in einen (Übergangs)topf werfen. Für Ausbildungsberufe, für die sich bevorzugt Abiturienten entscheiden, müssen andere Übergangsregelungen entwickelt werden als für traditionelle Handwerksberufe, deren Stärke z. B. auf gestalterisch-handwerklichen Fähigkeiten basiert.

  2. Zahlreiche Berufe haben eine inhaltliche Entsprechung im Bereich der hochschulischen Bildung. So wird etwa das Fachschulstudium einer Erzieherin auf ein entsprechendes Fachhochschulstudium der Sozialpädagogik angerechnet. Dagegen gibt es sehr viele Berufe, für die es keine verwandten akademischen Berufe gibt. Für diese müssen andere Übergangsregelungen zum Hochschulstudium gelten.

  3. Für die sogenannten halb-akademischen Berufe bieten sich flexible Anerkennungs­regelungen an, nach denen Teile der Berufsausbildung auf das Hochschulstudium angerechnet werden bis hin zur Zulassung zum Bachelor. So verfügen etwa Mediengestalter nicht selten über eine ähnliche hohe Qualifikation wie Studierende in einem vergleichbaren Bachelorstudiengang.

  4. Für Berufe ohne Anschlussmöglichkeit an ein verwandtes Hochschulstudium ist oftmals der einzige Weg zur Höherqualifizierung der Weg über den Meister oder ein Fachschulstudium. Das I:BB-Konzept schlägt vor, im Sinne eines durchgängigen dualen Berufsbildungsweges für Meister und Techniker, berufsbegleitende duale Masterstudiengänge einzurichten.

"Das Neue an diesem Übergangsmodell ist, dass ein durchgängiger beruflicher Bildungsweg bis auf das Niveau höchster hochschulischer Abschlüsse nicht mehr an die traditionellen Kriterien akademischer Bildung gebunden wäre", so Rauner. "Dieses Konzept stellt daher auch eine Absage an die verbreiteten internationalen, eindimensionalen Klassifizierungsskalen für berufliches Qualifikationsniveau und berufliche Abschlüsse dar."

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