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Medizinstudium Lübeck

Hochschulmediziner gegen Schließung der Fakultät

"Schließungspläne wissenschaftlich, ökonomisch und strukturpolitisch verfehlt"

Mehr zu: Hochschulpakt, Schleswig-Holstein, Studienwahl, Hochschule
15.06.2010 -

(red/pm) Die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin hat jetzt die Pläne der Landesregierung Schleswig-Holsteins zur Schließung der Medizinischen Fakultät in Lübeck kategorisch abgelehnt. Sie seien "wissenschaftlich, ökonomisch und strukturpolitisch verfehlt", heißt es in einer Stellungnahme der wichtigsten Institution der Hochschulmedizin. Die Landesregierung beabsichtigt, das Medizinstudium in Lübeck im Rahmen eines umfangreichen Sparpaketes zur Sanierung des Landeshaushalts auslaufen zu lassen. Ab dem Wintersemester 2011/12 sollen keine neuen Studierenden an der Medizinischen Fakultät in Lübeck immatrikuliert werden.

Der Beschluss der Landesregierung ist nach Auffassung der Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin aus mehreren Gründen falsch: Gerade im Hinblick auf den bereits jetzt in vorrangig ländlichen Gebieten anzutreffenden Ärztemangel sei die Schließung der Medizinischen Fakultät Lübeck der falsche Weg, um dem sich in der Zukunft aufgrund der demografischen Entwicklung noch weiter verstärkenden Ärztemangel, insbesondere in Schleswig-Holstein, zu begegnen. Zu Recht habe die Bundesregierung die Schaffung neuer Medizin-Studienplätze gefordert.

Auch in ökonomischer Hinsicht sei der Schließungsbeschluss kontraproduktiv, heißt es. Denn die Universität zu Lübeck stelle mit dem Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein mit rund 5.000 Beschäftigten den größten Arbeitgeber in der Region dar. Als forschungs- und ausgründungsstarke Hochschule schaffe sie weitere Arbeitsplätze und sichere damit zusätzliche Steuereinnahmen. Ohne die Hochschulmedizin habe die Medizintechnik keinen wissenschaftlichen Gegenpart mehr. "Die Landesregierung verkennt offensichtlich, dass alleine der Bereich Medizintechnik rund ein Drittel des schleswig-holsteinischen Gewerbesteueraufkommens generiert. Eine um die Medizinische Fakultät entkernte Universität zu Lübeck hat keine eigene Überlebensperspektive", heißt es in der Stellungnahme.

Es sei nicht nachvollziehbar, warum die Landesregierung ausgerechnet den Studiengang schließen wolle, der vom Zentrum für Hochschulentwicklung (CHE) vielfach an Platz eins der Medizinischen Fakultäten in Deutschland "gerankt" wurde. Die sehr gute Qualität der medizinischen Lehre in Lübeck sei auch vom Wissenschaftsrat mehrfach positiv hervorgehoben worden. Durch die Einstellung der Medizinerausbildung in Lübeck würden zudem viele Kooperationen mit außeruniversitären Forschungseinrichtungen und medizintechnischen Unternehmen, wie etwa dem Forschungszentrum Borstel und verschiedenen Fraunhofer-Arbeitsgruppen, vernichtet. Auch hierdurch würden Arbeitsplätze in der strukturschwachen Region Ostholstein verloren gehen.

Die Arbeitsgemeinschaft Hochschulmedizin wird von folgenden Institutionen getragen: Deutscher Hochschulverband, Bundesärztekammer, Marburger Bund, Medizinischer Fakultätentag, Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften, Bundesvereinigung der Landeskonferenzen ärztlicher und zahnärztlicher Leiter von Kliniken, Instituten und Abteilungen der Universitäten und Hochschulen Deutschlands, Deutsche Gesellschaft für Medizinrecht.

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