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Schulstruktur

Sechs Grundschuljahre weltweit Mindeststandard

Mehr zu: Bildungschancen, Föderalismus, Grundschule, Schulstruktur, Volksentscheid, Schule
04.08.2010 -

(dpa) – Außer in Deutschland und Österreich werden in keiner Industrienation der Welt Kinder bereits nach vier Grundschuljahren auf die weiterführende Schulformen aufgeteilt. Sechs gemeinsame Schuljahre gelten international als Mindeststandard. Häufig sind es sogar acht bis neun gemeinsame Schuljahre. Bisweilen sind die Kinder auch schon zwei Jahre gemeinsam in einer Vorschule.

Bild: bikl.de

In Deutschland gibt es sechsjährige Grundschulen nur in Berlin und Brandenburg. Ein Sonderfall bildet Mecklenburg-Vorpommern, wo 2006 ohne großes Aufsehen für die Klassen fünf und sechs landesweit eine verbindliche schulartenunabhängige Orientierungsstufe eingeführt wurde. Auch in Hessen gibt es seit langem Orientierungsstufen – allerdings nicht flächendeckend und in vielfältigen Formen.

In Berlin wurde die sechsjährige Grundschule im Westteil bereits unmittelbar nach dem Krieg eingeführt und nach der Einheit dann für das gesamte Stadtgebiet übernommen. Das Gymnasium beginnt in Berlin in der Regel mit Klasse sieben. Ausnahmen gibt es für Privatgymnasien und einige Gymnasien, die mit Latein beginnen. Mehrfach gab es Bestrebungen, die Zahl der Gymnasien, die mit Klasse fünf beginnen, auszuweiten. In Brandenburg stand das Berliner Schulsystem nach der Wende Pate. Ausnahmen von der Sechs-Jahre-Regelung sind dort allerdings seltener. Auch in Mecklenburg-Vorpommern beginnen die Gymnasien in der Regel mit Klasse sieben. Nur spezielle Sport- und Musikgymnasien wie auch einige Gymnasien für Höchstbegabte können auf Antrag eigene Orientierungsklassen (fünf und sechs) direkt an ihrer Schule bilden.

Über ein längeres gemeinsamen Lernen aller Kinder wird in Deutschland seit langem immer wieder erbittert gestritten. Die zusammen mit der Weimarer Reichsverfassung auf den Weg gebrachte Reichsschulkonferenz konnte sich 1920 nach heftigen Auseinandersetzungen nur auf eine vierjährige gemeinsame Schulzeit für die Kinder aller Schichten des Volkes verständigen.

(dpa-Dossier Bildung Forschung 30/10-26.07.2010)


© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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7 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Wolf Achim Wiegand, am 04.08.2010, 17:24

Dieser Artikel tut so, als seien sechs Jahre Grundschule etwas grundsätzlich qualitativ Besseres und das deutsche Vier-Jahre-Modell exotisch. Dem ist nicht so. Immerhin sind wir Deutschen z. B. seit Jahrzehnten der Exportweltmeister - also offensichtlich nicht sehr erfolglos, was die Leistungen angeht. Weiterhin sind wir eine führende Kultur- und Wissenschaftsnation. Insofern kann das Schulsystem nicht so arg schlecht sein. "Längeres geeinsames Lernen" gibt es übrigens auch in Japan oder Südkorea, die bei PISA gut abschneiden. Aber wollen wir deren militärisches Lerndrillen wirklich? Nein, auf die Inhalte des Unterrichts und deren Qualität kommt es an, nicht auf die Struktur. Abgesehen davon, dass andere Länder andere Verhältnisse haben - PISA-Sieger Finnland etwa besonders kleine Klassen, enorm viel Lernpersonal und kaum Migranten. Das alles spiegelt dieser Artikel nicht wieder und hilft insofern in der Bildungsdebatte nicht weiter.

von Hubertus Leo, am 04.08.2010, 18:54

Der Leser fragt sich, was diese anonyme Meldung ihm sagen will. Ist es ein Aufruf, trotz des eindeutigen Volksentscheids in Hamburg wieder an den Schulstrukturen zu rütteln? Ein solcher Aufruf wäre fehl am Platz. Gerade die Beispiele Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern (sowie früher Niedersachsen und Bremen) zeigen, dass eine sechsjährige Grundschulzeit eher Nachteile bringt.

von H. Schiller, am 04.08.2010, 22:16

Ein "Mindeststandard" ist die mit Mehrheit festgelegte Norm. Mehrheiten haben u.a. qualitative und/oder quantitaive Eigenschaften.

Ein gebetsmühlenartiges Wiederholen von 1+1=3 kann allerdings nur zu quantitativen Mehrheiten führen...

Wir aus der Qualitätsgruppe wollen den Beratungsresistenten aber nicht folgen, oder ;-)

von Ulrike Köllner, am 05.08.2010, 09:26

Ich frage mich, woher diese deutsche Arroganz, alles besser zu wissen, kommt. Die Hamburger Entscheidung ist ja keine Mehrheitsentscheidung, denn seit wann sind Ärzte, Juristen und Gymnasiallehrer in der Mehrheit. Mit Demokratie hat das nichts zu tun, wenn eine sich selbst beweihräuchernde gesellschaftliche Gruppe eine demokratische Entscheidung aller Parteien aus den Angeln hebt.

von Walter Thomann, am 05.08.2010, 17:56

Das heißt doch, dass wir noch nicht viel weiter als in der Diskussion auf der Reichsschulkonferenz gekommen sind. Auch damals war schon mit Sachverstand diskutiert worden. Es half nichts: Hamburg und Bremen(?) auch Berlin(?) übernahmen damals die 6-jährige Grundschule. ...

von H. Schiller, am 07.08.2010, 01:50

Arroganz?? ...und wieso deutsch? Wer einen IQ >140 hat, fühlt sich eben einfach nur genervt, wenn Bremser an Bord sind.

Das ist so, als ob der eine ein Fahrrad fährt und der andere einen Sportwagen. Logischerweise fährt der eine auf dem Fahrradweg und der andere auf der Autobahn - was ist daran arrogant oder deutsch?

Das Hauptproblem an diesem Beispiel ist, dass der Autobahnfahrer auch den Fahrradweg kennt, der Fahrradfahrer aber nicht die Autobahn.

Das ist der Grund dafür, dass Fahhradfahrer-Meinungen zu Autobahnthemen eben nunmal irrelevant sind.

von MRejmanowski, am 12.08.2010, 10:34

Welch schlechte Demokraten die Verlierer des Volksentscheids doch sein muessen, wenn sie das Ergebnis nicht nur akzeptieren koennen, sondern ihre Position und Moeglichkeiten ausnutzen, um solchen Artikel auf bildungsklick.de unterzubringen - und den ideologischen Kampf so fortzutragen.

Der Drops ist gelutscht - und alle sollten sich nun auf sinnvolle Verbesserungen der Inhalte konzentrieren.

Abgesehen davon: inhaltlich ist der Titel schlicht Unfug. Die Schulstrukturen der europaeischen Laender sind miteinander nicht vergleichbar. Die meisten Laender haben modulare Strukturen: Grundschule, Mittelschule und hoehere Schule, welche auf die Hochschulreife vorbereitet. Auch wenn in der Regel die meisten die ersten beiden besuchen (muessen), so heisst das nicht, dass hier die Ideologie des "laengeren gemeinsamen Lernens" umgesetzt wird. Tatsaechlich wird die Zusammensetzung der Schueler zur Mittelschule und zur hoeheren Schule in allen Laendern jedes Mal neu gestaltet. Dabei kommen in den meisten Laendern Selektionseffekte zum Tragen - weil oft zwischen "guten" und "weniger guten" Schulen unterschieden wird.


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