Lehramt Physik: Riesiger Zulauf
Titel "Diplom-Physiker" soll erhalten bleiben
Mehr zu: Bologna-Prozess, Lehrerbildung, MINT-Fächer, Statistik, Studienberatung, Studienwahl, Hochschule(red/pm) Das Physik-Studium findet wachsenden Zuspruch. Im aktuellen Studienjahr 2010 gab es 8.557 Anfänger und damit fast 13 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Während die Zahl der Erstsemester im Fachstudium um moderate vier Prozent zunahm, verzeichnet das Lehramtsstudium ein Rekordergebnis: Hier lag die Zuwachsrate bei 47 Prozent, die Anzahl der Studienanfänger ist mit 2.242 die höchste der vergangenen 15 Jahre.
Gleichzeitig stieg die Zahl der Absolventen mit Diplom- oder Master-Abschluss um nahezu neun Prozent auf 3.030. Diese und weitere Daten über das Physik-Studium finden sich in der jüngsten Ausgabe des "Physik Journal" der Deutschen Physikalischen Gesellschaft (DPG).
Die von der Konferenz der Fachbereiche Physik (KFP) erhobene Statistik umfasst das Wintersemester 2009/2010 sowie das Sommersemester 2010. Die zugrunde liegende Umfrage unter den 59 deutschen Universitäten, die ein Physik-Studium anbieten, zeichnet ein detailliertes Bild der Neuzugänge, Zwischenprüfungen und Abschlüsse. Demnach gab es in den diversen grundständigen Studiengängen insgesamt 8.557 Erstsemester und damit fast 13 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Berücksichtigt man auch die weiterführenden Master-Studiengänge, dann summieren sich die Neueinschreibungen auf fast 10.000. Gestiegen ist auch die Gesamtzahl der Physik-Studierenden auf nunmehr 33.413. "Dass das Physik-Studium Zuspruch findet, können wir nur begrüßen", sagt Gerd Ulrich Nienhaus, KFP-Sprecher und im Vorstand der DPG für Nachwuchsfragen verantwortlich. "Denn der Arbeitsmarkt hat nach wie vor großen Bedarf an Fachkräften mit physikalischer Expertise. Wir gehen von rund 5.000 offenen Stellen aus. Diesem Angebot stehen zurzeit etwa 3.000 Absolventen gegenüber."
Rekordwert
Gemäß der jüngsten Erhebung gab es in den Fachstudiengängen – dem Diplom, das infolge der Bologna-Reform nur noch vereinzelt angeboten wird, und dem Physik-Bachelor – insgesamt 6.315 Neueinschreibungen und damit 252 Studienanfänger mehr als im Vorjahr. Dies ist ein Zuwachs von vier Prozent. Deutlicher war der Anstieg beim Lehramt. In den Studiengängen klassisches Lehramt (mit dem Abschluss Staatsexamen) und Lehramt-Bachelor wurden 722 mehr Anfänger gezählt als im Vorjahr. Damit wuchs die Zahl der Erstsemester um 47 Prozent auf nunmehr 2.242: Das ist der höchste Wert der vergangenen 15 Jahre. "Es ist sehr erfreulich, dass sich wieder mehr Studierende für den Beruf des Physik-Lehrers interessieren", kommentiert Gerd Ulrich Nienhaus diese Entwicklung, "denn qualifizierte Lehrkräfte sind die Voraussetzung dafür, Schülerinnen und Schüler für die Physik zu begeistern."
Nicht unter Bologna-Reform gelitten
Die steigende Zahl der Studienanfänger belegt nach Nienhaus´ Einschätzung, dass die Attraktivität des Physik-Studiums unter der Bologna-Reform nicht gelitten hat. "Dies ist aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen", sagt er. "So gibt es in den derzeitigen Studiengängen insgesamt zu viele Prüfungen. Daran müssen wir arbeiten. Außerdem setzten wir uns dafür ein, dass der akademische Grad "Diplom-Physiker" beziehungsweise "Diplom-Physikerin" erhalten bleibt." Am zweistufigen Studiensystem mit Bachelor und Master würden die KFP und die DPG aber ausdrücklich festhalten, betont Nienhaus. "Uns geht es lediglich um die Berufsbezeichnung. Dass Physiker gerne "Physiker" genannt werden möchten und nicht "Master of Science", liegt nahe. Daher sind wir der Ansicht, dass die Universitäten die Freiheit haben sollten, den Absolventen eines Master-Studiums den Grad "Diplom-Physiker" zu verleihen. Schließlich ist ein Master-Studium eine Qualifizierung auf demselben hohen Niveau des klassischen Diplom-Studiums. Außerdem ist der "Diplom-Physiker" ein deutsches Markenprodukt mit internationalem Renommee. Das sollten wir pflegen und bewahren."
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