Zwei Ministerinnen streiten über Bildungs-Chip
Mehr zu: Bildungsausgaben, Bildungschancen, Bildungsgerechtigkeit, Bildungspaket, Statistik, Sonderthemen(dpa) – Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die geplante Bildungs-Chipkarte für Kinder aus Hartz-IV-Familien gegen Skepsis in der eigenen Regierung verteidigt. Familienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte unter anderem Probleme beim Datenschutz geltend gemacht. Schröders Äußerungen zeigten, dass es in der Diskussion über die Chipkarte noch viele Missverständnisse gebe, sagte von der Leyen nach Angaben ihres Sprechers vom 21. August. Die Arbeitsministerin habe inzwischen mit Schröder gesprochen.
Schröder hatte der "Bild am Sonntag" gesagt: "Die Chipkarte darf nicht dazu führen, dass wir künftig Bewegungsprofile von Kindern und Jugendlichen erstellen können oder staatliche Stellen präzise Informationen über deren Freizeitverhalten sammeln." Von der Leyen entgegnete, es gebe heute schon von der Bibliothekskarte bis zum Städtepass unzählige Chipkarten, mit denen Kinder Zugang zu fördernden Angeboten hätten. "Es würde doch niemand auf die abwegige Idee kommen, diese Karten zu verteufeln mit dem Argument, man könne damit herausfinden, in welchem Verein ein Kind Fußball spielt oder welches seine Lieblingsbibliothek ist."
Schröder hatte zudem gewarnt, die Chipkarte könne den Erfolg kommunaler Modelle zerstören. In Ländern und Kommunen seien "auf die Bedürfnisse der Menschen vor Ort zugeschnittene Angebote" entstanden. "Häufig handelt es sich um Angebote für alle Kinder und Jugendlichen und nicht nur für solche aus Hartz-IV-Familien." Sie fügte hinzu: "Wir müssen aufpassen, dass es nicht für viele Familien dann heißt: Zu reich für Hartz IV, aber zu arm für zusätzliche Bildung."
Von der Leyen hielt dem entgegen, die Bildungskarte werde auf jede Region zugeschnitten. "Sie ist nicht mehr und nicht weniger als ein Zahlungsmittel. Ob diese Karte nun vom Spielmannszug in der Region Hannover oder aber im Turnverein bei Wiesbaden akzeptiert wird, das entscheiden die Bildungsbündnisse vor Ort." Die Karte verdränge auch keine existierenden Angebote. "Im Gegenteil: Bestehende Angebote sind eine große Hilfe dabei, dass bedürftige Kinder mit dem Zahlungsmittel Bildungskarte dann dort auch wirklich mitmachen können."
Im "Tagesspiegel am Sonntag" rief von der Leyen zu einer nationalen Kraftanstrengung für die bessere Bildung bedürftiger Kinder auf. "Ich lade Stiftungen, die private Wirtschaft, aber auch vermögende Menschen in diesem Land ein, sich gemeinsam dieser Aufgabe zu stellen", sagte die CDU-Politikerin. Beim Bemühen um die Zukunft benachteiligter Kinder könne der Staat nicht alles allein schultern. "Die Gesellschaft muss sich beteiligen. Sonst kriegen wir die Probleme nicht in den Griff."
Dies kritisierte die Linke-Politikerin Katja Kipping. "Die Garantie des Existenzminimums darf nicht vom Gutdünken der Wirtschaft abhängen", sagte die Vorsitzende des Bundestags-Sozialausschusses. der "Sächsischen Zeitung".
(dpa-Dossier Bildung Forschung 35/30.08.2010)
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