Eltern verlangen Einstellung der Schülerbefragung zur Gewalt
Vorwurf der "fahrlässigen und unprofessionellen Verfahrensweise" bei der Erhebung des Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen - "Fehlende Einverständniseinholung bei Eltern, mangelnder Datenschutz und psychische Gefährdung der Schüler"
Mehr zu: Berlin, Datenschutz, Elternrecht, Elternwille, Gewalt in der Schule, Jugendhilfe und Sozialarbeit, Prävention, Statistik, Schule(red) Der Landeselternausschuss Berlin hat in einem Offenen Brief an die Landeskommission Berlin gegen Gewalt den sofortigen Stopp der Dunkelfeldbefragung zum Gewaltpotenzial unter Jugendlichen an Berliner Schulen gefordert. Darüber hinaus verlangen die Eltern die verlässliche Vernichtung der bereits erhobenen Fragebögen durch eine Landestelle.
Die Schulleiter der Hauptstadt werden in dem Schreiben aufgefordert, der Durchführung einer solchen Befragung an ihren Schulen nicht mehr zuzustimmen. Die Senatsstellen für Stadtentwicklung sowie für Bildung, Wissenschaft und Forschung als Mitglieder der Landeskommission Berlin gegen Gewalt ruft der Landeselternausschuss dazu auf, seine Forderungen zu unterstützen und durchzusetzen.
Der Landeselternausschuss begründet seine Forderungen damit, dass die Befragungen bei Schülern ohne die obligatorische Einverständniserklärung der Eltern durchgeführt worden seien. Zudem seien persönliche Daten (Name, Adresse, Telefonnummern) von Dritten, die bereits die Schule verlassen haben, ohne deren Einverständnis an das Kriminologischen Forschungsinstitutes Niedersachsen (KFN) weitergegeben und Einzelbefragungen außerhalb der Schule durchgeführt worden. Über Eltern und sonstige Dritte würden systematisch und in großem Stile Auskünfte eingeholt - teilweise auch ohne deren Einwilligung oder Kenntnis hierüber. Eine weitere Verletzung des Datenschutzes sehen die Elternvertreter in der Erfassung persönlicher Identifikationsmerkmale (persönliche Klassenbuchnummer) und deren Weitergabe an das KFN. Somit würden weiterer Prüfungsbedarf und Bedenken des Datenschutzbeauftragten bestehen.
Zu den in der Erhebung gestellten Fragen hätten externe Psychologen und Sachverständigen größte Bedenken geäußert und eine psychische Gefährdung der Schüler durch die Befragung nicht ausgeschlossen sowie eine fahrlässige und unprofessionelle Verfahrensweise in der Durchführung der Erhebung analysiert. So würden zum Teil Gewaltdelikte als allgemein üblich in der Jugendzeit der heute Erwachsenen dargestellt, um letztlich die Hemmschwellen für Auskünfte herabzusetzen. Die Frage nach dem Zustand des Klassenverbundes nach einer solchen Befragung habe man sich offenbar nicht gestellt. Eine Nachbereitung sei nicht angeboten worden.
Grundsätzlich sei der Berliner Landeselternausschuss aber "in gesellschaftsrelevanten Zusammenhängen und im Sinne einer Präventionsbemühung gegen Gewalt nicht gegen eine solide Erhebung der Lebenswelt von Jugendlichen." Und weiter: "Aber die notwendige Sorgfalt in der Berücksichtigung der Umstände und Gestaltung der Rahmenbedingungen, beispielsweise durch eine professionelle Begleitung der Befragung, der Einhaltung aller datenschutzrechtlichen Gebote und eines gegebenen Anonymitätsversprechens, einer inhaltlichen Standfestigkeit im Sinne der geäußerten Kritik, sowie einer entsprechenden Vor- und Nachbereitung, ist einem solchen Vorhaben allemal abzuverlangen."
Die vollständige Erklärung sowie weitere Erläuterungen des Landeselternausschusses unter www.berliner-landeselternausschuss.de
Als Mitglied des LEA und langjähriges Vorstandsmitglied kann ich mich nur deutlich von diesen Äußerungen distanzieren, sie entsprechen auch nicht dem Willen der Mehrheit der Mitglieder.
Woher wissen Sie das, Herr Faccin?
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