Thüringen führt Gemeinschaftsschule ein
Mehr zu: Ganztagsschule, Gemeinschaftsschule, Hauptschule, Oberschule, Schulgesetz, Schulstruktur, Thüringen, Schule(dpa) – Thüringen will sein Schulsystem verbessern. Auf Initiative der SPD wird die Gemeinschaftsschule mit längerem gemeinsamen Lernen eingeführt. Außerdem soll jeder Schüler einen Abschluss bekommen und muss dafür notfalls auch zehn statt neun Jahre zur Schule gehen.
In Thüringen ist die Grundlage für die Gemeinschaftsschule als neue Schulform geschaffen. Die schwarz-rote Koalition in Erfurt verabschiedete am 28. September das neue Schulgesetz, das die Gründung von Gemeinschaftsschulen vorsieht. Dort sollen Schüler bis zur achten Klasse gemeinsam unterrichtet werden. Das Kabinett verlängerte zudem die Pflicht zum Schulbesuch auf zehn Jahre. "Ziel ist, dass kein Schüler mehr ohne Abschluss die Schule verlässt", sagte Kultusminister Christoph Matschie (SPD).
Wer nach der neunten Klasse keinen Hauptschulabschluss erreicht hat, muss künftig ein Jahr länger die Schulbank drücken. "In dieser Zeit wird er besonders gefördert", sagte Matschie. Reiche diese Zeit immer noch nicht aus, sei auch ein elftes Jahr möglich. Schüler, die nach neun Klassen den Abschluss schaffen und eine Lehrstelle nachweisen, können sich die Berufsschule als zehntes Pflichtjahr anrechnen lassen.
Mit dieser Reform wird ein erfolgreiches Modellprojekt zur Regel erhoben. Die Thüringer CDU hat es mit dem Titel "Oberschule" versehen. Dieses Qualitätssiegel können Regelschulen künftig erhalten, wenn sie sich nicht nur um Lernschwache bemühen, sondern auch leistungsstarke Schüler fördern und sie auf einen Wechsel ins Gymnasium nach der zehnten Klasse vorbereiten. "Wir erhöhen damit die Durchlässigkeit zwischen den Schulformen", erläuterte Fraktionsvorsitzender Mike Mohring.
Mit dem Gesetz wird auch die Gemeinschaftsschule offiziell eingeführt, die von der CDU lange bekämpft wurde. Sechs solcher Einrichtungen sind bereits in diesem Schuljahr an den Start gegangen. Die Gründungen sollen freiwillig erfolgen und müssen von Eltern, Lehrern und Schülern initiiert werden. "Nach meiner Einschätzung unterstützen Eltern überall im Land diese Entwicklung", sagte Matschie. Er sei zuversichtlich, dass bald jeder Schüler im Land eine solche Schule in seiner Nähe habe.
Wandlungswillige Schulen müssen dem Ministerium ein Konzept vorlegen. "Die Gemeinschaftsschule erfordert auch ein neues pädagogisches Modell, das stark auf individuelle Förderung setzt. Deshalb werden wir das sehr genau prüfen." Für die Neufassung der Stundenpläne und Anschaffung neuer Materialien könnten die Schulen mit einer Anschubfinanzierung rechnen. Das Ministerium sprach von 20 000 Euro pro Schule jeweils in den ersten drei Jahren.
Das Kabinett einigte sich außerdem darauf, die Ganztagsbetreuung auf die fünften und sechsten Klassen auszuweiten. "Damit wollen wir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf verbessern", sagte Matschie. Die Umsetzung hänge jedoch von den finanziellen Mitteln ab. Außerdem will das Ministerium stärker Einfluss auf die Planung von Berufsschulen nehmen. Hintergrund ist die sinkende Schülerzahl, die mehrere Berufsschulstandorte in Bedrängnis bringt.
(dpa-Dossier Bildung Forschung 40/04.10.2010)
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