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Deutschland

Wenig Chancen für Kinder ungelernter Eltern

Aktuelle Studie der Heinrich-Böll-Stiftung

Mehr zu: Bildungschancen, Bildungsgerechtigkeit, Fachkräftebedarf, Forschung, Mobilität, Statistik, Sonderthemen
26.10.2010 -

(red/pm) - In kaum einem anderen Industrieland ist die Durchlässigkeit der Gesellschaft so gering ausgeprägt wie in Deutschland. Weniger als ein Prozent der Bevölkerung schafft es, aus einem Elternhaus, in dem der Vater ungelernter Arbeiter ist, selbst in eine leitende Angestelltenposition zu gelangen. Dagegen werden ca. zwei Drittel der Kinder aus einer leitenden Angestelltenfamilie selbst leitende oder hoch qualifizierte Angestellte, das belegt eine aktuelle Studie.

Die im Auftrag der Heinrich-Böll-Stiftung entstandene Studie "Kaum Bewegung, viel Ungleichheit" des Soziologen Reinhard Pollak vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) zeigt erstmals auf, wie wenig durchlässig die deutsche Gesellschaft ist. Die Studie erscheint am 25. Oktober und wird am 27. Oktober im Rahmen einer internationalen Konferenz in Berlin vorgestellt.

"Wir sind auf dem Weg zu einer geschlossenen Gesellschaft, in der die soziale Herkunft über beruflichen Erfolg und sozialen Status entscheidet", so Ralf Fücks, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung. "Deutschland bietet Jugendlichen aus dem unteren Drittel der Gesellschaft nicht genügend Aufstiegschancen. Damit verplempern wir zugleich ungezählte Talente, die das Land angesichts des wachsenden Fachkräftemangels dringend braucht." Insbesondere das Bildungssystem müsse nach oben durchlässiger werden, Universitäten und Betriebe verstärkt Nachwuchskräfte aus bildungsfernen Schichten fördern. "Eine Einwanderungsgesellschaft kann nur Bestand haben, wenn jede und jeder die Chance hat, durch Bildung und Arbeit aufzusteigen".

Die Ergebnisse der Studie im Einzelnen:

Deutliche Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland

Während es in Westdeutschland vor allem für die 1940 bis 1959 Geborenen deutlich mehr Aufstiegsmöglichkeiten gab, hat sich in Ostdeutschland die ursprünglich viel höhere Aufstiegsquote bereits zu DDR-Zeiten verringert und nimmt seit der Wende immer schneller ab. Vergleicht man die berufliche Stellung der heutigen jungen Generation mit der Generation der Eltern, so findet man für Westdeutschland knapp doppelt so viele Aufstiege wie Abstiege. Ungefähr ein Drittel der heutigen Generation stellt sich besser als ihre Eltern, ein gutes Sechstel dagegen hat eine schlechtere Position als die Eltern. In Ostdeutschland gelingt nur ca. einem Viertel der heutigen jungen Erwachsenen ein Aufstieg im Vergleich zu ihren Eltern, jedoch erfahren über 30 Prozent einen sozialen Abstieg.

Aufstiegschancen für Migranten

Bisher mangelt es an Daten zur sozialen Mobilität von Migranten. Die vorliegende Studie bietet zum ersten Mal eine vorsichtige, aber dennoch umfassende Schätzung. Hiernach haben Migranten etwas geringere Aufstiegschancen und etwas höhere Abstiegsrisiken als Einheimische, jedoch ist insgesamt weniger der Migrationsstatus der entscheidende Einflussfaktor, sondern – wie bei den Einheimischen auch – die Bildung und die berufliche Stellung der Elterngeneration.

In Europa Schlusslicht bei sozialer Mobilität

Im Vergleich zu anderen europäischen Staaten und den USA hat das Elternhaus in Deutschland einen deutlich größeren verhindernden Einfluss auf die soziale Mobilität der Kinder. In Schweden etwa ist der Einfluss des Elternhauses um ca. 30 Prozent schwächer ausgeprägt, und auch im klassenbewussten Großbritannien liegt die Stärke des Einflusses um ca. 15 Prozent unter dem Niveau von Deutschland.

Ursachen

Fleiß und Eigeninitiative allein reichen nur selten für einen Aufstieg. Daneben spielt auch das Elternhaus eine große Rolle für Aufstiegschancen und Abstiegsrisiken. Das liegt nicht zuletzt an den Besonderheiten des deutschen Bildungssystems mit der frühen Weichenstellung nach der 4. Klasse. Auch das stark ausgeprägte Berufsprinzip bietet im späteren Arbeitsleben wenig Gelegenheit, durch eine berufliche Neuausrichtung sozial aufzusteigen.

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