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"Jedem Kind ein Instrument" auf dem Prüfstand

Mehr zu: Bildungsausgaben, Bildungschancen, Forschung, Künstlerische Fächer, Schulstress, Schule
10.11.2010 -

(dpa) – Es ist eines der größten Forschungsprojekte zum Musikunterricht: Zwölf Forschergruppen von zehn Universitäten begleiten und untersuchen über mehrere Jahre die Wirkung der Initiative "Jedem Kind ein Instrument", kurz "JeKi". Daran beteiligen sich mehr als 3500 Grundschüler im Ruhrgebiet und in Hamburg.

"Es hat bundesweit und wahrscheinlich auch international noch nie einen so großen musikpädagogischen Forschungsverbund gegeben, der den Musikunterricht in der Schule untersucht", sagte der Vorsitzende des wissenschaftlichen Beirates, Andreas Lehmann, der Nachrichtenagentur dpa.

"Der Innovationsschub für das Fach ist enorm. Diese Forschung wird die Musikpädagogik Deutschland verändern", meinte der Musikpsychologe von der Hochschule für Musik Würzburg.

"Jedem Kind – ungeachtet seiner ethnischen oder sozialen Herkunft – soll bei diesem Projekt die Möglichkeit gegeben werden, ein Instrument zu erlernen", erklärte Lehmann. "Die Forscherteams untersuchen etwa, ob sich der Musikgeschmack der Kinder verändert, ob sie zum Beispiel toleranter gegenüber anderer Musik werden." Oder ob diese Kinder und ihre Elternhäuser mehr Interesse an kultureller Bildung bekommen. Die Teilnahme sei prinzipiell freiwillig. Aber es werde auch untersucht, welche Kinder mit welchem Hintergrund teilnähmen oder welche Kinder früher aufhörten. "Eine Fragestellung ist auch, ob Kinder mit Migrationshintergrund sich besser integriert fühlen und ob sie besser integrierbar werden." Neuropsychologen vergleichen mit bildgebenden Verfahren die Gehirne von Kindern, die weniger musizieren, mit intensiver musizierenden Kindern. "Und es wird untersucht, ob musizierende Kinder besser mit Stress umgehen können", beschrieb Lehmann einige der Ansätze.

Er warnte zugleich vor übertriebenen Erwartungen. "Die Hypothese "Musik macht schlau" ist sicherlich eine Übertreibung. Es ist falsch, zu sagen: Mach' ich Musik, kann ich besser Mathe." Nach seiner Überzeugung hat das Musizieren aber mehrere positive Wirkungen: "Ein Instrument zu spielen verbessert zum Beispiel die Disziplin, entwickelt die Persönlichkeit, stärkt das Selbstvertrauen."

Matthias Benirschke (dpa-Dossier Bildung Forschung 45/08.11.2010)


© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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