Größtes Leseprojekt zeigt Wirkung
Mehr zu: Hauptschule, Leseförderung, Lesekompetenz, Schleswig-Holstein, Schule(red/pm) Deutliche Kompetenzzuwächse im Lesen haben Schüler erreicht, die an dem schleswig-holsteinischen Projekt "Lesen macht stark" teilgenommen haben. Das zeigen die jüngsten Evaluationsergebnisse zum bundesweit größten Leseprojekt.
Die Leseleistungen der deutschen Schülerinnen und Schüler liegen laut PISA-Studie nur im Mittelfeld der OECD-Staaten und der Anteil der schwachen Leserinnen und Leser beträgt immer noch 18,5%. "Angesichts dieser Ergebnisse brauchen wir Lese-Projekte, die früh beginnen sowie langfristig und nachhaltig angelegt sind", betonte Prof. Olaf Köller, Direktor des Leibniz-Instituts für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik, bei der Vorstellung der Evaluationsergebnisse zum schleswig-holsteinischen Leseprojekt "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" präsentierte. "Die Daten belegen die Wirksamkeit dieses Projektes", sagte er.
So verbesserte sich die Leseleistung von Schülerinnen und Schülern, die seit der 5. Klasse an dem Leseprojekt teilnahmen, enorm. In der Jahrgangsstufe 8 schnitten diese im Vergleich zu Schülerinnen und Schülern, die nicht an dem Projekt teilnahmen, um 36 Punkte besser ab. Die Jungen holten in ihrer Leseleistung auf. Während die Mädchen im Durchschnitt 79 Punkte hinzugewannen, konnten die Jungen sogar um 90 Punkte aufholen. Ein enormer Erfolg, wenn man berücksichtigt, dass ein Schuljahr einem Kompetenzzuwachs von 38 Punkten entspricht.
"Diese Ergebnisse freuen uns natürlich, sind aber kein Grund, die Hände in den Schoß zu legen", sagte Dr. Thomas Riecke-Baulecke, Direktor des Instituts für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein und Initiator des Projektes. "Wir wollen weiterhin die Risikogruppe der schwachen Leserinnen und Leser minimieren. Dazu gehört ein langer Atem", so Riecke-Baulecke. Mit "Lesen macht stark" fördert das Land Schleswig-Holstein seit 2006 gezielt rund 40.000 Schülerinnen und Schüler von 210 Sekundarschulen. Ein Erfolgsfaktor: das Gesamtpaket, das fächerübergreifend angelegt ist.
Alle Schülerinnen und Schüler erhalten eine mit dem Cornelsen Verlag entwickelte sehr ansprechende persönliche Lesemappe. Für die Lehrkräfte steht ein dazu passender Materialordner zur Verfügung und es werden Fortbildungen angeboten. Die Schulleitungen nehmen eine professionelle Beratung durch externe Berater wahr. Und die Schulen setzen Lesepaten ein. Zudem wird jährlich ein Rap-Wettbewerb für die Schüler durchgeführt, bei dem von einer Jury die besten selbst geschriebenen und vorgetragenen Rap-Texte prämiert werden.
Hintergrundinformationen
Begonnen wurde das Schulbegleitprojekt "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" im Schuljahr 2006/2007 an 50 Hauptschulen mit besonderen Belastungen. Initiiert wurde es vom Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein gemeinsam mit dem Bildungsministerium. Aufgrund der großen Resonanz wurde es in den Folgejahren für Regional- und Gemeinschaftsschulen geöffnet. Mit rund 40.000 Schülerinnen und Schülern an 210 Schulen ist "Niemanden zurücklassen - Lesen macht stark" das größte Leseprojekt in Deutschland, das einer regelmäßigen wissenschaftlichen Begleitung unterliegt. Ziel ist die Verbesserung der Lesekompetenz von Schülerinnen und Schülern und eine deutliche Reduzierung der Risikogruppe der leseschwachen Schülerinnen und Schüler. Die Erfolge des Projekts haben 2008/2009 zum Aufbau einer zweiten Säule "Mathe macht stark" geführt. Inzwischen nehmen rund 5.000 Schülerinnen und Schüler an 157 Schulen an "Mathe macht stark" teil.
Wissenschaftlich begleitet wird das Projekt vom Leibniz-Institut für die Pädagogik der Naturwissenschaften und der Mathematik sowie der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.
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