NRW-CDU tritt mit neuem Schulmodell gegen Gemeinschaftsschule an
Mehr zu: Gemeinschaftsschule, Gymnasium, Hauptschule, Nordrhein-Westfalen, Realschule, Schulstruktur, Schule(dpa) – Die CDU in Nordrhein-Westfalen will mit einem neuen Schulmodell einschließlich Hauptschule eine Alternative zur rot-grünen Gemeinschaftsschule bieten. Auf einem Schulkongress der CDU im Dezember wurde das "differenzierte Zweisäulenmodell" vorgestellt.
Für die Schulreform der Landesregierung liegen inzwischen 19 Anträge von Kommunen auf Gründung einer Gemeinschaftsschule vor, wie Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) am 22. Dezember in Düsseldorf berichtete. Nach dem von den Bildungspolitikern der CDU-Landtagsfraktion entwikkelten Modell soll die Hauptschule als eigenständige Schulform erhalten bleiben. Zudem soll die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen erleichtert werden. "Mit diesem Modell wird keine Hauptschule abgeschafft", sagte der CDU-Schulexperte Klaus Kaiser.
Das Konzept sieht neben dem Gymnasium vier verschiedene Formen von Sekundarschulen vor. Bei ausreichender Schülerzahl soll die Hauptschule unter den neuen Namen Aufbauschule bestehenbleiben. Wo es nicht mehr genügend Hauptschüler gibt, sollen Haupt- und Realschulen zu einer sogenannten Aufbau-Realschule zusammengelegt werden können. Daneben bleiben die klassische Realschule und die Gesamtschule bestehen. Alle vier Schulformen sollen die gleichen Bildungsabschlüsse erteilen. Das neue Konzept solle die Schulvielfalt unter den Bedingungen zurückgehender Schülerzahlen erhalten, sagte der CDU-Landesvorsitzende Norbert Röttgen. Er versicherte, die CDU wolle keine Schulform abschaffen. Röttgen drängte seine Partei zu einem Kurswechsel in der Schulpolitik. Bisher hatte die Partei strikt am dreigliedrigen Schulsystem festgehalten. Die CDU müsse eine klare Antwort auf die demografische Entwicklung geben. "Dem können wir nicht ausweichen", sagte Röttgen. Über ihre Neuaufstellung in der Schulpolitik will die CDU auf einem Landesparteitag am 12. März 2011 entscheiden.
Die Grünen kritisierten die Pläne der CDU. "Sie will das gegliederte Schulsystem nur neu lackieren", sagte die Bildungsexpertin der Grünen- Landtagsfraktion, Sigrid Beer. Mit dem Zweisäulenmodell falle die CDU in alte Positionen zurück und lasse gerade die CDU-geführten Kommunen im Regen stehen. Die erste genehmigte Gemeinschaftsschule in Nordrhein-Westfalen war von der CDU-geführten Gemeinde Ascheberg im Münsterland beantragt worden.
Inzwischen wollten sich nicht nur Gemeinden aus dem ländlichen Raum beteiligen, sagte Löhrmann am 22. Dezember. Mit Köln und Bochum seien auch zwei Großstädte unter den Antragstellern. Weitere Anträge konnten noch bis zum 31. Dezember bei den Bezirksregierungen eingereicht werden. Diese prüfen die Anträge vor und leiten sie danach an das Schulministerium zur Prüfung und Genehmigung weiter.
Das Konzept Gemeinschaftsschule sieht vor, dass sich Schulen unterschiedlicher Formen – auch über Nachbarorte hinweg – zusammenschließen können. An den Gemeinschaftsschulen sollen alle Kinder zumindest in den Klassen 5 und 6 gemeinsam lernen. Von der Klasse 7 an kann nach Bildungsgängen differenziert werden. Schüler können alle Abschlüsse bis hin zum Abitur erreichen.
(dpa-Dossier Bildung Forschung 01/03.01.2011)
© 2009 dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH.
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Die CDU versteht einfach nicht das Kernproblem der Debatte um die Hauptschule und versucht durch solche "neuen Ideen" lediglich sich die Stammwählerschaft zu erhalten. Das Gute an der Sache ist, dass die kommunale CDU anscheinend der landespolitischen CDU im Denken um Dekaden (mancherorts) voraus ist (das Beispiel Ascheberg).
Was um Himmels willen will man im 21. Jahrhundert noch mit der Hauptschule? Fast die ganze Welt hat Gemeinschaftsschulen! Es gibt wirklich nur ganz wenige Länder weltweit die nur 4 bis 6 Jahre gemeinsam unterrichten. Die meisten haben bis Klasse 9 und teilweise bis Klasse 13 eine Gemeinschaftsschule. Wir haben nicht mehr die stabilen Beschäftigungsverhältnisse wie in den 60er Jahren - heute muss jeder umfassend allgemein gebildet werden, damit er sich immer weiterbilden kann und ggf. auch zwischen Berufen leichter wechseln kann. Hauptschüler werden am schlechtesten auf die heutige Arbeitswelt vorbereitet - wann sieht die CDU endlich ein, dass man kleine Kinder nicht diskriminieren darf, indem man sie in Schubladen steckt. Allein der Name "Aufbau-Schule" klingt furchterregend, klingt nach Sonderschule, nach Absonderung und Lernschwäche.
was ist eigentlich an Hauptschulen so erhaltenswert?
Ein anregendes Lernmilieu und Niveau ist dort ja nicht vorhanden. Ich wusste nicht, dass Deutschland mit seinen Hightech-Industrien als moderne Volkswirtschaft noch so viele Hauptschüler in den Arbeitsmarkt integrieren kann - die meisten Firmen wollen ja mittlerweile eher ältere Azubis mit besserer Allgemeinbildung als Grundlage.
Viele Firmen suchen schon in Polen nach Auszubildenden (Ausbildungsmessen gab es schon in Stettin) --- hier sind anscheindend zu viele Jugendliche zu schlecht qualifiziert. Von welchen Schulen sind die wohl? Polen hat ein Gymnasium bis Klasse 9 und selbst in der Berufsschule dort wird mehr Allgemeinbildung vermittelt.
diese Diskussionen um längeres Lernen laufen seit 1920 - wie lange will man noch darüber diskutieren - bis 2220? Im Grunde genommen weiß doch jeder der bei klarem Verstand ist, dass es nicht richtig sein kann, 10jährige Kinder bereits beruflich festlegen zu wollen und ihnen gleiche Bildungschancen zu verwehren. Dieses Land macht viele Kinder im Nachhinein mit Absicht erst leistungsschwächer als sie sein müssten. Wie kann man das mit seinem Gewissen eigentlich vereinbaren?
Wenn sich die GRÜNEN/SPD mit ihrer Einheitsschule durchsetzen, kann sich NRW dann ja künftig mit Bremen um den letzen Platz im Länderbildungsvergleich streiten. Es gibt keinen empirischen Nachweis dafür, dass die Einheitsmischpoke zu einer Verbesserung für die heutigen Hauptschüler führen würde. Für den zwangsvergeimschafteten Rest ist eine Absenkung des Niveaus unvermeidlich. Umfang und Tempo beim Lernen wird immer von den "Schlechten" in einer Lerngruppe bestimmt. Einheitsschule führt unweigerlich dazu, dass die "Guten" unterfordert sind, die "Schlechten" trotzdem überfordert sind. Bei "Linken" war aber gerade beim Thema Bildung schon immer Ideologie und Wunschdenken wichtiger als die Praxis. Bei Betrachten des letzten Länderbildungsvergleich konnte man das schlechter werdende Niveau ziemlich gut mit der zunehmenden Dauer "linker" Regierungsveratnwortung korrellieren
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