Aktuelle Modellrechnungen zum Fachkräftemangel
didacta 2001 Themendienst: Bald dramatische Lücke in den Pflegeberufen
Mehr zu: Berufsfachschule, didacta - die Bildungsmesse, Duale Ausbildung, Fachkräftebedarf, Statistik, Berufliche Bildung(red) Gehen Deutschland die Fachkräfte aus? Auf den ersten Blick sieht es so aus, schließlich hat es der Begriff Fachkräftemangel in den vergangenen Monaten immer wieder in die Schlagzeilen geschafft.
Drei von vier Unternehmen haben Probleme, offene Stellen mit qualifizierten Bewerbern zu besetzen, so das Ergebnis einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), im vergangenen Jahr. Das Institut für Arbeits- und Berufsforschung (IAB) und die Bundesagentur für Arbeit urteilen hingegen vorsichtiger und wollen nicht von einem generellen Fachkräftemangel sprechen, in bestimmten Bereichen bestünde allerdings ein erhöhter Bedarf an Arbeitskräften.
So könnte die Lücke in den Pflegeberufen in den kommenden Jahren dramatisch anwachsen: Im Jahr 2025, das zeigen aktuelle Modellrechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des Statistischen Bundesamtes (Destatis), werden rund 152.000 Pflegevollkräfte fehlen, um die dann zu erwartende Zahl an Patienten und Pflegebedürftigen zu versorgen. Diesen Rechnungen zufolge stehen im Jahr 2025 nämlich einem Bedarf an 940.000 Pflegevollkräften lediglich rund 828.000 Pflegevollkräfte auf der Angebotsseite gegenüber. Und das, obwohl bereits jetzt jeder neunte Beschäftigte in Deutschland im Gesundheitswesen tätig ist.
Bei der gemeinsamen Modellrechnung, so erklärt Tobias Maier vom Bundesinstitut für Berufsbildung, wurden auch unterschiedliche Szenarien berechnet - etwa, dass die Menschen künftig erst in höherem Alter pflegebedürftig werden. "Dann würde der Fachkräftemangel immerhin erst einige Jahre später auftreten." Auch hätte es enorme Auswirkungen, so der Experte, wenn mehr Pflegekräfte auf Vollzeit- statt auf Teilzeitstellen arbeiten würden. Doch dies sei ein eher unrealistisches Szenario, meint er, denn viele der Beschäftigten sind Frauen, die aus familiären Gründen nicht mehr Stunden arbeiten können oder wollen. Gewiss hätten auch attraktivere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen positive Auswirkungen.
Und noch eins gibt der Experte zu bedenken: Bislang werden Kranken- und Altenpfleger nicht im dualen Berufsbildungssystem ausgebildet, sie lernen an Berufsfachschulen. Zu überlegen wäre deshalb auch, ob eine duale Ausbildung den drohenden Fachkräftemangel mindern könnte. "Wir wollen das Thema Pflege zum Thema des Jahres 2011 machen", hatte Gesundheitsminister Rösler erst kürzlich angesichts des prognostizierten Fachkräftemangels erklärt. Die Zeit drängt.
Dazu auf der didacta 2011
23.02.2011, 11:00 - 11:45 Uhr
COACHING4FUTURE – Fachkräftenachwuchs fördern und Fachkräfte von morgen sichern
Gedankengesteuerte Prothesen, schweißresistente Textilien oder Roboter, die in Katastrophengebieten nach Überlebenden suchen – mit Beispielen wie diesen bringt COACHING4FUTURE die MINT-Welt direkt in baden-württembergische Klassenzimmer.
Im Rahmen des Forums "didacta aktuell" geben COACHING4FUTURE-Mitarbeiter einen Einblick in Ablauf und Inhalt dieser Schulveranstaltungen. Darüber hinaus veranschaulichen sie, wie das Programm der Baden-Württemberg Stiftung Jugendliche bei der Berufsorientierung im technisch-naturwissenschaftlichen Bereich unterstützt und begleitet.
Forum "didacta aktuell", Stand 5G12
23.02.2011, 16:00 - 17:30 Uhr
Qualifizierung von Ausbilderinnen und Ausbildern
Mit dem Rückgang der Nachfrage nach Lehrstellen und dem drohenden Fachkräftemangel in vielen Branchen aufgrund der demografischen Entwicklung gewinnt die Qualität der beruflichen Bildung wieder mehr an Bedeutung.
Gesprächsteilnehmer: Angelika Dufter-Weis, GAB München – Gesellschaft für Ausbildungsforschung und Berufsentwicklung GbR, Oliver Niemeyer, Ausbildungsleiter Bausparkasse Schwäbisch Hall AG, Martin Thum, MAHLE GmbH, Leiter Ausbildung Deutschland (HGA), Ulrike Weber, IHK Region Stuttgart, Referatsleiterin "Berufliche Fortbildung"
Marktplatz "Beruf ist Zukunft", Stand 1G76
25.02.2011, 11:00 - 12:00 Uhr
Gesundheit und Pflege-Unterricht an beruflichen Schulen – Berufsschullehrerausbildung von heute und morgen
Bis 2020 werden ca. 140.000 Pflegekräfte in Krankenhäusern fehlen. Wie kann dieser Bedarf durch die Ausbildung gedeckt werden und wer bildet diese Pflegekräfte zukünftig aus? Und welche Anforderungen und Qualifikationen sind in der Pflegelehrerausbildung notwendig? Wie können zusätzliche qualifizierte Pflegelehrkräfte gewonnen werden?
Gesprächsteilnehmer: Urban Braunstein, Ausbilder am Staatlichen Seminar für Didaktik und Lehrerbildung (BS) Freiburg, Sabine Mesech, Medizinische Berufsfachschule am Krankenhaus Dresden-Friedrichstadt, stellvertretende Vorsitzende des BLBS-Bundesverbandes, Prof. Dr. rer. soc. Dipl.-Päd. Karin Reiber, Hochschule Esslingen, Pflegepädagogik, Studiengangsleitung – BPP, Prof. Dr. Jochen Schmerfeld, Katholische Hochschule Freiburg, Studiengangsleitung Bachelor "Berufspädagogik im Gesundheitswesen"
Marktplatz "Beruf ist Zukunft", Stand 1G76
Informationen zu Statistiken und Berechnungen gibt es bei den Ständen vom
Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB), Stand 7B59
Statistischen Bundesamt (Destatis), Stand 9E88
Links
Modellrechnung: Projektionen des Personalbedarfs und -angebots in Pflegeberufen bis 2025
Projekt Quebe - Qualifikations- und Arbeitskräfteentwicklung bis zum Jahr 2025
Fachkräftemangel gibt es zur Zeit nicht und wird es auch so schnell nicht geben, zum einen nicht, weil massiv gerade Arbeitskräfte angeworben werden, die Arbeitnehmerfreizügigkeit kommt und weil Deutschland selbst meilenweit entfernt ist von Vollbeschäftigung. die inoffizielle und damit wahre Arbeitslosigkeit liegt immernoch bei 4,6 Mio. die reelle Unterbeschäftigung liegt lt. EUROSTAT (einer offiziellen Institution) bei 20%!!!! Firmen behaupten immer einen "Fachkräftemangel" , genau wie "Akademikermangel" den gibts auch nicht - das Gejammer ist immer groß in Deutschland - und zwar völlig zu Unrecht. Der nationale Bildungsbericht geht von einem Fachkräftemangel frühestens so ab 2025 aus und dann auch nur in einigen wenigen Branchen wie Pflege und Reinigung.
Frage zu dem Experten: was soll eigentlich qualitativ dadurch gewonnen werden, wenn Krankenpflegeberuf in eine duale Ausbildung transformiert wird? Global ist Krankenpflege überall weltweit ein Studium mit Masteroption und ggf. PhD-Option. Die Qualität vieler Ausbildungen und Berufsschulen in Deutschland ist mangelhaft. Gerade in der Pflege kommt es auf ein theoretisches Fundament an, dass unabhängig von den Kräften in der Praxis immer auf dem neuesten Stand sein muss. Ich hab selbst mal in der Pflege gelernt - durch die Personalknappheit fehlt manchmal das theoretische Fundament, die aktuellen Methoden etc -- das alles ist dann noch abhängiger vom Ausbildern vor Ort, dass oft wenig Zeit haben, die Azubis ordentlich anzuleiten. Die Gefahr ist doch viel größer, nur als billige Arbeitskraft missbraucht zu werden - meines Wissens hat man deshalb in manchen Pflegeschulen vor einigen Jahren die theoretischen Anteile erhöht. Fachschulen bieten eher die Möglichkeit als Berufsschulen im dualen System auf den neusten Stand zu sein! Wo soll der Vorteil der dualen Ausbildung liegen? Fachschulen sind nach den ISCED-Kriterien Tertiärbereich 5B -- duale Ausbilung zählt gerade mal wegen geringerer theoretischer Anteile zum Sekundärbereich 3B -- diese Ausbildungen sind meistens qualitativ noch viel minderwertiger und werden auch offiziell derart kategorisiert -- in anderen Ländern ist in der Berufsbildung ein höherer allgemeinbildender Anteil enthalten --- viel mehr Berufe werden studiert, ein Beruf sollte direkte Aufstiegspotentiale bieten und akademisiert werden und damit den international üblichen Standard erfüllen. Angesichts weiterer Bildungsexpansion ist das ja auch eine bessere Alternative- ob nun duales Studium oder ähnliches. Schon zu meiner Zeit waren mehr als die Hälfte der Azubis Abiturienten und das sind heute sicherlich nicht weniger, sondern noch mehr. Mangelhafter als Fachschulausbildung sind viele duale Ausbildungen an den örtlichen Berufsschulen, da ist man ja noch weniger über aktuelle Zusammenhänge informiert. Eine Qualitätsoffensive wäre notwendig.
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