"Ohne Lehrer keine Bildung"
didacta 2011 Themendienst: Interview mit Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung und Bildungsbotschafter der didacta 2011
Mehr zu: Auszeichnungen, Bildungsbotschafter, didacta - die Bildungsmesse, Frühe Förderung, Frühkindliche Bildung, Interviews, Kooperationsverbot, Lehrerbildung, MINT-Fächer, Stiftungen, Videos, Sonderthemen"Wir versuchen, die mathematische Unterstützung in der gesamten Bildungskette unterzubringen", so beschreibt Dr. Klaus Kinkel den zentralen Auftrag der Deutsche Telekom Stiftung. Der ehemalige Bundesaußenminister ist seit acht Jahren Stiftungsvorsitzender und wird in diesem Jahr auf der didacta in Stuttgart als Bildungsbotschafter ausgezeichnet. Im Videobetrag berichtet er über die Schwerpunkte der Stiftungsarbeit.
"Mathematik", so einer seiner Lieblingssätze, "ist nun mal für jeden Menschen durch sein ganzes Leben die Mutter aller Schlachten." Aber: Mathematik ist für viele Schüler noch immer ein Schreckensfach. Mit fatalen Auswirkungen, wie vor vier Jahren die Ergebnisse von PISA-I-Plus gezeigt hatten: Demnach lernt mehr als ein Drittel der deutschen Schüler zwischen der neunten und zehnten Klasse im Fach Mathematik so gut wie nichts dazu.
Und für erfolgreiches Lernen sind - neben den Schülern - die Lehrer zuständig. Ein nationales Lehreraus- und -fortbildungszentrum der Stiftung soll deswegen jetzt zu einer besseren Lehrerbildung beitragen. Im Januar hat die Stiftung die Ausschreibung zur Einrichtung eines solchen Zentrums gestartet. Und an der Freien Universität und der Humboldt-Universität in Berlin sowie an den Technischen Universitäten Dortmund und München fördert sie bereits die Ausbildung von MINT-Lehramtskandidaten. "Denn ohne Lehrer keine Bildung, ohne Lehrer keine Studenten, ohne Lehrer keine Forscher", so Kinkel, der gleichzeitig ein deutliches Wort an die Politik richtet: "Wenn wir die Lehrerbildung als ein Kernproblem sehen, dann muss vor in Deutschland die Lehrerbeschimpfung aufhören. Ohne Lehrer läuft nämlich gar nichts im Bildungsbereich. Und alles, was aus der Politik an Beschimpfungen kommt, ist absolut unsinnig und kontraproduktiv."
Neben dem Engagement an den Hochschulen - sowohl in der Lehrerausbildung wie auch bei der Förderung von Doktoranden - stehen noch weitere Projekte auf der Agenda der Stiftung, etwa "Mathe sicher können" zur Förderung leistungsschwacher Schüler. Und schließlich setzt sie mit der mathematischen und naturwissenschaftlichen Bildung ganz früh an, im Kindergarten: "Hier sind wir besonders stark unterwegs, es geht um die bessere Ausbildung der Erzieherinnen und wir wollen sicher stellen, dass in den 16 Bundesländern einigermaßen gleiche Voraussetzungen herrschen, was das Angebot an guten Materialen für die Erzieherinnen betrifft."
Und schon ist der ehemalige Minister beim Thema Föderalismus: "Ich habe natürlich noch ein besonderes Anliegen: Der Föderalismus ist in Deutschland ein nicht unerheblicher Hemmschuh für Vieles. Wir haben keine wirkliche Bildungspartnerschaft zwischen Kommunen, Ländern und Bund. Es gibt das Kooperationsverbot im Grundgesetz, das die Länder dem Bund - für meine Begriffe - fälschlicherweise, abgerungen haben. Wir haben im Augenblick Bildungspartnerschaften zwischen Bund und Ländern von hinten durchs Auge, weil vonseiten des Bundes krampfhaft gesucht werden muss, wie man überhaupt das Geld, beispielsweise ins Schulwesen - wo es dringend notwendig ist - sinnvoll einbringen kann. Die Kleinstaaterei muss aufhören. Da bin ich jetzt eher noch politisch unterwegs und sage: Hört auf, ihr Länder, denn es ist unsinnig, was ihr da macht."
Dazu auf der didacta
25.02.2011, 11:30 Uhr
Bildungsbotschafter der didacta 2011
Kinder und Jugendliche brauchen bessere Bildungschancen. Prominente, Vereine und Stiftungen tragen dazu bei, beispielsweise mit Projekten zur Integrationsförderung oder Programmen zur Förderung der naturwissenschaftlichen Bildung. Persönlichkeiten, die sich in besonderer Weise für Bildung starkmachen, zeichnen der Didacta Verband und der VdS Bildungsmedien seit 2007 als "Bildungsbotschafter der didacta" aus. Die Preisträger in diesem Jahr sind Dr. Klaus Kinkel, Vorsitzender der Deutsche Telekom Stiftung, und der sozialkritische Rapper Samy Deluxe. Mit der Ehrung wollen die Verbände auch stellvertretend den Einsatz der zahlreichen privaten Bildungsinitiativen würdigen und zur Nachahmung anregen.
Forum didacta aktuell, Stand 5G12
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