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Förderung

Lautes Vorlesen hilft bei Lese-Rechtschreibschwierigkeiten

Mehr zu: Legasthenie, Leseförderung, Lesekompetenz, Training, Schule
17.02.2011 -

(red/idw) Eltern können Kinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten beim Lesen fördern, indem sie gemeinsam mit ihnen Geschichten laut vorlesen. "Wechseln Sie sich beim Lesen von kurzen Textabschnitten ab und erlauben Sie Ihrem Kind ruhig, anfangs die Sätze für sich leise zu lesen. Üben Sie nicht länger als 15 Minuten täglich, denn Ihrem Kind geht möglicherweise schnell die Motivation verloren. Es liest nur mit größter Mühe. Loben Sie Ihr Kind, unabhängig vom Ergebnis, schon allein für seinen Einsatz", empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie (DGKJP).

Um die Rechtschreibung zu verbessern, so die DGKJP, kann die Schreibweise von wichtigen Wörtern wie beim Vokabel-Training mit Karteikarten geübt werden. Wird ein diktiertes Wort an drei aufeinander folgenden Tagen richtig geschrieben, beherrscht das Kind voraussichtlich die Schreibweise. Durch das Lernen von Rechtschreibregelmäßigkeiten kann der Lerneffekt noch verstärkt werden. Deshalb sollte das Kind auch öfter mal einen Einkaufszettel und kleine Notizen schreiben lassen, da dies zusätzlich übt.

Schüler mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten können aufgrund einer Wahrnehmungsstörung gesprochene Wörter nur schwer in Laute zerlegen und die Laute nur mit Mühe den entsprechenden Schriftzeichen zuordnen. Häufig verwechseln sie ähnlich klingende Laute oder ähnlich aussehende Buchstaben. Betroffene machen trotz intensiven Übens und guter intellektueller Fähigkeiten beim Schreiben deutlich mehr Fehler und lesen langsamer als ihre Mitschüler. Die Kinder empfinden meist einen hohen Leidensdruck wegen ihrer schlechten Leistungen sowie oft fehlender Unterstützung und Förderung. "Versuchen Sie, Ihrem Kind den Druck zu nehmen, stärken Sie sein Selbstbewusstsein, betonen Sie seine Stärken", rät die DGKJP.

Die Probleme beim Lesen und Schreiben können unterschiedlich ausgeprägt sein, bei einer besonders schweren Form, spricht man von Legasthenie. Hiervon sind etwa 2-4 zwei bis vier Prozent aller Kinder betroffen, Jungen 3-mal häufiger als Mädchen. Betroffene Kinder können individuell gefördert werden. Ein Kinder- und Jugendpsychiater kann durch spezifische Diagnostik die Probleme richtig einordnen, Eltern und Lehrer fachlich beraten und ihnen speziell entwickelte Lernprogramme vorstellen.

Von Mittwoch, den 2. bis Samstag, den 5. März 2011 findet in Essen die 32. Jahrestagung der DGKJP statt. Im Mittelpunkt der Tagung wird das Spannungsfeld Schule stehen.

1 Kommentar (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Manuela Engl, am 18.02.2011, 23:43

„Eltern können Kinder mit Lese-Rechtschreibschwierigkeiten beim Lesen fördern, indem sie gemeinsam mit ihnen Geschichten laut vorlesen.“

So lautet die Botschaft, die ich diesem Artikel entnehme.

Was „fördert“ das Vorlesen noch?

Das Vorlesen von Geschichten und Märchen stärkt die Fähigkeit, sich emotional und gedanklich in die Welt von anderen hineinzuversetzen.

Das Vorlesen schafft darüber hinaus, sofern es in einer positiv erlebten Atmosphäre stattfindet, ein Gefühl der Geborgenheit, Nähe, Sicherheit – und das, für das Lernen an sich, so immens wichtige VERTRAUEN.

Das Vorlesen von Geschichten und Märchen ist wie Nahrung für das Gehirn – und regt in vielfältiger Weise die Entwicklung von neuen Nervenzellverschaltungen im Gehirn an.

Worauf es letztendlich meiner Meinung nach ankommt, ist, dass das Vorlesen nicht zum Pflichtprogramm oder „Förderprogramm“ per se gemacht wird.

Wer es versteht, sein Kind einzuladen, sich gemeinsam in eine Geschichte zu vertiefen, zählt zu den Glücklichen.

* Vorlesen schafft Nähe.

* Vorlesen schafft Beziehung.

* Vorlesen schafft Vertrauen.

Und darauf kommt es beim Lernen an:

Vertrauen, Beziehung, Nähe, etwas erlebbar und erfahrbar machen, damit Begeisterung aufkommen kann.

Lautes Vorlesen als eine von vielen Möglichkeiten,

Probleme in der Rechtschreibung in Griff zu bekommen?

Das Richtigschreiben von Wörtern ist ein Prozess, der über verschiedene Ebenen abläuft. Teils explizit, größtenteils jedoch über das so genannte implizite Lernen.

Das Lernen über das Unbewusste.

Die Grundlagen für den Sprach- und Schriftspracherwerb werden bereits nach der Geburt gelegt, wenn die Sprache an sich als Kommunikationsmittel nach und nach entwickelt wird.

Im ersten Lebensjahr bildet sich das Fundament für die Lust an Sprache.

Und ein stabiles Fundament für Sprache entwickeln Kinder dann, wenn sie ein positives Gefühl bei all ihren „Sprach-Errungenschaften“ verknüpfen können:

Zitat: „Wenn Kinder mit ihren neuen Sprach-Errungenschaften ein positives Gefühl verknüpfen, behalten sie die neuen Wörter besser im Gedächtnis. Auch deshalb ist das Geschichtenerzählen so wichtig, dann dabei entsteht Intimität – ein gutes Förderklima.“

Quelle: Nitsch, C., Hüther, G. (2004). Kinder gezielt fördern. So entwickeln sich Kinder spielend. GU-Verlag

Das Entwickeln von Sprache geht also, wie so vieles andere auch, das unsere Kinder über „wahrhaftiges Lernen“ lernen, über die Gefühlsebene.

-> Wahrnehmung auf allen Ebenen.

-> Lernen mit allen Sinnen…

Wenn wir jetzt beobachten, dass immer mehr Kinder Sprachdefizite aufweisen, dann taucht bei mir die Frage auf, welche Rolle unsere Eltern, Erzieher und Lehrer dabei spielen.

Sollte in der Tat das Fundament für Sprache im ersten Lebensjahr entwickelt werden, dann scheint die Zeit gekommen zu sein, unsere jungen Eltern zu ermutigen, sich in einer liebevollen Atmosphäre ihren Kindern „sprachlich“ zuzuwenden.

Unsere Eltern zu ermuntern, sich Zeit für ihre Kinder zu nehmen, mit ihren Kindern zu sprechen, mit ihnen zu spielen.

Sprache erfahrbar machen, indem Eltern mit ihren Kindern mit Sprache spielen.

Selbstverständlich wieder unter Einbeziehung von möglichst allen Sinnen.

Das Medium Fernsehen, das u.a. als „Entwicklungs-Helfer Nummer 1“ für Sprachkompetenz immer noch in den Köpfen vieler Eltern kursiert, scheint eher weniger geeignet zu sein, die Sprache über alle Sinne erfahrbar und erlebbar zu machen.

Und wieder ist der Lernort Familie gefragt.

Die Familie - als die kleinste Zelle unserer Gesellschaft.

Der Ort, an dem u.a. die Grundlagen dafür geschaffen werden, dass unsere Kinder Freude daran haben, sich über Sprache - mündlich und schriftlich - mit anderen auszutauschen.

Unsere Eltern somit als Wegbereiter für die Sprachkompetenz-Entwicklung ihrer Kinder?

Ja, so sehe ich das, und unsere Eltern können das sehr gut, davon bin ich überzeugt, sofern sie ermutigt werden, sich wieder mehr auf ihre Intuition und ihr Bauchgefühl einzulassen.

Viele junge Eltern haben, so meine Beobachtung, mittlerweile ANGST davor, etwas falsch machen zu können, und ANGST davor, ihre Kinder könnten nicht genug gefördert werden.

Zum Abschluss erlaube ich mir,

Ihre Gedanken zum Thema Legasthenie in Bewegung zu bringen:

Wie viele wertvolle Gedanken gehen verloren, nur weil bereits im Kindesalter vielen Menschen die Lust vergangen ist, sich über die Schriftsprache mit anderen auszutauschen?

Wie viele Menschen „schweigen“ - aus ANGST, sich wegen ihrer Ausdrucksfähigkeit blamieren zu können?

Insbesondere das Gedankengut der legasthenischen Menschen unter uns könnte unter Umständen langsam verloren gehen, wenn ihre ganz besondere Wahrnehmungsfähigkeit weiter als „Wahrnehmungs-Störung“, und die Erscheinungsform Legasthenie als Krankheit deklariert wird.

Legasthene Menschen verfügen über ein Talent. Ein Talent, mit dem sie die Welt auf eine etwas andere Art und Weise für sich erschließen.

Ein Talent, das ihnen jedoch beim Lesen und Schreiben keinen besonders guten Dienst erweist.

Kein Grund zur Beunruhigung, denn es scheint eine Möglichkeit zu geben, für die Zeit des Lesens und Schreibens dieses besondere Talent einfach „abzuschalten“.

Wie das gehen soll, fragen Sie sich?

Die Antwort hat der Amerikaner Ronald Davis, selbst Legastheniker, für sich gefunden.

Menschen, die über diese besondere Art der Wahrnehmung verfügen, können lernen,

ihre Wahrnehmung zu kontrollieren, so dass ihre Fähigkeit zu lernen nicht länger durch die so genannte Desorientierung gestört werden muss.

Ronald Davis hat einen Weg gefunden, u.a. das Symbol Buchstabe begreifbar werden zu lassen.

Sich ein Bild - ein inneres Bild - von einem Wort machen zu können, das scheint ein gangbarer Weg vieler legasthenischer Menschen zu sein, um aus dem Dilemma rauszukommen.

Dem Dilemma, aufgrund mangelnder Sprach- und Rechtschreibkompetenz in ihrem Selbstwertgefühl geschwächt zu sein, und aufgrund dessen ihre kreativen Gedanken für die Mitgestaltung unserer Welt unter Verschluss stellen.

Lassen wir uns überraschen, was sich in Richtung Förderung von Sprachkompetenz entwickelt…

Ich lade alle ein, die jetzt mitgelesen haben, sich auf allen Ebenen dafür zu engagieren, dass unsere Kinder ein stabiles Fundament bauen können, um mit Freude und Zuversicht die Herausforderungen, die unsere Informations- und Wissensgesellschaft mit sich bringt, meistern zu können.

Viele Grüße aus Bayern

Manuela Engl


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