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Gleichstellung

Jungen entdecken weibliche Berufswelten

Mehr zu: Berufsorientierung, Fachkräftebedarf, Girls' Day, Gleichstellung, Schule
18.04.2011 -

(dpa) – Kita, Krankenhaus, Blumenladen: Beim offiziell ersten bundesweiten "Boy's Day" haben Jungen am 14. April in typische Frauenberufe hineingeschnuppert. Der Zukunftstag mit rund 34 000 Teilnehmern ab der fünften Klasse fand parallel zum elften "Girls' Day" statt, an dem sich rund 124 000 Mädchen in klassischen Männerdomänen erprobten.

Nach Angaben der Veranstalter hatten insgesamt rund 14 000 Firmen, Forschungszentren und Organisationen ihre Pforten für Schülerinnen und Schüler geöffnet. Das Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit in Bielefeld koordiniert beide Aktionstage. Während die Mädchen Einblicke in technische, naturwissenschaftliche und handwerkliche Jobs gewannen, entdeckten die Jungen soziale Berufe wie die Kinderbetreuung oder die Alten- und Krankenpflege, in denen bislang nur wenige Männer arbeiten. In Workshops trainierten sie zudem ihre sozialen Kompetenzen oder sprachen mit anderen Jungen und Männern über Themen wie Rollenbilder und Lebensplanung.

Chancen der Jungen in typischen Frauenberufen groß

Jetzt sei es Zeit, beide Geschlechter in den Blick zu nehmen, betonte Bundesfamilienministerin Kristina Schröder (CDU). "Gleichberechtigung erreichen wir nicht durch Umerziehung, sondern indem wir beiden Geschlechtern faire Chancen eröffnen." Viele Jungen wüssten gar nicht, welche Chancen sich ihnen in Branchen wie der Altenpflege oder Erziehung böten. Hier seien Männer gern gesehen. Und hier sind sie rar. In der Kita-Betreuung machen Männer der Statistik zufolge gerade einmal 3,5 Prozent der Beschäftigten aus.

"Der Kraftfahrzeugmechatroniker rangiert immer noch auf Platz eins, gefolgt von Klassikern wie Informatiker, Kaufmann oder Elektriker", berichtete Miguel Diaz, wissenschaftlicher Referent beim Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit. Dabei sind die Chancen für Männer in vielen "Frauenberufen" gut – künftig werden sie sogar noch besser. "Im Sozialwesen herrscht Fachkräftemangel", erläuterte Norbert Hocke von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW). "Wer eine Ausbildung als Erzieher oder Pfleger macht, hat gute Jobaussichten." Allein in Kitas würden in naher Zukunft bundesweit rund 50 000 zusätzliche Erzieher gebraucht. Ähnlich sieht es in der Alten- und Krankenpflege aus.

Einen Grund, warum Jungs in klassischen weiblichen Jobs so selten vertreten sind, beschrieb Diaz so: "Diese Berufe erfahren oft wenig gesellschaftliche Anerkennung." Die Wahl werde maßgeblich durch tradierte Rollenvorstellungen beeinflusst. "Dabei zeigen die Jungs eine große Offenheit, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen." Oft seien es eher die Erwachsenen, die Vorbehalte hätten.

Bereits am 13. April hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zum Auftakt des Aktionstags Schülerinnen im Kanzleramt empfangen. Den Mädchen-Zukunftstag gibt es seit 2001. Seither haben den Angaben nach mehr als eine Million Mädchen an dem bundesweiten Projekt teilgenommen. Die Zukunftstage werden unter anderem vom Bundesfamilienministerium sowie aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds gefördert.

Olivia Konieczny und Antje Uhlenbrock
(dpa-Dossier Bildung Forschung 16/18.04.2011)

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