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Wettbewerbe

Inklusive Bildung braucht gute Beispiele

Jakob Muth-Preis für inklusive Schule will das gemeinsame Lernen voranbringen und Skepsis in Teilen der Bevölkerung überwinden helfen

Mehr zu: Handikap, Inklusion, Kinderrechte, Stiftungen, Wettbewerbe, Schule
20.06.2011 -

(red/pm) Gemeinsames Lernen von behinderten und nicht behinderten Kindern findet in der deutschen Bevölkerung keine ungeteilte Zustimmung. Das zeigt eine aktuelle Meinungsumfrage der Bertelsmann Stiftung. Zwar sprechen sich 88 Prozent der Befragten für den gemeinsamen Unterricht von nicht behinderten und körperbehinderten Kindern aus. Die Inklusion von geistig behinderten Kindern findet mit 56 Prozent dagegen deutlich weniger Zuspruch. Für die Inklusion von verhaltensauffälligen Kindern votieren lediglich 53 Prozent der Befragten.

Ausdrücklich zum gemeinsamen Lernen aller Kinder ermutigen will der Jakob Muth-Preis für inklusive Schule, der dieses Jahr zum dritten Mal vom Bundesbeauftragten für die Belange behinderter Menschen, von der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen UNESCO-Kommission ausgeschrieben wird. Schulen und Schulverbünde können sich bundesweit bis zum 15. September 2011 bewerben. Die Preise werden im Januar 2012 in Berlin verliehen.

"Die seit März 2009 für Deutschland verbindliche UN-Behindertenrechtskonvention macht den Weg zum inklusiven Schulsystem unumkehrbar. Jetzt gilt es, diesen Weg zügig zurückzulegen. Kinder mit Behinderungen haben ein Recht auf den Besuch einer allgemeinen Schule", so der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange behinderter Menschen, Hubert Hüppe. Er unterstreicht: "Gute Beispiele inklusiver Schulen liefern die besten Argumente, denn sie zeigen: Gemeinsamer Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen stärkt die Bildungschancen aller Kinder, ob mit oder ohne Behinderungen."

"Die Skepsis in manchen Teilen der Bevölkerung gegenüber Inklusion müssen wir überwinden. Mit der Verleihung des Jakob Muth-Preises können wir zeigen, dass inklusive Schulen auch gute Leistungen bringen und das gemeinsame Lernen allen Kindern nützt – nicht nur denen mit Förderbedarf", unterstreicht Jörg Dräger, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung.

"In Deutschland hat sich in den letzten Jahren einiges bewegt", so Dr. Roland Bernecker, Generalsekretär der Deutschen UNESCO-Kommission, für die inklusive Bildung als Menschenrecht ein zentrales Anliegen ist. "Dennoch haben wir im internationalen Vergleich noch immer großen Nachholbedarf. Wir müssen in den nächsten Jahren entschlossen handeln, um Inklusion als Leitidee in der Bildungspolitik und -praxis zu verankern. Erst wenn unser Bildungssystem allen Kindern ermöglicht, in einem gemeinsamen Unterricht voll am schulischen Leben teilzuhaben, können wir von umfassender Bildungsgerechtigkeit sprechen."

Dieses Jahr wird der Jakob Muth-Preis auch zum ersten Mal von der Sinn-Stiftung mitgetragen, die die Preisträgerschulen nach der Preisverleihung in ihrer Arbeit weiter unterstützen wird. Der Gründer und Vorstand der Sinn-Stiftung, Christian Rauschenfels, betont: "Wir wünschen uns, dass sich alle Menschen als bedeutsames Mitglied der Gesellschaft erleben können. Wenn in Schulen Inklusion gelebt wird, wird dies ausstrahlen auf viele andere Bereiche des Zusammenlebens und Inklusion wird zur selbstverständlichen Grundhaltung einer Gesellschaft, die ihren Reichtum aus der Vielfalt schöpft."

2 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von headmaster, am 20.06.2011, 18:45

Die Befürchtungen, das durchschnittlich begabte Kind könne womöglich auf dem Weg zum eigenen Schulabschluss unter der Anwesenheit behinderter Kinder "leiden", liegt doch nur darin begründet, dass die meisten von uns oberhalb von 20 Jahren in der Schule fast nur frontales Lernen erleben durften-die Vorstellung aber, dass heute Lehrer sinnvoll differenzieren können und dass längst nicht mehr alle, die in einer Klasse sitzen, das Gleiche machen müssen, ist einfach noch zu neu...

Aber dass wir es hier mit einem Menschenrecht(!) zu tun haben, lässt doch die Fragestellung, ob man dafür oder dagegen ist, hinfällig erscheinen, oder?

Und dann gibt es eigentlich nur 2 richtige Hemmnisse auf dem Weg zur Inklusion:

a) die weitere Etikettierung der Kinder nach Behinderungsarten

b) "die" Sonderpädagogik

Beides wird auf absehbare Zeit verhindern, dass das Schulsystem inklusiv wird...wir müssen endlich das Heterogene zur Norm machen!

Davon abgesehen gilt: einfach mal anfangen! Das ist immer noch besser für alle Beteiligten als endlose Diskussionen über den goldenen Weg!

So halte ich es jedenfalls mit meiner eigenen Schule seit einigen Jahren- was man ja kaum laut sagen darf!

von Cornelia Buhl, am 23.06.2011, 09:37

Die Idee ist nicht neu. Menschlichkeit eben. Sie so elitär zu zerquatschen nervt mich und wird sowieso allein schon vom Wort von den meisten Menschen so nicht verstanden. Die Selbstverständlichkeiten im Miteinander der Menschen einfach umzusetzen ist, was zählt.

Nicht das ewige Quatschen, Konzepte machen, Zerreden. Das bindet unglaublich viel Zeit von eigentlich kompetenten Menschen, die ihre Kraft für Konkretes einsetzen sollten. Das ist meine Meinung aus dem Bauch heraus. Cornelia Buhl


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