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Schulstruktur

CDU: Gymnasium bleibt Kernstück der Schulpolitik

Beschluss des CDU-Bundesvorstands zur "Bildungsrepublik Deutschland"

Mehr zu: Gemeinschaftsschule, Gesamtschule, Hauptschule, Oberschule, Realschule, Schavan, Schulstruktur, Spaenle, Schule
28.06.2011 -

(red) Wie erwartet hat der CDU-Bundesvorstand gestern ein neues Schulkonzept beschlossen. Das "Zwei-Wege-Modell" sieht neben dem Gymnasium die Schaffung einer neuen Oberschule vor, die Haupt- und Realschule vereinen soll.

"Wir wollen das differenzierte, auf Leistung und Durchlässigkeit und Chancengerechtigkeit setzende Bildungssystem demografiefest und zukunftssicher machen", so CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe.

Gröhe hob hervor, dass man in den kommenden fünf Monaten eine intensive Debatte in der Partei führen wolle. Es hätten sich bereits in den vergangenen Monaten viele Landesverbände mit dem Thema Bildung beschäftigt und eigene Anträge auf Landesparteitagen verabschiedet. Nun wolle man diese Ideen im November auf dem 24. Parteitag in Leipzig zusammenführen. Der Beschluss des Bundesvorstands sei hierfür die Grundlage.

Im Beschluss des CDU-Bundesvorstands habe man die Grundsätze der CDU-Bildungspolitik zusammengefasst, so Bundesbildungsministerin Annette Schavan. Dazu gehöre es vor allem, dass man "vom Kind her" denke. " Man könne Schulformen sinnvoll miteinander verknüpfen, erläuterte Sachsens Kultusminister Wöller. Zugleich bleibe aber das Gymnasium "Kernstück der Bildungspolitik der CDU."

Kritik aus den eigenen Reihen

Im Vorfeld des Beschlusses hatte es deutliche Kritik gegeben unter anderem von der CSU und aus Hessen.

"Wir setzen in Bayern weiterhin auf die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler, und zwar möglichst wohnortnah", hatte Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle den Entwurf des CDU-Leitantrags zur Schulpolitik kommentiert. Dabei seien für ihn die Schularten Haupt-/Mittelschule, Realschule, Wirtschaftsschule und Gymnasium ebenso wichtig wie die Fach- und Berufsoberschule.

Hessens Kultusministerin Dorothea Henzler (FDP) hatte klar gestellt, dass den Bundesländern nicht in ihre Schulpolitik hineingeredet werden dürfe. Die Hessische Landesregierung setze auf ein vielfältiges Schulsystem, das Eltern Wahlfreiheit gewähre. Man werde deshalb, so die Kultusministerin, in Hessen keine funktionierende Hauptschule abschaffen.

Auch der Philologenverband, der Deutsche Lehrerverband und der Bayerische Realschullehrerverband waren nicht gerade erfreut über die neuen bildungspolitischen Grundsätze der CDU. "Wer heute allein wegen der Demografie die Hauptschule aufgibt, kann morgen aus gleichen Gründen auch einer Zusammenlegung von Ober-, Stadtteil- oder Sekundarschulen mit Gymnasien das Wort reden", warnte der Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes, Heinz-Peter Meidinger, Sehr bald, spätestens wenn die Schüler auch für die Oberschule nicht mehr reichen, wird man mit diesem Argument die Zusammenlegung aller Schularten, auch des Gymnasiums, fordern, was dann endgültig der Gesamtschule gleichkomme, so die Prognosen des Vorsitzenden des Bayerischen Realschullehrerverbands Anton Huber. Deutliche Worte auch vom Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands, Josef Kraus: "Nachdem die CDU bereits in anderen Politikbereichen ihr Kernprofil verwischt hat, inszeniert sie nun auch schulpolitisch eine Kernschmelze."

Zustimmung von anderer Seite

Beifall hingegen erhielt die CDU eher von ungewohnter Seite: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) habe festgestellt, dass die CDU offenbar langsam in der Realität ankomme, erklärte GEW-Vorstandsmitglied Marianne Demmer. Die Bildungsgewerkschaft hoffe, dass es nicht noch einmal einer ganzen Generation bedürfe, bis sich die Christdemokraten auch für die "eine Schule für alle Kinder" erwärmen können, so Demmer weiter.

Und der Vorsitzende des Verbands Bildung und Erziehung Udo Beckmann erklärte, das Signal aus der CDU für ein zweigliedriges Schulsystem stoße im VBE auf ein positives Echo . "Es ist allemal besser, sich der Wirklichkeit zu stellen statt sich in ideologischen Gräben zu verbarrikadieren", so Beckmann. "Alle Kinder haben einen Anspruch auf vertiefte Allgemeinbildung".

2 Kommentare (es gelten unsere Kommentarregeln)
von Sigma, am 30.06.2011, 15:13

In Rheinland-Pfalz hat es schon zwei Versuche gegeben, die Akzeptanz der Hauptschule zu retten. Ein freiwilliges 10. Schuljahr ermöglichte es, den Realschulabschluss auch in einer Hauptschule zu erreichen. Dann hat man die Hauptschule mit einem Realschulzweig erweitert und die Schulform „Regionale Schule“ genannt. Der freie Elternwille entschied sich dennoch für die Realschulen, die „Haupt-Schule“ wurde zur „Rest-Schule“.

Wie reagiert die Politik?

Man sagt: Die Hauptschule wird abgeschafft! Man meint: Haupt- und Realschulen werden zwangsvereinigt - und weil die UNO unter dem Stichwort "Inklusion" eine Einbindung behinderter Kinder fordert - werden die Förderschulen gleich mit abgeschafft, nur das sagt man nicht so laut. Umso lauter dagegen: Das Gymnasium bleibt unangetastet! (siehe Hamburg!)

Die Linken, Grünen und die SPD haben endlich die besonders seit dem "Pisaschock" geforderte Gesamtschule und die CDU und FDP behalten das geliebte Gymnasium als "Kernstück der Bildungspolitik" (Das Gymnasium ist also der Kern, der Rest weniger wichtig). Dies ist ein (fauler) Kompromiss, mit dem alle Parteien leben können. Um bei den Wählern keine Abwehrreaktionen

durch belastete Begriffe wie "Hauptschule" oder "Gesamtschule" hervorzurufen, müssen nur noch 16 euphemistische Namen für die neue Patchwork-Schule gefunden werden: "Oberschule" oder "Realschule Plus" (so in Rheinland Pfalz) ... Fertig ist die Schulstrukturreform. Aus 4 mach 2 - wir sind alle dabei!

In Zukunft wird es also das traditionelle Gymnasium für die begabten Kinder (und selbstverständlich meine!) geben und daneben eine zweite Schule als bildungspolitischer Spielplatz. Dort gibt es dann längeres gemeinsames Lernen (oder Nichtlernen weil die Gymnasiasten, die ja als Vorbild und Helfer dienen könnten, fehlen), individuelles Lernen (bei 25 - 30 Schülern pro Klasse) und Differenzierung (bei Klassenarbeiten und Notengebung, damit alle Erfolge haben), aber ohne ausreichende Unterstützung durch Schulpsychologen und Sozialarbeiter (weil die Reform kosten- und personalneutral sein soll). Man darf alle Ideen der Skandinavier übernehmen, nur nicht deren Bildungsausgaben. Durch die Zusammenlegung von Haupt- und Realschulen werden sogar noch Schulleitungsstellen eingespart! Als Sahnehäubchen obendrauf kommt eine zweijährige Fachoberstufe, die zur Fachhochschulreife führt. Dies ist dann die „Realschule Plus“ – quasi ein „Gymnasium light“.

Eltern werden sich auch weiter zunehmend für die "richtigen" Gymnasien entscheiden. Diese werden auch keine Kinder ablehnen, da das mehr Funktionsstellen und damit Beförderungen und Gehaltserhöhungen für die Kollegien verspricht. Jetzt wird das Gymnasium zur "Gesamtschule" und die Oberschule/Realschule Plus zur "Restschule". Solange es neben dem Gymnasium eine weitere Schulform gibt, wird es immer eine Restschule geben. Also müsste man logischerweise eine Gesamtschule für alle fordern. Dies befürchten ja auch schon die Verbände der Gymnasien

und Realschulen (siehe Artikel). Aber es gibt für begabte Schüler und deren betuchte Eltern noch einen Ausweg: das private Gymnasium.

Am Ende werden wir uns dann an das angelsächsische Schulmodell angepasst haben: Private Schulen für die Eliten und diejenigen, die es sich leisten können und staatliche Gesamtschulen für den Rest, also das Volk. Ein guter Name für diese Schulen wäre doch "Volksschule"!

Wer wirklich etwas für die Förderung von benachteiligten Kindern tun will, müsste bereit sein, mehr Geld für die Bildung auszugeben, so wie es die skandinavischen Pisa-Gewinner tun. Deutschland liegt trotz aller Versprechungen in Wahlkampfreden erschreckend weit hinten im internationalen Vergleich der Bildungsausgaben, bei den Sozialausgaben aber weit vorne. Diese Kinder sind schon benachteiligt, bevor sie überhaupt eine Schule betreten, weil sie von ihren Eltern nicht so gefördert und zur Leistungsbereitschaft erzogen wurden wie die Kinder der Bildungsbürger. Wie kann man Kinder mit ungenügenden Sprachkenntnissen einschulen und dann die Hauptschule dafür verantwortlich machen, dass sie zu wenig gelernt haben oder gar ohne Schulabschluss bleiben? Daran wird sich auch nichts ändern, wenn man die Schule jetzt „Oberschule“ nennen will. Bildungsgerechtigkeit fängt spätestens beim kostenlosen Pflichtkindergarten mit Vorschule an - bei schwierigen Verhältnissen schon bei der Betreuung nach der Geburt eines Kindes. Aber jedes Bundesland darf erstmal eine kostenneutrale Schulreform nach dem Geschmack der jeweiligen Koalition ausprobieren.

von Martina Brunn, Dresden, am 04.07.2011, 20:11

Ich verstehe das ganze Hickhack nicht. Diejenigen, die sich der Gesamtschule verweigern, wollen überhaupt nicht den Nutzen sehen. Das Bildungsnieveau einer reinen Hauptschulklasse ist nun wirklich nicht mit einer gutetn Realschulklasse zu vergleichen, in der es eine Spitze, ein breites Mittelfeld und wenige schwächere Schüler gibt. Hier im Osten Deutschlands wurde lange Jahre so gelernt und die Erfahrung zeigte, dass es so viel eher möglich ist, schwächere Schüler mitzuziehen und Schülerpatenschaften einzurichten, durch die Stärkere den Schwächeren regelmäßig helfen. Allerdings war es ein großer Vorteil, dass die Gymnasialzeit erst mit der 9. Klasse begann, so dass bis zur 8. Klasse in den gemischten Klassen ein gleichmäßiges Niveau herrschte und nicht die heutigen Probleme auftraten, dass in Ballungsgebieten der größte Teil der Klasse nicht altersgerecht gebildet und entwickelt ist und Lehrer sich redlich mühen müssen, einfachste Unterrichtsinhalte in die Köpfe zu kriegen.


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