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Inklusion

In NRW bleiben überdurchschnittlich viele Kinder mit Förderbedarf von der Regelschule ausgeschlossen

Schulministerin Löhrmann spricht von "Mammut-Aufgabe"

Mehr zu: Bildungschancen, Handikap, Inklusion, Kinderrechte, Nordrhein-Westfalen, Statistik, Schule
26.08.2011 -

(red/pm) - Beim "Gemeinsamen Lernen" von Kindern mit und ohne Behinderung liegt Nordrhein-Westfalen unter dem Bundesdurchschnitt. Nach Recherchen der Aktion Mensch lernen nur 16,7 Prozent der Kinder mit Förderbedarf an Regelschulen. Bundesweit betrug der Anteil zuletzt 20,1 Prozent, neue Zahlen wird die Kultusministerkonferenz frühestens im November veröffentlichen.

Dabei sind die Unterschiede zwischen den Städten groß: Während in Bonn 23 Prozent der Kinder mit Förderbedarf eine weiterführende Schule besuchen, sind es in Gelsenkirchen lediglich zwei Prozent. Diese Differenz wird bei den Grundschulen noch deutlicher: Fast 40 Prozent der Kinder werden in Remscheid inklusiv unterrichtet, in Bottrop sind es dagegen nur vier Prozent.

NRW-Schulministerin Sylvia Löhrmann (Die Grünen) sieht Nordrhein-Westfalen trotzdem auf einem guten Weg: "Der sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergebene Auftrag, ein inklusives Bildungssystem zu gewährleisten, ist eine Mammut-Aufgabe." Diese sei nur über mehrere Schritte in einem mittelfristigen Zeitraum zu absolvieren. Die Landesregierung hat für das kommende Schuljahr 2011/12 rund 400 zusätzliche Lehrerstellen zur Verfügung gestellt. Es solle nicht länger beim Wechsel zur weiterführenden Schule Schluss mit der inklusiven Bildung sein, so Löhrmann weiter. Denn: Während ein Viertel der Grundschüler mit Förderbedarf im NRW-Durchschnitt inklusiv unterrichtet werden, besuchen danach nur noch elf Prozent die weiterführende Schule. Nach der UN-Behindertenrechtskonvention, die in Deutschland seit 2009 in Kraft ist, darf niemand aufgrund seiner Behinderung vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW kritisiert die Vorgaben der Landesregierung. "Nur ein Fortbildungstag pro Jahr und Schule, um die Lehrer auf inklusiven Unterricht vorzubereiten, ist eindeutig zu wenig", sagt deren Vorsitzende Dorothea Schäfer. Auch seien die Klassen mit bis zu 30 Schülern zu groß. Bei fünf Kindern mit Förderbedarf liege die optimale Klassengröße bei nicht mehr als 20 Kindern. Darüber hinaus sei eine Doppelbesetzung mit Sonderpädagogen und Regelschullehrkräften erforderlich.

Der Aktion Mensch sieht großen Handlungsbedarf: "Es ist immer noch weitverbreitete Ansicht, dass Kinder mit Behinderung nur in der Sonder- oder Förderschule gut aufgehoben sind oder sie sogar das Fortkommen anderer auf der Regelschule bremsen", sagt Martin Georgi, Vorstand der Aktion Mensch und Mitglied im Expertenkreis "Inklusive Bildung" der deutschen UNESCO-Kommission.

Ein einheitliches Schulsystem mit weniger Schultypen ist auf Dauer auch kostengünstiger, meint Andreas Hinz, Inklusionspädagoge der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg. "Mit einem voll ausgestatteten sonderpädagogischem System plus einem Gemeinsamen Unterricht an Regelschulen leistet sich Deutschland im Moment das denkbar teuerste Schulsystem überhaupt."

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